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2.2.1.2. Annäherung des deutschen Handelsrechts an internationale Normen

Insbesondere seit Mitte der 1980er Jahre wurden verstärkt Gesetze verabschiedet, welche die Einflüsse internationaler Rechnungslegungsvorschriften auf das deutsche Handelsrecht sukzessive ermöglichten. So wurde 1985 das BilRiLiG verabschiedet, das die vierte (Einzelabschluss-Richtlinie), siebte (KonzernabschlussRichtlinie) und achte (Prüfer-Richtlinie) EG-Richtlinie in deutsches Recht umwandelte.[1] Diesem ersten Schritt folgte die immer stärkere, internationale Ausrichtung deutscher Unternehmen und bald auch die ersten Vorschriften zur Anwendung entweder der Regelungen nach IFRS oder US-GAAP, um sich z.B. am Neuen Markt der Deutschen Börse listen zu lassen.[2]

Mit dem KapAEG von 1998 wurde es deutschen Konzernmutterunternehmen erstmals erlaubt, für die Erstellung und Offenlegung ihres Konzernabschluss zwischen deutschem Recht und internationalen Standards (IFRS oder US-GAAP) zu wählen.[3] Dies galt zunächst nur für börsennotierte Unternehmen, wurde aber 2004 auf kapitalmarktorientierte Unternehmen ausgeweitet.[2] Mit dem KonTraG von 1998 und dem TransPuG von 2002 erfolgte eine weitere Annäherung des deutschen Handelsrechts an internationale Rechnungslegungsvorschriften.[5] Das 2004 verabschiedete BilReG verankerte die Pflicht zur Aufstellung von Konzernabschlüssen für kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften und sonstige Rechtsformen, ebenso wie das Wahlrecht für Einzelabschlüsse und Konzernabschlüsse nicht kapitalmarktorientierter Kapitalgesellschaften und sonstiger Rechtsformen.[6] Der bis jetzt letzte große Schritt der Internationalisierung der deutschen Rechnungslegung folgte schließlich 2009 mit der Verabschiedung des BilMoG, dessen Hauptziele die "[…] Deregulierung (Entlastung der Unternehmen durch Erleichterungen bei der Rechnungslegung), Konservierung (Bewahrung der Prinzipien des deutschen Bilanzrechts, d. h. handelsrechtlicher Jahresabschluss als Grundlage der Ausschüttungsbemessung und Ausgangspunkt der steuerlichen Gewinnermittlung), Harmonisierung (Umsetzung von EG-Richtlinien – Abänderungs- und Ab-schlussprüferrichtlinie) sowie Internationalisierung (Schaffung einer dauerhaften und kostengünstigeren Alternative zu den IFRS)."[7] waren.

Auf Basis eben dieser Gesetze wurde es in den letzten Jahren möglich, den Jahresabschluss in Deutschland nicht nur nach den Regelungen des HGB, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch nach IFRS aufzustellen.

Insbesondere in der Konzernrechnungslegung wurde ab 2005 der IFRS-Abschluss relevant: Für kapitalmarktorientierte Unternehmen als Pflicht, für nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen als Wahlrecht. Im Rahmen des Einzelabschlusses besteht nach § 325 Abs. 2a HGB die Möglichkeit, zu Offenlegungszwecken nach IFRS zu bilanzieren.

  • [1] Vgl. Böcking/Oser/Pfitzer/Pellens/Rüthers/Sellhorn, o.J.
  • [2] Vgl. Pellens/Fülbier/Gassen, 2004, S. 47
  • [3] Vgl. Pellens/Rüthers/Sellhorn, o.J.
  • [4] Vgl. Pellens/Fülbier/Gassen, 2004, S. 47
  • [5] Vgl. Pellens/Fülbier/Gassen, 2004, S. 48
  • [6] Vgl. Pellens/Fülbier/Gassen, 2004, S. 49 f
  • [7] Lorson/Melcher/Zündorf, 2010, S. 245
 
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