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2.2.2.2. Ermittlung der Auftragskosten und -erlöse

Zum Zwecke der späteren Bestimmung des Gewinns aus einem Fertigungsauftrag steht natürlich als erstes die Frage im Raum, wie die Auftragskosten und Auftragserlöse ermittelt werden.

Zur Ermittlung des Gesamterfolgs einer Auftragsfertigung ist in einem ersten Schritt die Ermittlung der Kosten des Auftrags unerlässlich. Geregelt sind diese nach internationalen Rechnungslegungsnormen in IAS 11.16 ff. und ergeben sie wie folgt:

Fertigungslöhne einschließlich der Löhne bzw. Gehälter für die Auftragsüberwachung

+ Kosten für Fertigungsmaterial

+ planmäßige Abschreibungen der für die Vertragsleistung eingesetzten Maschinen und Anlagen

+ Kosten für den Transport von Maschinen, Anlagen und Material zum und vom Erfüllungsort

+ Kosten aus der Anmietung von Maschinen und Anlagen

+ Kosten für die Ausgestaltung und die technische Unterstützung, die mit dem Projekt direkt zusammenhängen

+ die geschätzten Kosten für Nachbesserungen und Garantieleistungen einschließlich erwarteter Gewährleistungskosten

+ Kosten für Ansprüche Dritter

(1) = direkte Auftragskosten Versicherungen

+ Kosten für die Ausgestaltung und die technische Unterstützung, die nicht direkt in Zusammenhang mit dem Auftrag stehen

+ Fertigungsgemeinkosten

(2) = allgemein den spezifischen Verträgen zurechenbare Kosten Kosten der allgemeinen Verwaltung

+ Entwicklungskosten

(3) = sonstige zurechenbare Kosten

(1) + (2) + (3) = Gesamtauftragskosten

Tabelle 3: Ermittlung der Auftragskosten nach IAS 11.16 ff.[1]

Kosten der allgemeinen Verwaltung und Entwicklungskosten dürfen jedoch nur hinzu gerechnet werden, sofern es diesbezüglich eine vertragliche Vereinbarung gibt, die dies gestattet.[2] Fremdkapitalkosten zählen nach IAS 11.18 ebenfalls zu den sonstigen zurechenbaren Kosten.

Im Vergleich dazu werden die Herstellungskosten nach deutschem Recht wie folgt geregelt:

Tabelle 4: Herstellungskosten nach § 255 Abs. 2 HGB[3]

Im Gegensatz zu den Auftragskosten stehen die Auftragserlöse. Nach

§ 277 Abs. 1 HGB sind Umsatzerlöse wie folgt definiert:

"Als Umsatzerlöse sind die Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft typischen Erzeugnissen und Waren sowie aus von für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft typischen Dienstleistungen nach Abzug von Erlösschmälerungen und der Umsatzsteuer auszuweisen."

Auf Basis dieser Definition ergibt sich, dass "[…] Umsatzerlöse als einheitliche und wesentliche Indikatorgröße für die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens jeder Rechtsform und Größe genau bestimmt und gegenüber anderen Erlösbestandteilen abgegrenzt werden [können]."[4] Indem zwar klar definiert wird, als was Umsatzerlöse angesehen werden, wird jedoch nicht aufgezeigt, welche Bestandteile in die Umsatzerlöse einfließen können.[5]

In den IFRS werden die Umsatzerlöse gem. IAS 18 bestimmt. Da es sich bei der Langfristfertigung und ihrer entsprechenden Regelungen um spezielle Vorschriften handelt, gilt hier der Ansatz "lex specialis vor lex generalis". Somit gelten für die Bestimmung der Umsatzerlöse im Rahmen der Langfristfertigung die Vorschriften des IAS 11.11 ff. Insbesondere in IAS 11.11 wird der Umfang der Umsatzerlöse aufgezeigt. So bestehen diese aus "[…] de[m] ursprünglich im Vertrag vereinbarten Erlös; und (b) Zahlungen für Abweichungen im Gesamtwerk, Ansprüche und Anreize, […]"[6]

Die zu den ursprünglich vertraglich vereinbarten Umsatzerlösen hinzukommenden Abweichungszahlungen werden auf Basis einer "[…] Anweisung des Kunden zu einer Änderung der vertraglich zu erbringenden Leistungsumfangs."[7] geleistet, ein Anspruch wird als "[…] Vergütung für Kosten […], die nicht im Vertragspreis enthalten sind."[8] angesehen, und "Anreize sind Beträge, die zusätzlich an den Auftragnehmer gezahlt werden, wenn bestimmte Leistungsanforderungen erreicht oder überschritten werden."[9]

Die Bewertung der Umsatzerlöse erfolgt nach IAS 11.12 zum beizulegenden Zeitwert.

  • [1] direkte Auftragskosten nach IAS 11.17 allgemein den spezifischen Verträgen zurechenbare Kosten nach IAS 11.18 sonstige zurechenbare Kosten nach IAS 11.19
  • [2] Vgl. Wiley-VHC (Hrsg.), 2011, IAS 11.19 f
  • [3] § 255 Abs. 3 HGB sagt zudem: "Zinsen für Fremdkapital gehören nicht zu den Herstellungskosten. Zinsen für Fremdkapital, das zur Finanzierung der Herstellung eines Vermögensgegenstands verwendet wird, dürfen angesetzt werden, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen; in diesem Falle gelten sie als Herstellungskosten des Vermögensgegenstands."
  • [4] Reiner/Haußer, 2008, Rz 4
  • [5] Die Ermittlung der Bestandteile der Umsatzerlöse ist im Rahmen der Preispolitik Aufgabe des internen Rechnungswesens/Controllings und somit durch interne Prozesse eines jeden Unternehmens individuell gestaltet.
  • [6] Wiley-VHC (Hrsg.), 2011, IAS 11.11
  • [7] Wiley-VHC (Hrsg.), 2011, IAS 11.13
  • [8] Wiley-VHC (Hrsg.), 2011, IAS 11.14
  • [9] Wiley-VHC (Hrsg.), 2011, IAS 11.15
 
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