Einleitung

[1]

Der aktivierende Sozialpolitikdiskurs der 1990er Jahre bis zur Verabschiedung der Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt der Regierung Schröder [2] hat im System der sozialen Sicherung Deutschlands den Gedanken der Selbsthilfe und der Selbstorganisation von neuem akzentuiert und hierfür der personenbezogenen Unterstützung eine zentrale Bedeutung zugewiesen. Im Mittelpunkt des arbeitsmarktpolitisch dominierten, sowohl auf lokaler wie auf nationaler sozialstaatlicher Ebene geführten Diskursstranges stand eine Neujustierung des Verhältnisses zwischen Sozialstaat auf der einen und Arbeitslosen und Bedürftigen auf der anderen Seite [3].In Bezug zur Sozialhilfe setzte der aktivierende Diskurs zunächst auf lokaler sozialstaatlicher Ebene als Reaktion von Kommunen auf eine als unzureichend wahrgenommene Politik der Regierung Kohl ein, die zunächst wenig zur Behebung kommunaler Folgen drastisch gestiegener Arbeitslosigkeit [4], verstärkter Binnenund Zuwanderung im Zuge der deutschen Einhei [5] und der Versorgung und Eingliederung von Asylsuchenden und Bürgerkriegsflüchtlingen [6] beitrug. Diese Entwicklungen verschärften die Haushaltslage vieler, insbesondere großstädtischer Kommunen [7]. Weitgehend auf sich gestellt begannen solche Kommunen Armutsfolgen verstärkt in eigener Regie und auf eigenen Wegen zu bearbeiten. Dabei konzentrierten sie sich vorwiegend auf die schnell wachsende Gruppe der arbeitsfähigen Bedürftigen[8]. Zum Teil auf Erfahrungen aus den 1980er Jahren gestützt weiteten Sozialhilfeverwaltungen ihre Beschäftigungsund Vermittlungsangebote für arbeitsfähige Bedürftige im Laufe der 1990er Jahre stark aus und schufen hierfür erforderliche organisatorische Strukturen und Kapazitäten[9]. Dabei gewann die Zusammenarbeit mit freien Trägern und vor allem mit den Arbeitsämtern an Gewicht [10]. Im Zuge dieser Entwicklungen kam es in den Sozialhilfeverwaltungen zu einer Wiederentdeckung der das Bundessozialhilfegesetz (BSHG) prägenden Vorstellung der ‚Hilfe zur Selbsthilfe' und im Gefolge davon zu einer Wiederbelebung und Aufwertung der personenbezogenen Unterstützung [11], insbesondere für die Gruppe der arbeitsfähigen Bedürftigen. In die Fachkonzepte der personenbezogenen Unterstützung fanden zunehmend Vorstellungen, Methoden und Techniken aus der Sozialen Arbeit, zunächst zur Beratung und Hilfeplanung und dann auch zum Case Management, Eingang

[12]. Gerahmt und überformt wurden die Veränderungsprozesse der Sozialhilfeverwaltungen in den 1990er Jahren durch die Rezeption der durch die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung angetriebenen Bewegung der kommunalen Verwaltungsmodernisierung. In Bezug dazu griffen Sozialhilfeverwaltungen verstärkt Vorstellungen des New Public Managements auf, setzten sie partiell um und implementierten Elemente des Neuen Steuerungsmodells [13].

Ber Beitrag des Gesetzgebers zum aktivierenden Diskurs in der Sozialhilfe beschränkte sich bis zur Bildung der rot-grünen Bundesregierung zum einen auf die nachträgliche gesetzliche Absicherung der auf der lokalen Ebene des Sozialstaates bereits angestoßenen Prozesse[14] und zum anderen auf die Ermöglichung von Modellprojekten zur Stärkung, Verbreitung und Weiterentwicklung solcher Prozesse [15]. Die Regierung Schröder und mit ihr führende Kreise der Sozialdemokratie knüpften an den sich aus verschiedenen Quellen speisenden internationalen und vor allem nationalen, aber zunächst nicht lokalen, Aktivierungsdiskurs an [16]. Vor dem Hintergrund einerseits von Überlegungen zur Finanzierbarkeit und Zukunftsfähigkeit des sozialen Sicherungssystems im allgemeinen und der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe im besonderen, und andererseits von Überlegungen zur Rolle und Funktion des Sozialstaates und der Sozialverwaltung bei der Bearbeitung von Arbeitslosigkeit und Armut fokussierte die Regierung ihre politische Agenda und mit ihr den Aktivierungsdiskurs auf die Themen der Verwaltungsmodernisierung und besonders der Arbeitsmarktreform [17]. Mit dieser deutschen Variante des politischen Diskurses rückte die Frage nach dem eigenen Beitrag von Arbeitslosen und Bedürftigen zur Überwindung ihrer prekären Lebenslage und die institutionelle Gestaltung ihrer Unterstützung in den Mittelpunkt politischer Diskussionen [3]. Mit der Entwicklung und Ausarbeitung eines darauf bezogenen Handlungskonzeptes und seiner Verankerung in den Sozialgesetzbüchern rezipierte die Regierung Schröder auch Ergebnisse und Erfahrungen zum lokalen Aktivierungsdiskurs in der Sozialhilfe. Dabei erfüllte das Modellprojekt ‚Sozialagenturen

– Hilfe aus einer Hand' eine wichtige Brückenfunktion [19].Spätestens mit der Verabschiedung des vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt gab wieder der nationale Aktivierungsdiskurs den Takt für die personenbezogene Unterstützung Bedürftiger in der Grundsicherung (SGB II) und auch in der Sozialhilfe (SGB XII) vor [20].

Annähernd zeitgleich zu einer auf die „politische Gestaltung von Lebenslagen“ bezogenen Veränderung staatlicher Sozialpolitik der sozial-liberalen Regierungskoalition der frühen 1970er Jahre [21] , begann sich im Zuge der an Schärfe gewinnenden gesellschaftspolitischen Debatte zur „Art des Verhältnisses von staatlicher Sozialpolitik und Selbsthilfe [22]“ das Verständnis von Sozialpolitik in der deutschen Sozialpolitikforschung soziologisch zu erweitern [23]. In den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Diskurses rückte die Auseinandersetzung mit der personenbezogenen Unterstützung sozialstaatlicher Institutionen und Einrichtungen [24], die zunehmend auch die Beschäftigung mit den „Effektivitätsgrenzen und Nebenwirkungen sozialstaatlicher Maßnahmen“ [25] einschloss. Dies bedeutete, dass im sich entwickelnden Strang einer soziologischen Sozialpolitikforschung der 1970er und 1980er Jahre die Koproduktion der Empfänger von Sozialleistungen, wenn auch mit Betonung auf der institutionellen Ausgestaltung, zum Forschungsthema wurde [26]. Dabei wiesen empirische Befunde auf die wachsende Bedeutung einer die Handlungskompetenzen der Leistungsempfänger mobilisierenden und entwickelnden Unterstützung hin. Dies ließ zum einen auf einen Bedeutungsverlust der Steuerungsmedien Recht und Geld und zum anderen auf eine Aufwertung ökologischer und pädagogischer Formen sozialpolitischer Interventionen schließen [27]. Vor dem Hintergrund und im Zuge des skizzierten Diskurses und seiner Zwischenergebnisse entwickelte Franz-Xaver Kaufmann die Grundzüge seiner Theorie sozialpolitischer Intervention [28], die interdisziplinär, insbesondere auch in Bezug zur „stark praxisbezogene(n) [sozialwissenschaftlichen: Einfügung B.H.] Forschung zu Prävention und Intervention“, die das Feld der Sozialen Arbeit umschloss, „anschlußfähig“ war [29].

Innerhalb der deutschen soziologischen Armutsforschung der ausgehenden 1980er und der 1990er Jahre zeigte sich besonders in der lebenslauftheoretisch aufruhenden und verlaufsbezogen arbeitenden dynamischen Armutsforschung [30], dass Empfänger von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt in erheblichem Maße über Handlungskompetenzen verfügen und sie z.T. auch einsetzen, um Sozialhilfebedürftigkeit zu vermeiden, zu verkürzen oder zu beenden [31]. Zugleich wurde anhand der Forschungen sichtbar, dass Sozialhilfeverwaltungen selbst aktiv werden können und müssen, wenn sie Ressourcen der Bedürftigen für die Bearbeitung deren Problemsituation nutzen wollen [32].Insgesamt machten die gewonnenen Erkenntnisse etwas sichtbar, das bereits verstreut in der Sozialhilfeverwaltungspraxis offenbar geworden war: Sozialhilfeverwaltungen verfügen in weit höherem Maße als bislang angenommen über Möglichkeiten zur Steuerung der Bearbeitung von Sozialhilfebedürftigkeit [33]. Dies trifft vor allem auf eine professionelle Hilfe zu, die sowohl die Beteiligung der Bedürftigen, als auch ihre Bedarfe und Ressourcen systematisch in den Unterstützungsprozess einbezieht und entwickelt. Eine solche Hilfe ruht auf dem, nach Kaufmann den Kern von Selbsthilfe ausmachenden, Grundgedanken auf, „dass Staatshilfe strukturell nicht in der Lage ist, den Bedürfnissen und Interessen aller und eines jeden Bürgers bzw. Leistungsempfängers gerecht zu werden“ [34] und letztlich „jede(r) am besten selbst weiß, was ihm/ihr nützt“[35]. In diese Richtung zielten in den 1990er Jahren Untersuchungen in der Sozialhilfeforschung im Umfeld der Sozialen Arbeit[36]. Vor allem die Studien von Claus Reis und seinen Mitarbeitern beschäftigten sich theoretisch und empirisch, wenn auch schwerpunktmäßig aus einer organisationssoziologischen Perspektive, mit Fragen zur Dienstleistungsproduktion in der Sozialhilfe und in diesem Zusammenhang mit der Implementation von Konzepten und Instrumenten der Sozialen Arbeit [37].

Der wissenschaftliche Aktivierungsdiskurs in Deutschland der 1990er Jahre bis zur Veröffentlichung des Berichtes der ‚Kommission zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Umstrukturierung der Bundesanstalt für Arbeit'[38] im Jahre 2002 wurde schwerpunktmäßig in der Politikwissenschaft, z.T. auch in der soziologischen Sozialpolitikforschung, geführt. Der Diskurs war, obwohl auf den ersten Blick weniger offensichtlich, mit Vorstellungen zur Selbsthilfe und Selbstorganisation bzw. Selbststeuerung verschränkt, die jedoch auf einen anderen Kontext als im wissenschaftlichen Diskurs der 1970er und 1980er Jahre zielten. Die dominanten Stränge des Aktivierungsdiskurses der 1990er Jahre [39] die Diskurse zum aktivierenden Staat [40], zum aktivierenden Sozialstaat [41] und zum bürgerschaftlichen Engagement [42] kreisten in Bezug zum Selbsthilfegedanken um die Fragen, wie der Staat Bürger und gesellschaftliche Gruppen zur Wahrnehmung gemeinwohlorientierter Aufgaben bewegen kann, welche dieser Aufgaben von ihnen gemeinsam und welche getrennt erbracht werden können, welche Rahmenbedingungen der Staat zur Erfüllung dieser Aufgaben zu schaffen und zu garantieren hat und wie Staat, Bürger und gesellschaftliche Gruppen bei der Erbringung dieser Aufgaben zusammenarbeiten [43]. In den Konturen der Antworten auf diese Fragen lassen sich für die einzelnen Stränge des Aktivierungsdiskurses unterschiedliche Schwerpunkte in der Koproduktion der beteiligten Akteure eingrenzen: Im Diskurs zum aktivierenden Staat standen die „Verantwortungsteilung“ und „Verantwortungsstufung“ der Akteure bei der Festlegung und Erbringung staatlicher Aufgaben im Mittelpunkt[44], im Diskurs zum aktivierenden Sozialstaat stand die Wahrnehmung der Eigenverantwortung des Bürgers für seine Daseinsvorsorge, insbesondere hinsichtlich der Sicherstellung einer auskömmlichen Erwerbsarbeit, und der darauf bezogene investive Charakter sozialstaatlicher Unterstützung im Zentrum und im Diskurs zum bürgerschaftlichen Engagement die Schaffung und Gewährleistung von Rahmenbedingungen des Staates zur Förderung gemeinwohlorientierten Handelns der Bürger und gesellschaftlichen Gruppen. In Bezug zum Selbsthilfegedanken weisen die skizzierten Positionen, trotz aller Unterschiede im Einzelnen, auf etwas Gemeinsames hin: sie unterstellen insbesondere den Bürgern, aber auch den gesellschaftlichen Gruppen, einen Mangel an Bereitschaft zur Selbsthilfe und Selbstorganisation und kritisieren, dass die staatlichen Rahmenbedingungen zur Ermunterung und Ermöglichung von Selbsthilfe defizitär sind.

In Bezug zur Sozialhilfe und Sozialhilfeverwaltung kam die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Aktivierungsdiskurs im Schnittfeld von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit in Gang. Dazu publizierten im Jahre 2001 Hans-Jürgen Dahme mit Norbert Wohlfahrtund Achim Trube mehrere Aufsätze. Diese Autoren, die in diesem Feld die kritische wissenschaftliche Debatte, insbesondere in den Jahren bis zum Inkrafttreten des SGB II prägen sollten, attackierten in ihren Beiträgen die aus ihrer Sicht mit den Konzepten des aktivierenden Staates bzw. Sozialstaates und ihrer Umsetzung durch die Regierung Schröder im Rahmen der Agenda 2010 eingeläutete Abkehr vom „fürsorgenden Wohlfahrtsstaat“ und der damit einhergehenden Folgen, zum einen für Arbeitslose und Bedürftige und zum anderen für die institutionellen Rahmenbedingungen von personenbezogener Unterstützung und ihrer Rückwirkungen auf die Soziale Arbeit. Dabei nahmen die Kritiker den im Konzept des aktivierenden Staates prominent eingeschmolzenen Selbsthilfegedanken durchaus wahr, werteten ihn jedoch, wenn auch graduell unterschiedlich, negativ: Selbsthilfe und Selbstorganisation erschienen ihnen im Dienste gewandelter sozialstaatlicher Zwecke funktionalisiert. Für die empirische Sozialhilfeforschung der Jahre 2000 bis 2005 hatte dieser Diskurs keine nennenswerte Bedeutung. Dort knüpfte die Beschäftigung mit dem Thema der Aktivierung an dem schon entwickelten Strang der personenbezogenen Unterstützung und der Dienstleistungsproduktion an und brachte ihn mit dem Prozess der Formung des SGB II im politischen Raum in Verbindung.

Hinsichtlich der Sozialhilfe und speziell der Gruppe der arbeitsfähigen Bedürftigen knüpft die vorliegende Studie an die verschiedenen Stränge des Aktivierungsdiskurses der 1990er Jahre bis zum Inkrafttreten des SGB II insoweit an, als sie vor diesem Hintergrund die Veränderung des Zusammenhangs von Staatshilfe und Selbsthilfe in der personenbezogenen Unterstützung der Sozialhilfeverwaltung zum sozialpolitischen Forschungsthema macht. Dabei nimmt die Studie jenes Zeitfenster in den Blick, in dem diese Veränderung politisch vorangetrieben wurde und rechtlich fixiert worden ist. Dadurch wird gleichsam in statu nascendi die zukünftige Richtung der sozialstaatlich erwünschten Wohlfahrtsproduktion für arbeitsfähige Bedürftige, sowie der damit verbundene Stellenwert und Spielraum für Selbsthilfe und Selbstorganisation der Bedürftigen umrisshaft erkennbar. Inwieweit und auf welche Weise diese Neujustierung auf der Ebene des lokalen Sozialstaates aufgegriffen und umgesetzt worden ist bzw. wird, ist freilich eine offene, empirisch zu beantwortende Frage.

Vor dem Hintergrund des zentralen Ansinnens des Aktivierungsdiskurses, arbeitsfähige Bedürftige darin zu unterstützen, dass sie ihre Selbsthilfekräfte, ihre Vorstellungen und ihr Engagement für die Bearbeitung ihrer Problemsituation, insbesondere der Lösung ihres Erwerbsarbeitsproblems, einsetzen (können), stellt sich zunächst die Frage, inwieweit die hierfür im deutschen Fürsorgesystem geschaffenen rechtlichen Rahmenbedingungen förderlich sind und inwieweit das institutionelle Setting auf der lokalen Ebene des Sozialstaates, bei Sozialhilfeverwaltungen und Grundsicherungsträgern daran angepasst ist. Zum zweiten ist zu fragen, inwieweit auf dieser Grundlage das eingesetzte Personal anstrebt bzw. anstreben kann, die personenbezogene Unterstützung in einer Weise koproduktiv zu gestalten, so dass den arbeitsfähigen Bedürftigen Spielräume und Entfaltungsmöglichkeiten zur Nutzung ihres Selbsthilfepotentials eröffnet werden. In Bezug zu diesen beiden zentralen Hintergrundfragen entfaltet sich die Studie.

In Teil 1 der Untersuchung wird im Blick auf die Aktivierungsvorstellungen des späten BSHG und des frühen SGB II die Richtung der sozialstaatlich erwünschten Wohlfahrtsproduktion für arbeitsfähige Bedürftige im deutschen Fürsorgesystem bestimmt und damit der Spielraum zum Gebrauch ihrer Potentiale und ihrer Eigeninitiative für die Bearbeitung der Problemsituation abgesteckt.

Kapitel 1 rekonstruiert mit Blick auf die Gruppe der arbeitsfähigen Bedürftigen die für die Regierung Schröder maßgebliche Grundvorstellung von aktivierender personenbezogener Untersützung (Abschnitt 1.1), entwickelt vor diesem Hintergrund die forschungsleitende Frage der Untersuchung und arbeitet den für die Zwecke der Studie relevanten empirischen Forschungsstand auf (Abschnitt 1.2). Das folgende Kapitel 2 beschreibt (Abschnitt 2.1) und charakterisiert (Abschnitt 2.2) den Aktivierungsgedanken im späten BSHG und im frühen SGB II in Bezug zu den rechtlichen Grundlagen der personenbezogenen Unterstützungsvorstellung und ordnet ihn wohlfahrtsstaatstypologisch ein (Abschnitt 2.3). In Kapitel 3 wird das von Sozialhilfeverwaltungen und dem Gesetzgeber des SGB II favorisierte Fachkonzept ‚Case Management' vorgestellt. Zunächst werden theoretische Grundlagen des Konzeptes systematisch entwickelt (Abschnitt 3.1), danach drei sehr unterschiedliche Rahmenkonzepte des Case Managements für die Anwendung im Fürsorgesystem dargestellt (Abschnitt 3.2) und abschließend der Stellenwert des Empowermentgedankens in diesen Konzepten bestimmt (Abschnitt 3.3), der ein zentraler Indikator für den Grad der Ermöglichung von Selbsthilfe und Selbstorganisation ist. Das den ersten Teil der Untersuchung beschließende Kapitel 4 stellt das Modellprojekt ‚Sozialagenturen – Hilfe aus einer Hand' vor, das den theoretischen mit dem empirischen Teil der Studie verknüpft. Die wesentlichen Ergebnisse zum ersten Teil der Untersuchung werden in der Zusammenfassung aufeinander bezogen dargestellt.

In Teil 2 der Studie wird im Prozess des Übergangs vom BSHG zum SGB II für Sozialhilfeverwaltungen explorativ untersucht, inwieweit das dort eingesetzte Personal im Rahmen einer aktivierend verstandenen personenbezogenen Unterstützung anstrebt, die Problembearbeitung der arbeitsfähigen Bedürftigen entlang ihrer Bedarfe, Ressourcen und Vorstellungen zu gestalten.

In Kapitel 5 wird das Forschungsdesign der empirischen Untersuchung entwickelt und seine Umsetzung beschrieben. Anhand von zwei sehr unterschiedlich situierten Sozialagenturen aus Nordrhein-Westfalen wird in den Kapiteln 6 und 7 auf der Grundlage der Anwendung der Methode ‚Case Management' die Praxis des aktivierenden Handelns von Case Managern in der personenbezogenen Unterstützung arbeitsfähiger Bedürftiger verlaufsbezogen untersucht. Dabei steht die Ermöglichung von Selbsthilfe und Selbstorganisation der Bedürftigen im Mittelpunkt des Forschungsinteresses.

Die zentralen Ergebnisse der Teile 1 und 2 werden im abschließenden Kapitel 8 der Untersuchung zusammengesehen (Abschnitt 8.1). Die Studie schließt mit Schlussfolgerungen zur Ermöglichung von Selbsthilfe und Selbstorganisation arbeitsfähiger Bedürftiger im Fallmanagement der Grundsicherungsträger und einem Forschungsausblick (Abschnitt 8.2).

  • [1] Auf Grund der besseren Lesbarkeit ist in der Studie die männliche Schreibweise gewählt worden. Gemeint sind jedoch, sofern anderes nicht ausdrücklich erwähnt ist, stets Frauen und Männer
  • [2] Zur Rekonstruktion von Grundverständnis, Konzept und Leitbild aktivierender Sozialpolitik in diesem Zeitraum mit Blick auf die Sozialhilfe: vgl. Schwarze 2012, 229-234 und 256-263
  • [3] Siehe unten: Abschnitt 1.1.
  • [4] Statistisches Bundesamt (Hg.) 2011, 99. Zur Entwicklung der Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt bis zum Jahre 2001 vgl. Statistisches Bundesamt (Hg.) 2003, 238 und 242-243. Siehe auch: Institut für Sozialpädagogik und Sozialarbeit 1995
  • [5] Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (Hg.) 2005, 3 und 5
  • [6] Ebd. 3 und 5.
  • [7] Statistisches Bundesamt (Hg.) 2013, 21
  • [8] Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hg.) 2004, 9f
  • [9] Siehe beispielhaft: Fuchs / Schulze-Böing 1999; Leisering / Hilkert u.a. 2001, 72-74
  • [10] Vgl. Schwarze 2012, 279
  • [11] Ebd. 104
  • [12] Siehe u.a.: Deutscher Städtetag (Hg.) 1994; ders. (Hg.) 1999; Jacobs 1996; Seibert 1996; Kuntz 1999; Kuntz / Trube

    2000; Siebenhaar / Sommer 1999; MASQT (Hg.) 2000; Kolbe / Reis 2005a; Kolbe / Reis 2005b

  • [13] Vgl. Ortmann 1996; KGSt 1997; Trube 1996; Trube 2001c; Reis / Schulze-Böing (Hg.) 1998. Vgl. zusammenfassend Schwarze 2012, 298-301
  • [14] Ebd. 277f
  • [15] Siehe u.a. MASQT (Hg.) 2000; MASQT (Hg.) 2002a; MASQT (Hg.) 2002b; BMWA (Hg.) 2004
  • [16] Vgl. dazu Blanke 2009. In diesem Zusammenhang weist Schwarze zurecht darauf hin, dass der Aktivierungsdiskurs „in Deutschland nicht wirklich von einer [Hervorhebung im Original: B.H.] ideologischen oder politischen Richtung „besetzt“ [...] wurde“ (siehe: Schwarze 2012, 258)
  • [17] Siehe unten: Abschnitt 1.1; vgl. Schwarze 2012, 230
  • [18] Siehe unten: Abschnitt 1.1.
  • [19] Siehe unten: Abschnitt 4.1
  • [20] Vgl. Schwarze 2012, 231
  • [21] Vgl. Kaufmann 1987b, 16
  • [22] Ebd. 13.
  • [23] Vgl. ebd. 16-20.
  • [24] Vgl. ebd. 14
  • [25] Ebd. 17
  • [26] Vgl. ebd. 14f. und 17.
  • [27] Zu den Formen sozialstaatlicher Intervention siehe: Kaufmann 2009, 88-106 und 127-128
  • [28] Vgl. Kaufmann 1987b, 14. Siehe dazu ausführlich ders. 2009, 88-129 und 235-262
  • [29] Ders.1987b, 15
  • [30] Zu wesentlichen Befunden siehe: Leibfried / Leisering u.a. 1995. Zu den Veröffentlichungen zum Teilprojekt D3 ‚Sozialhilfekarrieren' am Sonderforschungsbereich 186 „Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf“ der Universität Bremen zwischen 1989 und 1999 siehe: Leibfried u.a. o.J. 59-77
  • [31] Vgl. Leibfried / Leisering u.a. 1995, 298-309
  • [32] Vgl. ebd. 311-329. Vertieft wurde diese Einsicht durch die Ergebnisse des Forschungsprojektes von Leisering / Hilkert u.a. 2001
  • [33] Vgl. ebd. 190-194
  • [34] Kaufmann 2010, 236
  • [35] Ebd. 236.
  • [36] Vgl. Jacobs 1996; Seibert 1996; Kuntz 1999; Burmann / Sellin / Trube 2000; Trube 2001b
  • [37] Vgl. Reis 1997a; Reis 1997b; Reis / Schulze-Böing (Hg.) 1998; MASQT (Hg.) 2000; Bartelheimer / Reis 2001b; MASQT (Hg.) 2002a
  • [38] Hartz u.a. 2002.
  • [39] Diese Diskurse setzten zeitlich unterschiedlich ein und verschränkten sich miteinander
  • [40] Zum Leitbild und Konzept des aktivierenden Staates, insbesondere mit Bezug zu Deutschland siehe u.a.: Bandemer u.a.1995; Bandemer / Hilbert 1998, 30-32; Blanke / Bandemer 1999, 6-8; Blanke u.a. 2002, 27-35; Blanke 2009.Nach Blanke wurde das Konzept des aktivierenden Staates als Gegenentwurf zu dem von liberalen und konservativen Kreisen sowie der Regierung Kohl favorisierten Konzept des schlanken Staates (siehe dazu etwa: Blanke u.a. 2002, 12-16) entworfen (vgl. Blanke 2009, 116)
  • [41] Zum Leitbild und Konzept des aktivierenden Sozialstaates, insbesondere mit Bezug zu Deutschland, das an zentralen Vorstellungen von Anthony Giddens anschloss (vgl. Giddens 1999), siehe u.a.: Evers / Leggewie 1999; Evers 2001, 84; Mezger / West (Hg.) 2000; Grundwertekommission der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Hg.) 2001; Trube 2003b; zusammenfassend siehe: Dingeldey 2011, 329-350 und 416-444
  • [42] Vgl. Heinze / Olk 2001; Heinze / Strünck 2000; dies. 2001; Blanke 2009, 120-123
  • [43] Siehe unten: Abschnitt 1.1
  • [44] Siehe etwa: Blanke u.a. 2002, 29
 
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