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3.5 Dimensionen geteilter Führung

Geteilte Führung wurde anfänglich als Gegenpol zu vertikaler Führung verstanden, wie es beispielsweise von Pearce und Sims (2002) und Ensley et al. (2006) empirisch untersucht wird. Dabei ist die Perspektive zutreffender, dass sich vertikale und geteilte Führung nicht ausschließen, so dass es sich um ein Kontinuum handeln kann, bei dem sowohl eine formelle Führungskraft Führungseinfluss ausübt und gleichzeitig geteilte Führung informell zum Tragen kommt. Das geht einher mit den Definitionen geteilter Führung, die einen dynamischen sozialen Prozess mit formellen und informellen Führungskräften thematisieren.

Von Mehra et al. (2006) werden unterschiedliche Dimensionen geteilter Führung identifiziert, die mit unterschiedlichen Beziehungen zur Effektivität einhergehen. Analog dazu formuliert Bolden (2011) die Untersuchung unterschiedlicher Dimensionen geteilter Führung als zentrale Forschungsfrage der Zukunft. Dabei unterscheiden Mehra et al. (2006) zwischen geteilter Führung, koordiniertgeteilter Führung und fragmentiert-geteilter Führung. Eine Visualisierung dieser Formen geteilter Führung findet sich in Abb. 3.3. Folglich kann geteilte Führung nicht per se einen positiven Zusammenhang mit Effektivität aufweisen, sondern die Dimension geteilter Führung ist ebenfalls ausschlaggebend – koordiniert-geteilte Führung zeigt somit eine höhere Effektivität als fragmentiert-geteilte Führung.

Abb. 3.2 Dimensionen geteilter Führung (Thorpe et al. 2011, S. 244)

Die Dimensionen geteilter Führung von Thorpe et al. (2011) orientieren sich im Gegensatz zu den Dimensionen von Mehra et al. (2006) an den Achsen „Planned“ vs. „Emergent“ und „Aligned“ vs. „Misaligned“ (siehe Abb. 3.2). Somit kann die chaotische Dimension geteilter Führung mit der fragmentiert-geteilten Führung nach Mehra et al. (2006) verglichen werden. An diesen Dimensionen wird darüber hinaus deutlich, dass geteilte Führung analog zur Ausgangsdefinition sowohl geplante (formelle) als auch ungeplante (informelle) Anteile und Ursachen haben kann.

Letztlich lassen sich bereits aus den Dimensionen geteilter Führung von Mehra et al. (2006) und Thorpe et al. (2011) verschiedene Implikationen für zukünftige Forschung ableiten. Einen wichtigen Ausgangspunkt stellt dabei der Zusammenhang zwischen geteilter Führung und Effektivität dar, der bei geteilter Führung nicht per se als positiv zu betrachten ist. Die Untersuchung dieser zentralen Forschungsfrage muss folglich der Ausgangspunkt zukünftiger Studien zu geteilter Führung sein, um darauf aufbauend differenziert unterschiedliche Dimensionen geteilter Führung zu erfassen (Bolden 2011). Darüber hinaus sind die dargestellten Dimensionen geteilter Führung auch für die Operationalisierung relevant, worauf im nächsten Abschnitt eingegangen wird.

 
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