Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Betriebswirtschaft & Management arrow Geteilte Führung
< Zurück   INHALT   Weiter >

3.6 Operationalisierungen

Nach der Abgrenzung von ähnlichen Konstrukten ist eine Auseinandersetzung mit den Operationalisierungen geteilter Führung notwendig. Dabei kann letztlich zwischen zwei Ansätzen unterschieden werden, die einmal einer verhaltensbasier-ten Messmethode (Avolio et al. 2003; Pearce und Sims 2002) entsprechen und auf der anderen Seite einer netzwerkbasierten Operationalisierung (Carson et al. 2007; Mehra et al. 2006) zuzuordnen sind. Die verhaltensbasierte Operationalisierung zeichnet sich nach Gockel und Werth (2010) dadurch aus, dass Verhaltensweisen individueller Führung auf die Teamebene gehoben werden und dort abgefragt werden, beispielsweise im Rahmen des TMLQ nach Avolio et al. (2003). Im Gegensatz dazu werden bei netzwerkbasierten Operationalisierungen die Teammitglieder eingeschätzt, inwiefern sie bestimmte Verhaltensweisen zeigen, so dass keine Fokussierung auf spezifische Theorien individueller Führung notwendig und auch keine Unterscheidung zwischen vertikaler und geteilter Führung möglich ist, da es sich somit bei geteilter Führung um ein Kontinuum handelt (Gockel und Werth 2010). Diese beiden Varianten der Operationalisierung werden in den folgenden Abschnitten vertieft diskutiert.

3.6.1 Verhaltensbasierte Operationalisierung

Die von Pearce und Sims (2002) und Avolio et al. (2003) verhaltensbasierte Operationalisierung geteilter Führung stellt die Anfänge der emprischen Forschung zu geteilter Führung dar.

Dabei baut der erste Fragebogen von Pearce und Sims (2002) auf den Verhaltenstheorien der Führung auf und unterscheidet zwischen fünf Varianten des Führungsverhaltens, die jeweils entweder vertikal oder geteilt auftreten können. Sie unterscheiden zwischen aversiver, direktiver, empowering, transaktionaler und transformationaler Führung. Jeder Befragte muss dabei jedes Item dieser fünf Führungsverhaltensweisen doppelt beurteilen – einmal bezogen auf die formale Führungskraft und einmal bezogen auf das gesamte Team. In Tab. 3.4 werden Beispiele dieser Operationalisierung aus dem Originalfragebogen von Pearce und Sims (2002) aufgeführt. Der zweite Fragebogen der verhaltensbasierten Operationalisierung von Avolio et al. (2003) baut auf dem Multifactor Leadership Questionnaire (MLQ) von Bass und Avolio (1994) auf und arbeitet mit ihm auf Teamebene, was in den Team Multifactor Leadership Questionnaire (TMLQ) resultiert.

Allerdings darf die verhaltensbasierte Operationalisierung geteilter Führung nicht damit verwechselt werden, dass Verhaltensweisen direkt gemessen bzw. beobachtet werden, nachdem die Bezeichnung in diese Richtung weist. Diese Messmethode baut vielmehr (analog zu den Verhaltenstheorien der Führung) auf einer Wahrnehmung der Verhaltensweisen durch die Mitarbeiter und Führungskräfte auf.

Tab. 3.4 Items aus dem Originalfragebogen von Pearce und Sims (2002)

Nach Gockel und Werth (2010) bringt die verhaltensbasierte Operationalisierung den Vorteil mit sich, dass sie auf etablierten Konzepten individueller (traditioneller) Führung aufbaut, so dass ein Vergleich von vertikaler und geteilter Führung möglich ist, wie es von Pearce und Sims (2002) umgesetzt wird. Somit bleibt allerdings auch der Fokus auf eine individuelle Führungskraft und damit verbundenes effektives Führungsverhalten erhalten (Yammarino et al. 2012). Ein weiterer Vorteil liegt in der Identifikation der Art des Einflusses, der über die unterschiedlichen Führungsverhaltensweisen automatisch miterhoben wird. Darüber hinaus wird die allgemeine Repräsentanz geteilter Führung im jeweiligen Team gemessen, ohne dass genau erhoben wird, welche Person welchen Führungseinfluss ausübt. Das führt auch dazu, dass die Fragebögen der verhaltensbasierten Operationalisierung relativ leicht angewendet werden können. Gleichzeitig stellt das einen großen Nachteil dieser Messmethode dar, nachdem damit methodische und theoretische Probleme einhergehen. Es lässt sich beispielsweise nicht feststellen, welche Person die Befragten als Referenz für die Einschätzung des durchschnittlichen Verhaltens innerhalb des Teams benutzen. Möglicherweise basieren die Einschätzungen somit auf dem einflussreichsten oder dominantesten Gruppenmitglied, oder sogar auf der individuellen formellen Führungskraft. Darüber hinaus bringt die verhaltensbasierte Operationalisierung den Nachteil mit sich, dass sie nur in Kombination mit Führungstheorien auf Individuumsebene operationalisiert werden können.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften