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3.6.2 Netzwerkbasierte Operationalisierung

Die netzwerkbasierte Operationalisierung geht auf soziale Netzwerkanalysen zurück. Dabei taucht sie bei Mayo et al. (2003) erstmalig auf und wird von Mehra et al. (2006) in einer ersten empirischen Untersuchung aufgegriffen. Mayo et al. (2003) greifen dabei in ihrer theoretischen Ausführung über die netzwerkbasierte Operationalisierung weiterhin Führungsverhaltensweisen auf, die allerdings von jedem Teammitglied für jedes andere Teammitglied eingeschätzt werden müssen. Im Ergebnis erhält man für jedes Teammitglied eine Ausprägung transaktionaler Führung und transformationaler Führung, so dass sich darauf aufbauend Führungsnetzwerke für das gesamte Team darstellen lassen, anhand derer wiederum die Zentralität und Dichte der Führung im jeweiligen Team analysiert werden kann. Die Dichte ist dabei ein Wert zwischen 0 und 1, der sich aus der Anzahl an tatsächlichen Beziehungseinflüssen geteilt durch die Anzahl an maximal möglichen Beziehungseinflüssen innerhalb des Teams errechnet (Gockel und Werth 2010). Nach Mayo et al. (2003) kann geteilte Führung folglich als Dezentralisierung innerhalb des Teams konzeptionalisiert werden, d. h. je weniger zentral bestimmte Personen innerhalb des Führungsnetzwerks erscheinen, umso geteilter ist die Führung in diesem Team. Eine hohe Dezentralisierung kombiniert mit einer hohen Dichte führt somit zu einer hohen Ausprägung geteilter Führung, während eine niedrige Dezentralisierung kombiniert mit einer hohen Dichte zu vertikaler Führung führt. Insofern liegt dieser Operationalisierung immer noch die Annahme von vertikaler Führung und geteilter Führung zugrunde, wie es bereits bei Pearce und Sims (2002) dargestellt wurde.

Mehra et al. (2006) arbeiten dagegen mit einer netzwerkbasierten Operationalisierung, die losgelöst von Führungsverhaltensweisen erfolgt. Das resultiert bei ihnen in unterschiedlichen Dimensionen geteilter Führung, die von koordiniertgeteilter Führung bis hin zu fragmentiert-geteilter Führung reichen, wie in Abb. 3.3 dargestellt. Diese Operationalisierung wird nach Yammarino et al. (2012) insbesondere auch bei empirischen Untersuchungen von Netzwerkführung verwendet.

Ein großer Vorteil der netzwerkbasierten Operationalisierung ist nach Gockel und Werth (2010) die differenzierte Verfügbarkeit von Informationen über Umfang und Verteilung geteilter Führung, die für jedes Teammitglied vorliegen. Die Übertragung in Soziogramme ermöglicht darüber hinaus eine differenzierte Analyse mit den gängigen Methoden der sozialen Netzwerkanalyse, die nach Yammarino et al. (2012) losgelöst von Führung zum Einsatz kommen. Den größten Nachteil dieser Operationalisierung stellt jedoch die umfangreiche und zeitintensive Erhebung dar.

Abb. 3.3 Dimensionen geteilter Führung (Mehra et al. 2006, S. 234–236)

 
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