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1. Einleitung

1.1. Ziele und Problemstellungen

Die Umsatzerlöse stellen für die Adressaten eines handelsrechtlichen Abschlusses eine herausragende Bedeutung im Rahmen von Bilanzanalysen dar und sind daher eine der zentralsten Positionen der Finanzberichterstattung. Umsatzerlöse sind für die Einschätzung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens maßgeblich und bilden den Ausgangspunkt für die Beurteilung der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens. Ferner kommt ihnen deshalb im Rahmen von Unternehmensbewertungen eine zentrale Rolle zu, da sie unter anderem als Werttreiber für den zukünftig erwarteten Erfolg und auch als finanzielle Kennzahl für die Bewertungen mittels Multiplikatoren dienen. Weiterhin stellen die Umsatzerlöse ein von drei Merkmalen dar, die für die Beurteilung der Größenklasse einer Kapitalgesellschaft i. S. d. § 267 HGB entscheidend sind. Nicht zuletzt haben verschiedene Bilanzskandale wie bei Xerox, Enron, Qwest/ und Comroad gezeigt, dass der Grat zwischen Ermessensspielraum und Fraud fließend sein kann sowie der Gesetzgeber verpflichtende Vorschriften aufzeigen muss, die die Umsatzrealisation eindeutig und objektivierbar regeln. Hierdurch wird deutlich, dass die bilanzielle Abbildung von Umsatzerlösen für Unternehmen existenziell ist.

Ziel dieser Arbeit ist es daher, die handelsrechtlichen Vorschriften des HGB zur Umsatzrealisation darzustellen. Anhand dieser Kenntnisse wird aus Sicht der Rechnungslegungszwecke beurteilt, ob diese Regelungen mit den Zwecken im Einklang stehen. Insofern dabei eine Disharmonie identifiziert wird, werden Lösungsvorschläge aufgezeigt und auf ihre Zweckadäquatheit hin diskutiert. Wie noch unter 2.1. darzustellen ist, existieren im HGB die folgenden zwei zentralen Rechnungslegungszwecke:

1. Informationsfunktion und

2. Ausschüttungsbemessungsfunktion.

Angesichts dieses Zielbündels kann es zu Konflikten kommen.

Durch das BilMoG hat der Gesetzgeber eine der umfangreichsten Bilanzrechtsänderung vorgenommen, die unter anderem zum Ziel hatte, eine gleichwertige, aber kostengünstigere Alternative zu den IFRS und insoweit eine Annäherung an diese zu erreichen. Da die IFRS grundsätzlich monofunktional aufgebaut sind und lediglich das Ziel der Informationsvermittlung verfolgen, existiert prinzipiell kein Zielkonflikt. Gleichwohl sollen sie Beachtung finden, soweit gem. HGB und GoB Regelungslücken auftreten bzw. bei der Diskussion der Zweckadäquatheit aus Sicht der Rechnungslegungszwecken nicht zufriedenstellende Ergebnisse resultieren. Dieser Rückgriff wird vor allem bei der Auseinandersetzung mit der langfristigen Auftragsfertigung von Bedeutung sein.

Innerhalb dieser Masterarbeit werden die Umsatzerlöse vom Inhalt und Umfang her an die Maßgabe der Gewinn- und Verlustrechnungspositionen der § 275 II Nr. 1 HGB bzw. § 275 III Nr. 1 HGB geknüpft. Insoweit wird in Übereinstimmung mit § 277 I HGB auf Erlöse der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, die für das Unternehmen typisch sind, abgestellt.

 
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