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2. Die Zwecke der Rechnungslegung

2.1. Einleitung zu den Zwecken der Rechnungslegung

Der handelsrechtliche Jahresabschluss hat grundsätzlich drei Hauptaufgaben zu erfüllen. Dazu zählen Dokumentation, Ausschüttungsbemessung und Informationsvermittlung. Dabei gilt allerdings, dass die Dokumentationsfunktion als Basisaufgabe zu verstehen ist und sich aus der Erfüllung der beiden anderen Aufgaben ergibt. Folglich kommen dem handelsrechtlichen Jahresabschluss die zwei zentralen Aufgaben der Informationsvermittlung und Ausschüttungsbemessung zu.

Diese zwei Zwecke sind untereinander gleichrangig und verfolgen das Ziel eines ausgeglichenen Verhältnisses zwischen den divergierenden Abschlussadressaten. Insoweit wird der deutsche Gesetzgeber regelmäßig vor ein Optimierungsproblem gestellt, um dieses mehrdimensionale Zielbündel zweckadäquat zu erfüllen. Dies hat regelmäßig zum Ergebnis, dass in Rahmen der Gesetzgebung eine der beiden Funktionen zulasten der anderen präferiert wird.

Zusammenfassend lassen sich die Zwecke der handelsrechtlichen Rechnungslegung wie folgt visualisieren:

Abbildung 1 Die Zwecke der handelsrechtlichen Rechnungslegung

2.2. Informationsfunktion

2.2.1. Grundlegendes zur Informationsfunktion

Die Informationsfunktion lässt sich in zwei weitere Funktionen unterteilen:

Entscheidungsunterstützungsfunktion und

Rechenschafts- und Kontrollfunktion.

Information bedeutet allgemein zweckorientiertes Wissen. Daraus lässt sich ableiten, dass dem Jahresabschluss die Aufgabe zukommt, die Jahresabschlussadressaten in geeigneter Form darüber zu informieren, ob sie ihr Engagement mit dem Unternehmen aufrechterhalten, erhöhen, senken, beenden oder vielleicht auch erst begründen sollen. Somit soll den Adressaten die Möglichkeit gegeben werden, aufgrund der Informationen aus dem Jahresabschluss abschätzen zu können, welche Risiken bzw. welche Chancen mit der Beteiligung verbunden sind. Folglich sollen die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen bewertet werden können (Entscheidungsunterstützungsfunktion).

Dagegen zielt die Rechenschafts- und Kontrollfunktion auf eine Beurteilung des Managements ab, ob dieses das anvertraute Kapital zweckgemäß verwaltet hat. Diese Funktion resultiert vor allem daraus, dass sich i. d. R. die Unternehmensleitung von der Gesellschafterebene unterscheidet und daher das operative Geschäft nicht von den Kapitalgebern bestimmt wird. Hierbei fungiert der Abschluss als Instrument zur Senkung der Informationsasymmetrien und Ausgleich der Interessenkonflikte zwischen dem Management und den Kapitalgebern.

Fraglich erscheint in diesem Zusammenhang, ob diese zwei Unterfunktionen der Informationsfunktion gleichgerichtet sind. Dabei bleibt festzuhalten, dass die Rechenschafts- und Kontrollfunktion vorrangig auf vergangenheitsorientierte Datenbasen abzielt, um ihrer Aufgabe der Kontrolle des Managements nachzukommen. Gleichwohl ist für eine umfassende Einschätzung der Managementleistung ebenso erforderlich, dass die zukünftigen Effekte, die sich aufgrund der Unternehmensleitung einstellen werden, bei der Beurteilung berücksichtigt werden. Die Entscheidungsunterstützungsfunktion ihrerseits zielt indes auf zukunftsorientierte Daten ab, da die Adressaten zukunftsbasierende Entscheidungen bezüglich ihres Engagements treffen. Weiterhin ist es für die Adressaten von Bedeutung, dass die Informationen zeitnah zur Verfügung stehen. Die Aktualität und Zeitnähe wird dabei durch die Offenlegungsfristen des § 325 HGB beeinträchtigt, da bis zu zwölf Monate zwischen Bilanzstichtag und Offenlegung liegen können. Gleichwohl können die Abschlussdaten grundsätzlich beide Unterfunktionen erfüllen, da mithilfe der vergangenheitsorientierten Informationen, die die Rechenschafts- und Kontrollfunktion unterstützen, Analyse und Prognosen über die Nachhaltigkeit der zurückliegenden unternehmerischen Erfolge durchgeführt werden können, die Aufschluss über die Unternehmenszukunft geben.

Zur Erfüllung der Informationsfunktion in Form einer objektivierten und vergleichbaren Weise schreibt § 264 II Satz 1 HGB als Generalnorm für Kapitalgesellschaften vor, dass der Jahresabschluss unter Beachtung der GoB zu erfolgen und eine den der tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens zu vermitteln hat.

 
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