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2.2.3. Identifikation der tatsächlichen Adressaten

Nachfolgend werden die Adressaten identifiziert, die ein tatsächliches Interesse an einem handelsrechtlichen Abschluss haben und deren Informationsbedürfnisse daher in die Untersuchung der Zweckadäquatheit der handelsrechtlichen Regelungen bezüglich der Umsatzrealisation berücksichtigt werden.

Für die Unternehmensleitung bleibt festzuhalten, dass sie kein spezielles Informationsinteresse bezüglich des publizierten Abschlusses hat, da ihr weit mehr detaillierte Informationen zur Verfügung stehen. Ferner stehen bei Kapitalgesellschaften einem wirklichen Informationsinteresse die Publizitätsfristen des § 325 HGB entgegen, da durch diese die Abschlussdaten i. d. R. für die Entscheidungen der Unternehmensleitung zu alt sind. Daher ist der Abschluss für die Unternehmensführung weniger geeignet.

Für die Arbeitnehmer kann konstatiert werden, dass es zweifelhaft ist, ob ihre Informationsbedürfnisse durch einen handelsrechtlichen Abschluss befriedigt werden können, da sie u. a. nicht-monetärer Natur sind. Ferner ist es fraglich, ob die Arbeitnehmer handelsrechtliche Abschlüsse wirklich als Grundlage ihrer Entscheidungen heranziehen. Die gewünschten Informationen sind den Arbeitnehmern ebenso auf anderem Weg zugänglich, etwa durch die Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte aus dem Betriebsverfassungsgesetz. Ob daher der Arbeitnehmer als Schutzbedürftiger des Abschlusses abgeleitet werden kann, bleibt zu bezweifeln.

Des Weiteren bleibt für den Fiskus zu konstatieren, dass der handelsrechtliche Abschluss nur von untergeordneter Bedeutung ist, sodass kein spezielles Interesse abgeleitet werden kann.

Die breite Öffentlichkeit weist bei ihren Informationsbedürfnissen eine starke Heterogenität auf, der die Instrumente der externen Rechnungslegung keinesfalls gerecht werden können. Weiterhin kann ein Abschluss nur monetäre Sachverhalte einbeziehen, sodass die Berücksichtigung der Informationsbedürfnisse der Öffentlichkeit innerhalb des handelsrechtlichen Abschlusses nur bedingt möglich ist. Somit kann für die breite Öffentlichkeit kein explizites Interesse an einen handelsrechtlichen Abschluss abgeleitet werden.

Den Anteilseignern kann zweifelsohne ein wesentliches Interesse am handelsrechtlichen Abschluss bescheinigt werden. Die finanziell orientierten Informationsbedürfnisse sind auf Größen ausgerichtet, die der Abschluss zur Verfügung stellt. Größen wie Gewinn, Vermögen und Kapital sowie deren Entwicklung sind enthalten und stellen damit auch eine Entscheidungsbasis für die weitere Entwicklung des Engagements der Anteilseigner dar. Der handelsrechtliche Abschluss stellt ebenfalls Informationen zur Verfügung, aufgrund derer Anteilseigner Prognosen über zukünftige Ausschüttungen und Kursentwicklungen ableiten können.

Den Gläubigern und insbesondere den Kreditinstituten kann ebenfalls ein erhebliches Informationsinteresse zugesprochen werden. Gerade das Interesse, Informationen bezüglich der Kreditwürdigkeit und der Fähigkeit zur Zinszahlung und Tilgung zu erhalten, ist durch den handelsrechtlichen Abschluss ausdrücklich gegeben, da dies monetäre Informationsinteressen sind. Weiterhin kann dieser, neben der Aussage bezüglich der Liquidität des Unternehmens, auch die Schuldendeckungspotenziale aufzeigen und stellt sicher, dass keine den Unternehmensfortbestand gefährdende Ausschüttung vorgenommen wird. Ferner existiert mit § 18 I KWG für Kreditinstitute eine zwingende gesetzliche Vorschrift, die bei Krediten von mehr als 750.000 Euro bzw. 10 % des haftenden Eigenkapitals des Kreditinstitutes zum Einholen von Informationen – insbesondere des Jahresabschlusses – verpflichtet, um die wirtschaftliche Lage des potenziellen Kreditnehmers einschätzen zu können. Daher sind Banken an hochwertigen Abschlussinformationen interessiert, die zur Steigerung der Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit im besten Fall durch einen Bestätigungsvermerk eines Wirtschaftsprüfers versehen sind.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass ein wirkliches und schutzbedürftiges Interesse lediglich bei den aktuellen und potenziellen Kapitalgebern liegt, die nicht der Unternehmensleitung angehören. Daher sollen nur deren Informationsbedürfnisse in die weitere Betrachtung einfließen.

 
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