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6. Fazit

Ziel dieser Arbeit war es, die gesetzlichen Vorschriften des HGB zur Umsatzrealisation im Jahresabschluss aus Sicht der Rechnungslegungszwecke zu untersuchen und zu beurteilen. Zu beachten ist, dass sich der Gesetzgeber aufgrund eines Zielbündels regelmäßig vor mindestens einem Spannungsfeld zwischen Informations- und Ausschüttungsbemessungsfunktion befindet.

Zusammenfassend kann zunächst festgehalten werden, dass der Jahresabschluss die folgenden zwei Zwecke mit den entsprechenden Untergliederungen erfüllt:

1. Informationsfunktion

a. Entscheidungsunterstützungsfunktion

b. Rechenschafts- und Kontrollfunktion

2. Ausschüttungsbemessungsfunktion

a. Ausschüttungssicherung

b. Ausschüttungsbegrenzung

Hierbei ist zu konstatieren, dass Spannungsfelder sowohl zwischen den Hauptals auch zwischen den Unterfunktionen existent sein können. Diese konfligierenden Zusammenhänge sind innerhalb eines Optimierungsmodells zu lösen. Weiterhin konnten die potenziellen und aktuellen Eigen- und Fremdkapitalgeber als Hauptadressaten eines handelsrechtlichen Abschlusses identifiziert werden, weshalb lediglich deren Informationsbedürfnisse in die Überlegungen eingeflossen sind.

Als Realisationsmoment wurde der Preisgefahrenübergang identifiziert. Dieser stellt – unter Wahrung des Zielbündels – den optimalen Realisationszeitpunkt dar. Folglich kann für die allgemeinen Geschäftstypen zusammengefasst werden, dass die gesetzlichen Regelungen die Rechnungslegungszwecke sachgerecht erfüllen.

Für die Mehrkomponentengeschäfte bleibt festzuhalten, dass in Abhängigkeit davon, ob eine echte Teilgewinnrealisation, die eine sachliche und wertmäßige Trennbarkeit voraussetzt, zulässig ist, die Beurteilung aus Sicht der Rechnungslegungszwecke differenziert zu betrachten ist. Ist eine Trennbarkeit möglich, ist eine Realisation der Teilleistung – in Übereinstimmung mit dem Konzept der Umsatzaufgliederung – bereits zu dem Zeitpunkt zulässig, zu dem der Preisgefahrenübergang erfolgt ist. Dieses Vorgehen ist aus Sicht der Rechnungslegungszwecke als sachgerecht einzuschätzen, da einerseits aufgrund der echten Teilrealisation der Preisgefahrenübergang erfolgt ist und andererseits Informationen zur tatsächlichen Ertrags- und Vermögenslage kommuniziert werden. Einschränkend wirkt hierbei, dass die Voraussetzungen für die Trennbarkeit nur selten erfüllbar sein werden, sodass demzufolge eine Realisation erst bei der endgültigen Erbringung der letzten Teilleistung zulässig ist. In diesem Fall resultiert eine Beeinträchtigung der Informationsfunktion, da dem Realisationsprinzip, das unmittelbar der Ausschüttungsbegrenzung dient, Vorzug gewährt wird.

Weiterhin wurden die handelsrechtlichen Vorschriften zur langfristigen Auftragsfertigung untersucht und beurteilt. Dabei wurden insgesamt acht verschiedene Lösungsvorschläge diskutiert, die zu den folgenden Einschätzungen geführt haben:

Tabelle 8 Beurteilung der Lösungsvorschläge zur Langfristfertigung

Lfd. Nr.

Lösungsalternative

Zuläs sigkeit

Beurteilung aus Sicht der

Information Ausschüttung

Gesamturteil

1

Completed-contract-Methode

a

2

Selbstkostenansatz

a

3

Teilgewinnrealisation mittels Teilabnahmen

a

4

Teilgewinnrealisation entsprechend des Fertigungsgrades

r

5

Teilgewinnrealisation im Konzernabschluss

r

6

PoC-Methode mit Ausschüttungssperre/Rücklagenbildung

r

7

Selbstkostenansatz mit zusätzlichen Anhangangaben

a

8

Selbstkostenansatz mit zusätzlichen Erläuterungen im Lagebericht

a

 
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