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Vorwort

Joachim von Braun

Das Buch Der verborgene Hunger von Hans Konrad Biesalski hat einen mehrdeutigen Titel, denn Hunger ist zumindest in dreierlei Form „verborgen“: Erstens, Hunger ist verborgen, weil er von vielen nicht wahrgenommen, also ignoriert wird; zweitens, Hunger wird aktiv verborgen, d. h., er wird von denen, die eigentlich wissen, wo und bei wem er sich verbirgt, verheimlicht, weil dies z. B. politisch opportun erscheint; und drittens, Hunger verbirgt sich selbst, d. h., er ist schwer erkennbar, weil die Konsequenzen des Mikronährstoffmangels oft nicht oder erst später ersichtlich werden. Biesalskis Buch holt den Hunger aus seinen Schlupfwinkeln, insbesondere den weitverbreiteten Mikronährstoffmangel. Die Tatsache, dass ca. 2,5 Milliarden Menschen an Nährstoffdefiziten leiden, ist kaum ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit gedrungen. Es ist dringend notwendig, den verborgenen Hunger in all seinen Facetten aufzuzeigen, um die daraus resultierenden Probleme ans Licht zu bringen sowie gesellschaftliches und politisches Handeln zu bewirken. Um den Hunger zu überwinden, ist ein viel größeres und breiteres Engagement erforderlich und dies nicht nur von bereits engagierten spezialisierten Organisationen und dem Staat, sondern auch von privatwirtschaftlicher Seite. Die Beseitigung des verborgenen Hungers muss auch Sache eines effektiven Business-Engagements werden.

Neue Erkenntnisse hinsichtlich der Ernährungsproblematik fordern heraus

Ist zum Hunger nicht schon längst alles gesagt? Muss das seit Langem Bekannte nicht einfach nur noch einmal lauter und vielleicht anders gesagt werden? Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Antwort auf solche Fragen ein deutliches Nein, denn es gibt eine Reihe neuer Erkenntnisse aus der Ernährungsforschung, die allgemein bekannt gemacht werden müssen, damit sie politisches und gesellschaftliches Handeln bewirken können. Innovation findet auf breiter Front statt. Die Ursachen von Nahrungs- und Ernährungsunsicherheit werden inzwischen besser verstanden. Wichtige Fortschritte haben sich in der wissenschaftlichen Forschung der vergangenen zwei Jahrzehnte ergeben, unter anderem die folgenden drei:

1. Es ist klar geworden, dass die Konzentration auf den Kalorienmangel wichtige Aspekte des Hungers vernachlässigt. Es müssen alle relevanten Aspekte gesunder Ernährung mit allen erforderlichen Nahrungsinhaltsstoffen (insbesondere Mikronährstoffen) Berücksichtigung finden, und zwar differenziert in verschiedenen Altersgruppen, insbesondere im frühkindlichen Alter.

2. Armutsbezogene Initiativen wurden um Konzepte erweitert, die institutionelle und rechtliche Aspekte der Fehl- und Unterernährung, etwa das Recht auf Nahrung, sowie die Relevanz von Wasser, Gesundheit und Pflege einbeziehen.

3. Statische Konzepte wurden ersetzt durch Konzepte zur „Vulnerabilität“, also Risiken der Lebensbedingungen, die Unterernährung mit einbeziehen, einschließlich der Vererbung von Hunger über Generationen hinweg, etwa die tragische Beziehung zwischen unterernährten Müttern und deren Kindern mit zu niedrigem Geburtsgewicht.

Neue Forschung und deren Kommunikation hat in den vergangenen drei Jahren auch zur Entstehung der SUN Initative (Scaling Up Nutrition) geführt. Diese Initiative basiert auf der Verknüpfung neuer Forschung mit etablierten Erkenntnissen, die ein neues Engagement zur Ernährungsverbesserung in den ersten 1000 Lebenstagen einfordert, also während der Schwangerschaft und in den ersten beiden Lebensjahren. Biesalskis Buch weist auf eine Anzahl erfolgreicher neuer Initiativen hin sowie auf Erkenntnisse, die leider noch nicht zu entsprechendem Handeln geführt haben.

 
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