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Zinkmangel und Durchfallerkrankungen

Durchfallerkrankungen (Diarrhö) bei Kindern bedeuten, dass nicht nur die Nahrung nicht aufgenommen wird, sondern die Kinder auch große Mengen Wasser über kurze Zeiträume verlieren. Die Kinder werden durch den Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten träge und teilnahmslos, die Augen liegen tief, das Kind scheint zu schlafen. Für die Mutter wird es immer schwieriger, dem Kind Flüssigkeit zu geben. Wird nicht rasch etwas unternommen, vor allem Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzt, so treten Krampfanfälle auf und das Kind stirbt.

Zwischen dem Ernährungsstatus, dem damit einhergehendem anthropometrischen Status und Durchfallerkrankungen besteht eine direkte Beziehung. Kinder mit Stunting oder Wasting haben ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko sowie ein höheres Risiko für längere und schwerere Episoden und damit auch ein höheres Sterblichkeitsrisiko (Rice et al. 2000). Durchfallerkrankungen infolge bakterieller oder viraler Infektionen (z. B. Rotavirus, Escherichia coli, Cryptosporidium) sind immer noch die häufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren. Ursache ist die direkte Übertragung durch fehlende Hygiene, unsauberes Wasser oder kontaminierte Lebensmittel. Sehr junge Kinder tragen ein extrem hohes Infektionsrisiko, besonders wenn sie mangelernährt sind. Hier kann exklusives Stillen für mindestens sechs Monate bereits zu einer deutlichen Risikosenkung beitragen. Nicht gestillte Kinder haben ein 11-fach höheres Risiko, Durchfallerkrankungen zu entwickeln, und ein 14-fach höheres Risiko, innerhalb der ersten sechs Lebensmonate zu versterben (UNICEF 2012b). In den meisten Entwicklungsländern liegt die Zahl der gestillten Kinder unter sechs Lebensmonaten immer noch bei nur 30–35 % und hat sich seit 1990 kaum verändert (UNICEF 2012a). Die Sterblichkeit bei Kleinkindern ist deshalb sehr hoch, da eine Austrocknung hier viel rascher abläuft als bei Erwachsenen.

Aber nicht nur die Austrocknung ist Folge des chronischen Durchfalls, sondern auch die Störung der Aufnahme von Eiweiß und Fett sowie fettlöslicher Mikronährstoffe, was bei bestehender Mangelernährung den Mangel weiter verschärft. Die Mangelernährung bewirkt, dass die Durchfälle über lange Zeit bestehen bleiben und so die Behandlung oder Intervention mit Nahrung oder Supplementen wenig effektiv ist. Hinzu kommt, dass die Versorgung der Kinder mit Nahrung und vor allem Flüssigkeit oft nicht gewährleistet ist. So erhalten ein Drittel aller Kinder, die an Durchfall leiden, keine ausreichende Nahrung oder auch gar keine, und drei Viertel der betroffenen Kinder erhalten keine zusätzliche Flüssigkeit (UNICEF/WHO 2012). Die Standardtherapie, wie sie von der WHO als Akutintervention empfohlen wird, ist eine Kombination aus mineralsalzhaltiger Flüssigkeit (ORS) und Zinkkapseln. Damit ließ sich die Zahl der Todesfälle durch Diarrhö von 4,8 Mio. (1980) auf 1,8 Mio. (2002) senken. Allerdings ist eine flächendeckende Anwendung dieser Kombination noch lange nicht erreicht. Lediglich 38 % der betroffenen Kinder haben Zugang dazu (Bryce et al. 2006).

Die vergleichende Beurteilung verschiedener kontrollierter Studien zur Vorbeugung von Durchfallerkrankungen durch Zinksupplementierung ergab eine Verringerung des Risikos für Durchfallerkrankungen von 25 % und von Pneumonie um 40 % (Bhutta et al. 1999). Dass nicht jede Zinksupplementierungsstudie erfolgreich ist, liegt, wie auch bei den Vitamin-A-Studien, an der Tatsache, dass eben ein Zinkmangel oft nicht alleine existiert. So findet sich bei Kindern mit Zinkmangel oft auch ein Defizit an Eisen und Kupfer (Schneider et al. 2007). Fehlen aber Eisen und Zink, so fehlen auch andere Mikronährstoffe, die mit den eisen- und zinkhaltigen Lebensmitteln assoziiert sind.

In der Prävention der Diarrhö wird vonseiten der WHO (2011) das folgende Vorgehen empfohlen:

• Vermeidung des Stunting,

• Impfung (Rotavirus, Masern),

• Hygiene,

• Vitamin-A- und Zinksupplementierung.

Hier handelt es sich sicherlich um richtige Maßnahmen, allerdings für unsere Begleiter auf dem Karussell oft nur teilweise zu erreichen. Reicht die Nahrung nicht, tritt Stunting ein. Ist das Wasser nicht sauber, drohen Durchfälle. Hat die Mutter keine oder falsche Informationen, wird sie das Kind nicht impfen lassen. Und letztlich bleibt immer die Armut, die eine nachhaltige Maßnahme durch Verbesserung der täglichen Ernährung verhindert.

 
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