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Armut – kein Geld, kein Essen

Armut und Mangelernährung gehören zusammen. Armut ist Grundlage, wenn nicht gar Voraussetzung, für die Unmöglichkeit, eine ausreichende Ernährung zu sichern. Fast ein Drittel der Menschheit lebt in Armut. 70 % davon sind Frauen, und 99 % leben in Entwicklungsländern.

Entscheidend für die Wahl einer quantitativ ausreichenden Kost ist die subjektive Empfindung der Sättigung. Entscheidend für die Wahl einer qualitativ ausreichenden Kost sind Wissen und die notwendigen finanziellen Mittel. Ist aber kein Geld da, so nutzt das Wissen wenig, wenn die Familie nicht satt wird. Und so bleibt nur der Versuch, satt zu werden, egal wodurch. Armut ist die Grundlage für Mangelernährung!

Sir Partha Sarathi Dasgupta, ein hoch angesehener Wirtschaftswissenschaftler der Universität Cambridge, beschreibt die Armut in Afrika in einem Vortrag bei der Weltbank:

„In der Welt der Armen, gibt es keine Lebensmittelsicherheit, kein Vermögen, sie leiden an Stunting und Wasting, sie können weder lesen noch schreiben, sie haben keinen Zugang zu Krediten, sie sind nicht in der Lage Vorräte zu schaffen, sie haben keine Wahlmöglichkeiten, sie können sich nicht gegen Ernteausfälle versichern oder persönliche Notlagen oder Schicksalsschläge, sie haben keine Kontrolle über ihr eigenes Leben, sie handeln nicht mit dem Rest der Welt, leben in einer ungesunden Umgebung, leiden an „Unvermögen“ und haben keine Fürsprecher; sie leiden unter abnehmenden natürlichen Ressourcen und haben eine hohe Geburtenrate.“ (Dasgupta 2004)

Die Welt dieser Ärmsten – das ist die Welt derer, die weniger als 1,25 USDollar pro Tag zum Leben haben, das ist die Welt von 1,3 Mrd. Menschen, die vorwiegend in Asien und Afrika leben. Daneben gibt es eine schwer abzuschätzende Zahl von Armen, die in entwickelten Ländern wie USA und Europa leben und stetig mehr werden. Zweifellos bestehen hier eine Reihe von Unterschieden zwischen entwickelten und weniger entwickelten Ländern. Das gemeinsame Merkmal, so Dasgupta, ist die Persistenz. Absolute Armut bleibt oft innerhalb ganzer Familienlinien, und offensichtlich ist es für die Betroffenen schwer bis unmöglich, die Armut und damit letztlich auch das Hungerkarussell zu verlassen. Eine Erklärung hierfür ist die fatale Verbindung von Ökonomie und Lebensmittelqualität.

In ländlichen Gegenden leben mehr als 70 % aller Armen, vorwiegend Kleinbauern. Armut hat bei ihnen zur Folge, dass sie sich die notwendigen technischen Geräte ebenso wenig leisten können wie Düngemittel oder ausreichendes Saatgut. Also gehen die Erträge zurück, und die Qualität verarmt durch fortschreitende Verschlechterung der Bodenbeschaffenheit (Sanchez & Swaminathan 2005). Armut und schlechte Ernährung steigern die Kindersterblichkeit, was wiederum die Bemühungen um eine Verringerung der Geburtenrate unterläuft und damit zur Persistenz der Armut beiträgt.

Steigen die Weltmarktpreise für Zerealien, so führt dies unweigerlich zu einer Reduktion der für die Armen verfügbaren Lebensmittelqualität. Geht man davon aus, dass 20 % der Weltbevölkerung nicht mehr als 1 US-Dollar pro Tag zum Leben haben und dass davon zwischen 50 und 80 % für Ernährung ausgegeben werden, so muss man nicht lange überlegen, wie eine solche Ernährung aussieht. Zum Vergleich: In Deutschland liegen die Haushaltsausgaben für Ernährung bei 13 %!

 
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