Wer sind die Investoren?

Investoren sind Banken, Versicherungen, große Firmen, Rohstoffeinkäufer und Konsortien, aber auch Nationen. Letztere treten oftmals als Vermittler auf, d. h., sie erwerben das Land häufig auch unter Umgehung nationaler Gesetze von der Regierung des Eigentümerlandes, um es dann einem heimischen Unternehmen zur Bewirtschaftung zu überlassen (Anseeuw et al. 2012). Der Einkauf von Land durch ausländische Investoren (China, Indien, Saudi-Arabien) hat aus der Erfahrung der Lebensmittelkrisen 2008 und 2011 auch zum Ziel, die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen. Dass dies auf Kosten der noch ärmeren Länder geht, scheint die Einkäufer nicht zu interessieren.

Eine weitere wesentliche Triebfeder von Investoren, Land zu erwerben, ist paradoxerweise die Lebensmittelsicherheit und die damit verbundenen Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Wer nun aber meint, es könnte sich um einen Anfall karitativer Großzügigkeit handeln, der irrt. Es geht nämlich um die Lebensmittelsicherheit für Länder, die über genügend finanzielle Ressourcen verfügen, jedoch oft Grundnahrungsmittel importieren müssen, da die eigenen nutzbaren Flächen fehlen, weil sie z. B. für den Anbau von Ölsaaten (Biosprit), für Biogasanalagen oder großflächige Solaranlagen etc. gebraucht werden oder die klimatischen Bedingungen nicht optimal sind. Die Krise 2008 mit ihren hohen Weltmarktpreisen für die Grundnahrungsmittel hat einen Boom auf Land ausgelöst, um die eigenen Ressourcen für Grundnahrungsmittel zu sichern. Landkauf ist also eine durchaus verständliche Maßnahme, wenn man übersieht, dass die Käufer aus Europa, Südkorea, Australien, Kuwait und Saudi-Arabien kommen und ihre neokolonialistische Landpiraterie vorwiegend in Subsahara-Afrika oder in Südasien ausleben. Sie erwerben Land, das in ihrem eigenen Territorium nicht mehr vorhanden ist oder aber nicht für die Lebensmittelproduktion eingesetzt wird (z. B. Rapsanbau für Biosprit, Flächen mit Solaranlagen).

Das Versprechen, dass die armen Länder durch Verkauf von Land Investitionsmittel bekämen, mit denen sie die eigene Volkswirtschaft beleben können, ist ebenso falsch wie unsinnig. Wie soll eine vorwiegend ländliche Volkswirtschaft durch den Raub ihrer Arbeitsgrundlage verbessert werden? Inwieweit auf diesen Ländern dann wirklich Bauern arbeiten und damit einen Verdienst haben, ist fraglich. Selbst die Schaffung von Arbeitsplätzen ist fraglich, wenn die ausländischen Investoren ihre eigenen Arbeitskräfte mitbringen. Hinzu kommt, dass wirtschaftliche Arbeitsweise mit Einsatz entsprechender Technik nur sehr wenige Arbeitsplätze pro Hektar erzeugt im Vergleich zu den Arbeitsplätzen kleiner Farmer auf ihrem eigenen Land. Wie sollen auch Arbeitsplätze oder Gewinne erwirtschaftet werden, wenn z. B. in Kenia Land an Investoren verkauft wird, die dort Jatropha (eine Nussart, die für den Verzehr ungeeignet ist) zur Biospritproduktion für den Export anbauen wollen und das ohnehin knappe Wasser der Landwirtschaft entziehen?

Die britische New Forest Company (NFC) hat mit der National Forest Authority in Uganda (NFA) einen Lizenzvertrag über Waldflächen abgeschlossen und die Vertreibung der dort lebenden Farmer geduldet, da diese, so die NFA, hier illegal siedelten und ihnen das Land nicht gehöre. Von den 20 000 Menschen, die hier lebten, haben nur 31 Familien nachweisbare legale Rechte, so die Lokalregierung! NFC fühlt sich nicht zuständig, und bis ein begonnener Rechtsstreit zur Klärung führt, dürfte die Mehrheit der von ihren kleinen Ländereien Vertriebenen zur Zahl der armen Landlosen zählen – mit allen Konsequenzen. Wieder sind ein paar Plätze im Karussell besetzt!

Land Grabbing entwickelt sich stillschweigend, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Und doch stellt es ein großes Problem dar, das kurzfristig zu erheblichen lokalen Konflikten führen wird.

Die Länder bzw. Investoren, die Geld für Land ausgeben, wollen Flächen haben,

• auf denen die Nahrung für ihre eigene Bevölkerung angebaut werden kann, um so die Importe und damit die Kosten zu senken und um Risiken durch Trockenheit und Wasserknappheit zu umgehen (Interessenten sind vor allem die reichen Golfstaaten, aber auch China und Indien);

• um auf diesen Biomasse (jede Art von Pflanzen, die sich als Lebensmittel, Futtermittel oder für Biosprit lohnt) anzubauen, die sie im eigenen Land mangels Flächen nicht anbauen können, oder um damit Geschäfte zu machen (vor allem Europa, aber auch China gehören zu den Interessenten);

• die ausreichend bewässert werden können, um nicht nur Lebensmittel zum Verkauf auf dem Weltmarkt anbauen zu können, sondern um die ertragreichen Flächen zu vermarkten (Interessenten sind diverse Länder sowie Privatinvestoren, die mit Land Profit machen wollen).

 
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