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Fazit

Der Ansatz, Lebensmittel – auf welche Art und Weise auch immer – anzureichern, geht davon aus, dass in erster Linie solche Menschen einen Gewinn haben sollen, deren Ernährung im Wesentlichen aus Grundnahrungsmitteln (Getreide) besteht. Dies ist sicherlich richtig, übersieht jedoch bei der Wahl der „Anreicherungskandidaten“, auf der Grundlage der Erfassung des Mangels durch klinische Symptome (Anämie, Nachtblindheit, Durchfälle), dass eben oft weit mehr als die wenigen angereicherten Mikronährstoffe fehlen. Zweifellos werden dadurch Kinder- und Müttersterblichkeit gesenkt und vielleicht auch die Produktivität gesteigert. Ob die Protagonisten das Hungerkarussell verlassen können, bleibt trotz dieser Bemühungen fragwürdig. Ist der Blick in Bezug auf die Erfassung eines Mangels ausschließlich auf das klinische Bild gerichtet, so verstellt die Symptomatik andere dahinterliegende Ursachen für Krankheiten und Entwicklungsstörungen. Der Hidden Hunger wird eben nur auf eine andere Mikronährstoffebene verlagert.

Hinzu kommt, dass eine Fokussierung auf angereicherte Lebensmittel dazu beitragen kann, dass der wesentliche Faktor einer ausreichenden Ernährung, Mikronährstoffdichte und Lebensmittelvielfalt, auf der Strecke bleiben – dies sowohl auf lokaler Ebene, d. h. beim Kleinbauern, der sich darauf verlässt, dass das nun so angereicherte Getreide für ihn und seine Familie genug ist, als auch auf den lokalen und nationalen Märkten. Dies gilt es auch vor dem Hintergrund der (oft übersehenen) Tatsache zu berücksichtigen, dass das Auftreten eines bestimmten Mangels, sei es nun Vitamin A oder Eisen, zunächst einmal nur ein Zeichen dafür ist, dass Lebensmittel, die Vitamin A oder Eisen in großer Menge enthalten, nicht auf dem Speiseplan stehen. Damit fehlen aber auch alle anderen Mikronährstoffe mit großer Nährstoffdichte in diesen Lebensmitteln. So wichtig, wie die unterschiedlichen Verfahren der Anreicherung mit einzelnen Mikronährstoffen sind, könnte dies genau wieder zu einem neuen Hidden Hunger führen, wenn die Ernährung als Ganzes dabei nicht beachtet wird.

Effektivität der Maßnahmen

Verfügbarkeit

Vor dem Hintergrund der Forderungen der Lebensmittelsicherheit für unterentwickelte wie entwickelte Länder wurden verschiedene Verfahren verglichen und die Versprechen der Agrarindustrie kritisch analysiert (Dibden 2011).

Gibt es genug Lebensmittel aus heimischer Produktion oder aus Importen um den Bedarf zu befriedigen? Ist die Produktion auch unter Berücksichtigung von Veränderungen des Klimas oder der Wasserversorgung so nachhaltig, dass sie den Bedarf auch langfristig sichert? Ist das Verteilungssystem so effektiv, dass es die Armen und die ländliche Bevölkerung erreicht?

Versprechen der Agrobiotechnologie

Die Agrobiotechnologie verspricht eine neue Grüne Revolution mit

• gesteigerten Erträgen,

• Getreide, das an verschiedene äußere Bedingungen angepasst ist,

• geringen Einsatz von Düngemitteln.

Kritik

• Bisher sind nur herbizid- und pestizidresistente Sorten verfügbar.

• Ertragssteigerungen und Anpassung an Trockenheit und Hitze sind bisher nur Versprechungen.

• Den anfänglichen Verringerungen des Chemikalieneinsatzes folgen Steigerungen, da sich resistente Sorten und sogenannte Superunkräuter entwickeln.

• Biodiversität und alte standorttypische Pflanzen werden verdrängt.

 
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