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2.1.7 Handlungsorientierung als konstitutives Element

Unter dem Begriff „Handlungsorientierung“ wird ein allgemeindidaktisches bzw. pädagogisches Unterrichtsprinzip verstanden (handlungsorientierter Unterricht). Außerdem werden auch bestimmte Unterrichtsmethoden als “handlungsorientiert“ beschreiben. Als handlungsorientierte Lernkonzepte lassen sich nach Kaiser und Kaminski (1999) solche Methodenarrangements bezeichnen, die Schülerinnen und Schülern ermöglichen, sich eigenständig Wissen anzueignen, die ihre Problemlöseund Handlungsfähigkeit fördern und sie so langfristig in die Lage versetzen, ihr Leben zu gestalten (vgl. ebd., S 31). Deutlich wird an diesem umfassenden Verständnis, dass handlungsorientierte Methoden nicht nur die Ebene der Unterrichtsmethodik betreffen, sondern eng mit den Bildungszielen des Unterrichts und den auszuwählenden Inhalten verbunden sind.

Die Bedeutung von Handlungsorientierung für das Lernen und Lehren im Wirtschaftsunterricht wird in der ökonomischen Bildung vorrangig bildungstheoretisch, aber auch lerntheoretisch begründet, wobei beide Begründungslinien eng miteinander verknüpft sind. Steinmann macht deutlich, dass in einem Wirtschaftsunterricht, dessen Ziel es ist, einen Beitrag zur Mündigkeit von Kindern und Jugendlichen in ökonomisch geprägten Lebenssituationen zu leisten, Lehr-Lern-Arrangements auf dieses Bildungsziel ausgerichtet sein und einen entsprechenden Kompetenzerwerb unterstützen müssen.

Wenn die ökonomische Bildung Hilfen bieten soll auf dem Wege zur Mündigkeit des Menschen, indem sie grundlegende Befähigungen zur selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Gestaltung des Lebens in der Gesellschaft vermittelt, dann kann sie auf handlungsorientierte Methoden nicht verzichten (Steinmann 1995, S. 151).

Steinmann hebt hervor, dass die Bildungsziele ökonomischer Bildung Handlungsorientierung als methodisches Element des fachdidaktischen Implikationszusammenhangs bedingen, um diese erreichen zu können (vgl. ebd., S. 160). Neben den bildungstheoretischen lassen sich auch lerntheoretische Begründungen anführen, weshalb handlungsorientierte Methoden auch für die ökonomische Bildung besonders geeignet sind. Handlungsorientierte Methoden wie beispielsweise Realbegegnungen, Planspiele oder Projekte schaffen eine gemeinsame Lernbasis. Dadurch sind Lernprozesse weniger voraussetzungsvoll und vom Vorwissen des oder der Einzelnen abhängig (ebd.). Handlungsorientierte Methoden geben den Lernenden darüber hinaus Anreize, sich Wissen selbst anzueignen, weil dieses unmittelbar angewendet wird. Sie ermöglichen so die Integration von Denken und Handeln und bieten den Lernenden ein gewisses Maß an eigenverantwortlichem Lernen (vgl. ebd. S. 163ff.).

Albers (1995) macht deutlich, dass diese Charakteristika, die dem handlungsorientierten Lernen zugesprochen werden, nicht für handlungsorientierte Methoden exklusiv sind und der dem Konzept zugrunde gelegte Handlungsbegriff überdies sehr eng bzw. uneindeutig ist (vgl. ebd., S. 8). Wie Steinmann (1995) begründet auch Albers die Notwendigkeit von Handlungsorientierung für die ökonomische Bildung deshalb vorrangig bildungstheoretisch (vgl. ebd., S. 13).

Der Wirtschaftsunterricht ist mit dem Blick auf diesen angestrebten Kompetenzerwerb darauf angewiesen, im Unterricht Lernsituationen zu schaffen, in denen „Handeln in der ökonomischen Realität“ erprobt werden kann (Steinmann 1995, S. 157). Er zielt auf die Bewältigung und Gestaltung ökonomisch geprägter Lebenssituationen ab, bei denen es sich jedoch meist um zukünftige Lebenssituationen handelt (vgl. ebd.). Daher ist der Wirtschaftsunterricht insbesondere auf handlungsorientierte Methoden angewiesen, innerhalb derer Lebenssituationen simuliert und Handeln erprobt werden kann (vgl. Schlösser/Schuhen 2013, S. 120). Handlungsorientierte Methoden werden deshalb als ein elementarer Bestandteil des wirtschaftsdidaktischen Methodenrepertoires angesehen (vgl. u. a. Kaminski et al. 2005, S. 61).

Das Unterrichtsprinzip der Handlungsorientierung darf jedoch nicht verabsolutiert werden und es weist überdies programmatische didaktische Schwachstellen auf. Dies macht u. a. Kahsnitz (1995) deutlich. Bei der Umsetzung handlungsorientierten Unterrichts kann es zu einer „Verselbstständigung der Unterrichtsmethode“, „Vernachlässigung der bildungsnotwendigen Unterrichtsinhalte“ und „Überbetonung der methodenimplizierten Verhaltensweisen und -orientierungen“ kommen (ebd., S. 50). Kashnitz moniert, dass im handlungsorientierten Wirtschaftsunterricht „action“ und nicht Lernen im Vordergrund stehe und „bildungsnotwendige Inhalte“ vernachlässigt würden (ebd., S. 63).

Handlungsorientierte Methoden sind deshalb fachdidaktisch zu rekonstruieren. Dies bedeutet, dass handlungsorientierte Methodenarrangements in der ökonomischen Bildung mit fachlichen Fragestellungen zu verknüpfen sind, um bildungswirksam sein zu können. Inbesondere Kaiser und Kaminski (2012) machen deutlich, dass methodisch-didaktische Entscheidungen und die Ausgestaltung von Methoden im Gesamtzusammenhang des fachdidaktischen Implikationszusammenhangs zu sehen sind (vgl. ebd, S. 14).

Vor dem Hintergrund der Bedeutung, die dem Prinzip der Handlungsorientierung in der ökonomischen Bildung zugesprochen wird, gilt es, im Rahmen des Interviews zu erheben,

• welche Vorstellungen die Lehrpersonen zum fachdidaktischen Prinzip der Handlungsorientierung äußern (vgl. Kapitel 6.2.2),

• welche Methoden die Lehrpersonen ansprechen und warum sie diese für besonders geeignet bzw. ungeeignet für den Wirtschaftsunterricht halten (vgl. Kapitel 6.5),

• inwiefern und inwieweit sie den Zusammenhang zwischen Methoden, Zielen und Inhalten ökonomischer Bildung berücksichtigen (vgl. Kapitel 6.3, 6.4, 6.5).

Die Bedeutung handlungsorientierter Methoden in der ökonomischen Bildung ist in engem Zusammenhang mit ihrer Eignung zur Erlangung der bereits identifizierten Bildungsziele ökonomischer Bildung und zur Auseinandersetzung mit ökonomischen Inhalten aus einer ökonomischen Perspektive zu sehen. Als besonders geeignet für eine solche fachspezifische Umsetzung von Handlungsorientierung in der ökonomischen Bildung werden fachspezifische Makromethoden angesehen, wie im folgenden Kapitel ausgeführt wird.

 
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