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6.6. Beurteilung des Fremdvergleicbsgrundsatz

Wie betriebswirtschaftlich sinmoll ist aber der Fremd'Crgleichsgrundsatz? Es ist frag lich, inwiefem Geschiiftsbeziehungen zwischen KonzermmterneJnnen tatsiichlich mit Geschiiftsbeziehungen zwischen unabhli.ngigen Dritten 'Crgleichbar sind. Spiitestens beim externen Fremdvergleich wird immer das Abhiingigkeitswrhaltnis zwischen den K.o117.emuntemebmen 'eI'IlllChliissigt, welches doch cine entscheiderulc Rolle spielt. Zusiitzlich geraten ebenfalls die Vorteile des internationalen Handelns und der Aus landsinwstitionen wn international agiererulcn Untemebmen in den Hintergrund. 1st es also sinnwll die Neutralitiit dieser Ko117.erngeschiifte wn einem wiabbangigen Dritten Untemebmen abbangig zu machen? Beziiglich dieser Frage hat Wellisch in seinen Ausfiihrungen angemerkt, dass unter MaBgabe der Neutralitiit eigentlich ein Vergleich ohne Steuern aogebrachter ware. Diese Schlussfolgenmg kommt daher, weil das Ko117.ept der Neutralitiit eigentlich bedeutet,

dass sich das Verhalten des Untemehmens unter dem Steuereinfluss nicht rindert. Der Fremdwrgleichsgrundsatz stellt jedoch das Verhalten eines fremden Dritten Untemeh mens in den Mittelpunkt.

Aus den aufgefiihrten Griinden liisst sich schlussfolgern, dass die Verlagenmgsneutrali tat grenziiberschreitender koll7.emintemer Leistungen nicht an das Verhalten 1mabhiingi ger Dritter Untemehmen gekniipft den sollte. Vielmehr sollte das Verhalten der Ko117.emuntemehmen daran gemessen den, ob sie sich gleich wrhalten wiirde, wenn das internationale Steuergefiille nicht wrharulcn ware. Jedoch ist diese MaBgabe sehr anfiillig fiir die untemebmerische Beeinflussung. Hierbei ware cine Gri:iBe gegeben, die das Unternebmen sehr wohl beeinflussen kann, um das gewiinschtes Ziel zu erreichen. Die Faktoren werden dann so aogepasst, dass als Ergebnis der Verrechnungspreis des Landes mit der geringsten Steuerbelastung prisentiert werden kann. Der bisherige hypothetische Fremdwrgleich kann allerdings seitens des Unternebmens nicht beeinflusst werden.

Hinsichtlich des Konzeptes der Neutralitiit ergibt sich jedoch noch ein weiteres Prob lem. Wellisch hat auBerdem innerhalb seiner Untersuchungen festgestellt, dass internationale Verrecbnungspreise bei Nichtbeachtung des internationalen Steuergefli.lles nur bei de organisierten MNU ermittelt werden kOnnen. Daher scheidet dieses Kriterium fiir die Neutralitat aus, da auch zentral organisierte MNU mit beriicksich tigt werden miissen. Aus cliesem Gnmd bewrzugt Wellisch lecliglich wn einer neutralen Methode zu sprechen, in der untersucht wird, ob sich das Verhalten des Unterneh mens (sowohl dezentral als auch zentral organisiert) trotz des internationalen Steuerge fiilles nicht wriindert.

Der Fremchergleichsgrundsatz wird in der Praxis notwendig, da aufgnmd externer Ef fekte sowie Jnfonnationsasymmetrien, aber auch wegen den Kosten der Jnfonnationsbe schaffung kcinen effizienten Mengenaustausch gewibrleistet werden kmm. Jedoch gibt es auch Kritikpunkte, die sich darin wiederfinden, dass Synergieeffekte sowie die wech selseitigen Bezielnmgen der betroffenen Unternehmen nicht beriicksichtig werden. Dach gibt es kcine alternatiw Methode, die diesen Kriterien gerecht wird. Die Kritik beziiglich des Fremchergleichsgrundsatzes geht aber noch weiter. Vermehrt wird festge stellt, dass es beziiglich der internen Vergleiche zu Schwierigkeiten mit den Markt preisen kommt. Zusiitzlich ist der Fremchergleich fiir die Unternehmen mit einem ho hen biirokratischen Aufwand !Cfbunden. Dies fiingt an mit der Einholung der Jnforma tionen wn betriebsfremden Dritten und endet mit den hohen Priifungsanforderungen der OECD.

Der Fremdvergleichsgnmdsatz bedeutet aber auch, dass die K.o117.Crnc inihren strategi schen Verhaltensaltematiwn eingescbrankt werden, denn sie sind gezwungen diesen Marktpreisen immer zugrunde zu legen. Ebenso wurden von Verwaltungen Gruodsiit ze erstellt, an die sich die betroffenen Untemehmen zu halten haben. Hierbei gibt es nur einen geringen Spielrawn, in dem die Untemehmen darlegen kilnnen, dass ihr "uniibliches" Verhalten betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, auch wenn sich dieses nicht an den Grundsitzen orientiert.

Einige Kritiken gehen auch dahingehend, dass sie die Beweiskriftigkeit des Fremc:her haltens anzwcifeln, da es in vielen praktischen Fillen k.eine vergleichbaren Geschii.ftsbe ziehungen gibt. Des Weiteren wird das Handeln des ordentlichen und gewissenhaften Geschli.ftsfiihrers angezweifelt, da fragwiirdig ist, inwelchem MaBe hierbei subjektives Wissen, personliche Jrrtiimer bzw.Fehleinschiitzungen. seitens des Geschli.ftsfiihrers mit beriicksichtigt Wfden. Der Fremdvergleichsgrundsatz ist vieler Kriti.k ausgesetzt und nicht zuletzt, weil die Ansicht existiert, dass an ihm nur koll7.Crninterne Geschli.fte gemessen werden kilnnen, die auch auf dem tatsiichlichen Markt gehandelt werden. Dies ist aber nicht immer der Fall. Bei einigen koll7.Crnintemen Geschii.ftsbeziehungen wird es schwierig sein, ein vergleichbares Geschiift zu finden, auch nur hypothe tisch. Trotz der existierenden Miingel gibt es k.eine bessere Alternative, weshalb der Fremdvergleichsgnmdsatz die bevorzugte Methode ist und bleibt.

 
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