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3.1.3.6 Interne vs. Externe Kontrolle

Die Kulturdimension „Interne vs. Externe Kontrolle“ wirft die Frage nach dem Verhältnis einer Kultur gegenüber ihrer Umwelt auf. Diese Dimension beruht auf dem Gedankengang, dass in Abhängigkeit des Umgangs einer Kultur mit ihrer Umwelt, das Leben des Einzelnen entsprechend ausgestaltet ist. Es gibt dabei sowohl Kulturen, die versuchen ihre Umwelt zu kontrollieren als auch Kulturen, die danach streben im Einklang mit ihrer Umwelt zu leben. Interne oder Eigenkontrolle entspricht dabei dem Prinzip der internalen Attribution, d.h. ein Mensch sieht die Ursachen für Erfolg oder Misserfolg in sich selbst begründet und versetzt sich damit in die Lage seine Umwelt zu kontrollieren. Umgekehrt geht die externe oder die Fremdkontrolle von externaler Attribution aus. Menschen sehen sich hierbei als Teil ihrer Umwelt und sehen die Gründe für Erfolg und Misserfolg an äußere Umstände, wie z.B. das Schicksal, geknüpft. Diese fast schon philosophische Fragestellung und damit die Frage nach einer möglichen Übertragbarkeit auf den Sport ist im Kontext dieser Arbeit nur sehr schwer zu beantworten. Wie schon an anderen Stellen der Übertagbarkeitsanalyse angeklungen ist, lässt sich durch verschiedene Ansätze in verschiedene Richtungen argumentieren.

Eine erste Argumentation für die Aufnahme dieser Dimension könnte darauf basieren, dass sich durchaus in Abhängigkeit ihrer Ausprägung eine Marke positionieren ließe. Dies hätte zur Folge, dass in Kulturen mit einem vorherrschenden internen Kontrollverständnis der Sportler als alles kontrollierende Marke positioniert wird. Er alleine beeinflusst die eigene Leistung, den Ausgang eines Wettbewerbs, den weiteren Karriereverlauf etc. Dem entgegengesetzt ließe sich in Kulturen mit der Tendenz zur externen Kontrolle ein Sportler, als von seiner Umwelt kontrollierte Marke positionieren. Äußere Umstände, das Schicksal oder gar Gottes Wille haben den Sportler zu dem gemacht, was er ist. Ein solcher Ansatz ist durchaus vorstellbar, denn ohne Frage sind Kulturen in diesem Zusammenhang sehr unterschiedlich ausgeprägt. Allerdings ist dies nur als ein gedankliches Konstrukt zu verstehen, welches sich in der Praxis nicht konsistent umsetzen ließe. Es wird immer Elemente geben, die im Sinne der Markenpositionierung beeinflusst werden können und es wird umgekehrt ebenfalls immer Elemente geben, die nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß zu kontrollieren sind. Das genaue Verhältnis und die Interaktion zwischen kontrollierbaren und unkontrollierbaren Elementen sind weder zu bestimmen noch selbst festzulegen. Daher sollte sich die Markenpositionierung nicht an der Ausprägung dieser Kulturdimension orientieren. Zusätzlich weisen psychologische Studien darauf hin, dass Menschen und damit auch Sportler im Erfolgsfalle stark internal attribuieren („Heute habe ich/haben wir hervorragend gespielt und somit dem Gegner keine Chance gelassen“) und im Falle des Misserfolges, der im Sport auf lange Sicht unumgänglich ist, external attribuieren („Die Platzverhältnisse waren eine Katastrophe und der Schiedsrichter hat uns das gesamte Spiel verpfiffen“). Begründet ist ein solches Verhalten durch das menschliche Selbstwertgefühl (vgl. Schütte, 2006). Dies hat zur Konsequenz, dass selbst wenn die Markenpositionierung auf die Ausprägung dieser Dimension hin ausgerichtet werden würde, die wahrscheinliche Gefahr des Authentizitätsverlustes der Marke bestünde. Nämlich genau in dem Moment, wenn ein Sportler sich basierend auf Erfolg oder Misserfolg nicht markenidentitätsgetreu äußern und verhalten würde. Der Verlust der Authentizität führt zwangsläufig zum Scheitern der Marke. Daher wird sich dafür ausgesprochen mögliche Markenwerte, die auf der Ausprägung dieser Dimension beruhen nicht in die Markenidentität eines Sportlers oder eines Teams zu integrieren bzw. existierende Markenwerte dieser Art nicht in den Vordergrund der Markenvermittlung zu stellen. Ergänzend ist ohnehin anzumerken, dass sich einzelne Bestandteile dieser Dimension in bereits analysierten Kulturdimensionen wiederfinden. So kann die Fähigkeit der internen Kontrolle auch im Zusammenhang von Stärke und Macht gesehen werden, welche im Zusammenhang mit der Kulturdimension Machtdistanz (vgl. Kapitel 3.1.2.1) zuvor abgehandelt wurde. Somit ist auch im Sinne der Redundanzvermeidung die Nichtberücksichtigung dieser Dimension ein klar vertretbares Ergebnis der Übertragbarkeitsanalyse.

3.1.3.7 Zeitorientierung: Serialität oder Parallelität

Die abschließende Kulturdimension nach Trompenaars thematisiert die Zeitorientierung einer Kultur. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob eine Kultur Dinge zeitgleich ausführt (Parallelität) oder ob Dinge in einer klar strukturierten, sequentiellen Reihenfolge bewerkstelligt werden (Serialität). Zusätzlich stellt Trompenaars die Frage nach der kulturellen Bewertung von Zeit, also der Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsorientierung. Da schon bei Hofstede eine vergleichbare Dimension analysiert und sich für die weitere Berücksichtigung dieser Kulturdimension ausgesprochen wurde, wird an dieser Stelle nicht weiter inhaltlich argumentiert. Es wird sich stattdessen dafür ausgesprochen, eine relevant erscheinende Dimension „Zeitorientierung“ in die folgende Systematisierung zu implementieren und darauf zu verweisen, dass diese Dimension verschiedene Bestandteile in Bezug auf das Verständnis für Zeit beinhaltet. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen und die Übertragbarkeitsanalyse der Kulturdimensionen nach Trompenaars ist somit abgeschlossen.

 
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