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2.3.2 Der Spotmarkt für Strom

Als Spotmarkt wird der Markt für den Handel von Strom mit Lieferung am nächsten Tag bezeichnet. Aufgrund dieses zeitlichen Bezugs werden auch die Begriffe DayAhead-Markt oder vortäglicher Markt verwendet[1]. Börslicher Spotmarkt-Handel für das deutsche Marktgebiet ist an der Energy Exchange Austria (EXAA) in Wien und der European Power Exchange (EPEX) in Paris möglich. Die EPEX, an welcher der größte Teil des Spotmarktvolumens gehandelt wird [2] und auf deren börslichen Handel sich die folgende Ausführung bezieht, ist ein Gemeinschaftsunternehmen der EEX und der französischen Strombörse Powernext. Neben dem deutschen Marktgebiet gibt es an der EPEX auch Handelsmöglichkeiten für das französische, österreichische und schweizerische Marktgebiet. Der Spotmarkt ermöglicht den Handel von Kontrakten, die jeweils die konstante Lieferung von Strom in einer Stunde des Folgetages umfassen.Vgl. zu den Handelsbedingungen EPEX SPOT SE 2011a, S. 6 ff. Dabei beinhalten die Kontrakte zwingend eine physische Lieferung des Stroms über einen Bilanzkreis. Der Spotmarkt ist als Einheitspreisauktion ausgestaltet. Bis 12:00 Uhr können Gebote für Kontrakte abgegeben werden. Anschließend wird durch die EPEX ein für jede Stunde des Folgetages einheitlicher Marktgleichgewichtspreis errechnet[3]. Dieser dient zur Abwicklung aller Geschäfte.

Abb. 2.7 Angebots- und Nachfragekurve der 12. Stunde am 25.09.2010 (eigene Darstellung mit Daten der TransnetBW GmbH)

Am Spotmarkt ist neben Geboten für Einzelstunden auch die Abgabe von Blockgeboten möglich, die mehrere Stundenkontrakte umfassen. Für einen Zuschlag wird hierbei der Preis von allen gehandelten Stunden berücksichtigt. Abbildung 2.7 zeigt exemplarisch die aus den Geboten der Markteilnehmer resultierenden Angebots- und Nachfragekurven für den EPEX Spotmarkt am 25. September 2010 für die Stunde zwölf. Im Gegensatz zum Merit-Order-Modell ist die Nachfragekurve am Spotmarkt nicht unelastisch. Allerdings stellt diese im Spotmarkt nicht die Endkundennachfrage dar, sondern die von Großhandelsmarktteilnehmer wie z. B. Vertrieben mit eigener Erzeugung. Je nach Marktpreis ist es für diese wirtschaftlicher, Strom selbst zu erzeugen oder am Markt einzukaufen. Empirische Studien zeigen, dass der Spotmarktpreis sehr gut mit Merit-Order-Modellen erklärt werden kann, die um intertemporale Zusammenhänge ergänzt sind[4].

Eine Besonderheit des Spotmarktes ist die Kopplung mehrerer europäischer Marktgebiete durch einen Marktkopplungsmechanismus. Abbildung 2.8 zeigt die Marktgebiete, die über den Marktkopplungsmechanismus gekoppelt sind. Ziel der Marktkopplung ist ein wohlfahrtsoptimaler grenzüberschreitender Stromhandel vor dem Hintergrund der Beschränkung der grenzüberschreitenden Transportkapazitäten[5]. Der Marktkopplungsmechanismus greift dabei auf die Gebote aller beteiligten Spotmarkt-Börsen, sowie die verfügbaren Transportkapazitäten zu. Mittels dieser Daten können die wohlfahrtsoptimalen Stromflüsse zwischen den Marktgebieten mit einem gemischt-ganzzahligen Optimierungsprogramm berechnet

Abb. 2.8 Gekoppelte Marktgebiete. (Quelle: EPEX SPOT SE 2011b)

werden[6]. Implizit ergeben sich dabei auch die Marktgleichgewichtspreise der verschiedenen Marktgebiete. Je nach verfügbaren Transportkapazitäten ergibt sich ein einheitlicher Preis für alle Marktgebiete, oder es unterscheiden sich die Preise aller bzw. einiger Marktgebiete. In letzterem Fall stellt die Preisdifferenz zwischen zwei Marktgebieten implizit den Wert der Transportkapazität dar. Der Marktkopplungsmechanismus wird kalendertäglich unter Beteiligung aller in Abb. 2.8 aufgeführten Spotmarktbörsen ausgeführt und ist die Grundlage für die Preisbildung in den Marktgebieten.

Für EE ist der Spotmarkt gut geeignet, da am Vortag bereits Prognosen für die Stromerzeugung zur Verfügung stehen. Zudem kann über die stündliche Auflösung der Verlauf der Stromerzeugung nachgebildet werden. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Liquidität, die unter anderem durch die Marktkopplung erreicht wird. Aufgrund des großen Prognosehorizonts, insbesondere beim Handel für die späten Abendstunden, können jedoch bei der tatsächlichen Erzeugung gegenüber der Prognose signifikante Abweichungen auftreten.

2.3.3 Der Intradaymarkt für Strom

Der Intradaymarkt ist ein Markt für den Stromhandel mit sehr kurzem Horizont bis zum Beginn der Lieferung. Der Handel am Intradaymarkt wird dabei wie der Spotmarkt von der EPEX organisiert. Im Gegensatz zum Spotmarkt als Einheitspreisauktion findet jedoch im Intradaymarkt ein laufender Handel rund um die Uhr statt. Die Stundenkontrakte können ab 15 Uhr des Vortages bis 45 min vor Lieferung gehandelt werden. Wie beim Spotmarkt sind physikalische Stundenkontrakte handelbar[7]. Seit dem Jahr 2012 ist auch der Handel von Viertelstundenkontrakten möglich. Ein umfangreicher Marktkopplungsmechanismus, wie beim Spotmarkt, existiert für den Intradaymarkt nicht. Allerdings können über das Flexible Intraday Trading Scheme der EPEX grenzüberschreitende Transaktionen zwischen dem deutschen und dem französischen Marktgebiet durchgeführt werden.

Die Preisbildung am Intradaymarkt kann, wie am Spotmarkt, grundsätzlich mit dem Merit-Order-Modell erklärt werden. Allerdings ist die Anzahl der Teilnehmer und damit die Liquidität am Intradaymarkt deutlich geringer als am Spotmarkt. Vor allem nachts und am Wochenende sind nur weniger Händler aktiv. Das gesamte Handelsvolumen am Intradaymarkt betrug mit zehn TWh im Jahr 2010 nur knapp fünf Prozent vom Volumen am Spotmarkt. Dies führt dazu, dass die Merit-Order-Kurve am Intradaymarkt steiler als am Spotmarkt ist. Die theoretisch mögliche Liquidität des Marktes sinkt mit abnehmendem zeitlichen Horizont bis zur Lieferung, da aus technischen oder organisatorischen Gründen bestimmte Kraftwerke größere Vorlaufzeiten bis zur Aktivierung benötigen. Die Steigung der Merit-Order-Kurve erhöht sich daher mit abnehmendem Lieferhorizont. Durch seine Ausgestaltung mit der Möglichkeit bis kurz vor Lieferung zu handeln, ist der Intradaymarkt grundsätzlich sehr gut für den Handel mit Strom aus EE geeignet. Aufgrund der geringen Liquidität eignet sich der Intradaymarkt jedoch nur für den Handel von kleinen Mengen. Der allergrößte Teil des Stroms aus EE wird daher am Spotmarkt gehandelt.

  • [1] Vgl. Genoese (2010, S. 31) Der deutsche Begriff findet sich insbesondere in Gesetzen und Verordnungen wie z. B. der Verordnung zur Weiterentwicklung des bundesweiten Ausgleichsmechanismus.
  • [2] An der EPEX Spot wurde im Jahr 2010 ein Handelsvolumen von 205,5 TWh erzielt. Vgl. EPEX SPOT SE 2011d, S. 1. An der EXAA wurden im gleichen Zeitraum nur 6,4 TWh gehandelt. Vgl. Energy Exchange Austria, S. 2.
  • [3] Vgl. für eine Darstellung dieser Auktionsform Grimm et al. (2008).
  • [4] Vgl. z. B. Ellersdorfer u. a. (2008).
  • [5] Vgl. für eine einführende Übersicht z. B. Meeus u. a. (2009, S. 228 ff.).
  • [6] Vgl. für eine Darstellung des Verfahrens Weber et al. (2010, S. 306).
  • [7] Vgl. EPEX SPOT SE (2011a, S. 10).
 
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