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4.2 Auswirkungen der Vermarktung auf den Großhandelsmarkt

Aufgrund der hohen installierten Kapazität hat die Vermarktung erneuerbarer Energien großen Einfluss auf die verschiedenen Segmente des Großhandelsmarkts. Die theoretische Maximalleistung aller Kraftwerke mit EE betrug im Jahr 2012 mit 79 GW bereits mehr als die durchschnittliche Stromnachfrage in Höhe von 67,8 GW[1]. Bei einem niedrigen Stromverbrauch und hoher Stromerzeugung aus EE ist es somit möglich, dass die EE die Nachfrage komplett decken oder sogar überschreiten. Im Gegensatz dazu kann die Stromerzeugung aus EE sich auch auf unter 10 GW reduzieren, wenn wetterbedingt nur Wasserkraftwerke und Biomasseanlagen Strom erzeugen. Diese starken Fluktuationen haben eine große Bedeutung für die Preisbildung. In diesem Zusammenhang wird häufig vom Merit-Order-Effekt gesprochen. Der Merit-Order-Effekt ist eine Verschiebung der Angebotskurve auf dem Strommarkt nach rechts aufgrund des Markteintritts von Kraftwerken mit sehr geringen Grenzkosten. In Abb. 4.4 ist dies durch eine Verschiebung der im

Vergleich zu Abb. 2.6 vereinfachten Angebotskurve A1 hin zu A2 dargestellt. Die Verschiebung der Angebotskurve führt bei der konstanten Nachfragekurve N zu einer Verringerung des Preises P1 hin zu P2. Da EE Grenzkosten nahe Null besitzen, tritt der Merit-Order-Effekt häufig im Zusammenhang mit EE auf.

Der Merit-Order-Effekt wirkt sich über den Mechanismus der Einheitspreisauktion direkt auf den Spotmarkt aus. Der Einfluss des Stroms aus EE auf den In-

Abb. 4.4 Merit-OrderEffekt (eigene Darstellung nach Nicolosi; Fürsch 2009, S. 247)

tradaymarkt in Zusammenhang mit dem Ausgleich von Prognosedifferenzen kann ebenfalls mit dem Merit-Order-Effekt erklärt werden. Auch auf die Preise für Ausgleichsenergie haben EE Auswirkungen.

4.2.1 Auswirkungen auf den Spotmarkt

Seit Inkrafttreten der AusglMechV zum 1. Januar 2010 findet der Vortages-Handel von Strom aus EE zu einem großen Teil im deutschen Marktsegment des EPEX Spotmarktes statt. Dort sind die Auswirkungen der stark fluktuierenden Erzeugungsleistung damit gut zu beobachten. Die grundsätzlichen Wechselwirkungen zwischen Erzeugungsleistung und Markt gelten für alle Arten von EE, aufgrund der hohen installierten Kraftwerksleistung ist jedoch insbesondere der Einfluss der Windenergie von Bedeutung. Beispielsweise gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Menge des in einer Stunde erzeugten Windstroms und dem für diese Stunde am Markt gehandelten Volumen. Von Juli 2010 bis Juni 2011 betrug der Korrelationskoeffizient zwischen beiden Größen 0,532[2]. Bereinigt man die Daten um die tageszeitlichen Schwankungen, indem man die Tagesmittelwerte in Beziehung zueinander setzt, ergibt sich, wie in Abb. 4.5 in der linken Grafik dargestellt, eine wesentlich stärkere Korrelation. Der Korrelationskoeffizient beträgt in diesem Fall 0,803 bzw. das Bestimmtheitsmaß einer linearen Regression 0,645. In den Monaten November und Dezember 2010 betrug der Korrelationskoeffizient zwischen tagesmittlerem Handelsvolumen und Windstromerzeugung sogar 0,930[3].

Abb. 4.5 Einfluss der Windenergieerzeugung auf den Spotmarkt (eigene Darstellung mit Daten der TransnetBW GmbH)

Den Zusammenhang zwischen Windstromerzeugung und Gleichgewichtspreis des EPEX Spotmarktes zeigt die rechte Grafik in Abb. 4.5 für den Zeitraum vom Juli 2010 bis Juni 2011. Es ist erkennbar, dass der Einfluss der Windstromerzeugung auf den Spotmarktpreis schwächer ist als auf das Handelsvolumen. So beträgt der Korrelationskoeffizient zwischen Windenergieerzeugung und Spotmarktpreis nur 0,243. Auch die Betrachtung von mittleren Tageswerten bringt hierbei keine wesentliche Änderung. Grund für den geringen direkten Zusammenhang ist, dass die Windenergieerzeugung nur einer von vielen Faktoren ist, die den Marktpreis beeinflussen. Auffällig ist jedoch, dass Preise über 100 €/MWh nur bei einer Windenergieerzeugung unter 2.000 MWh und negative Preise nur bei einer Erzeugung über 12.500 MWh vorkommen.

Eine Möglichkeit, den Merit-Order-Effekt deutlicher sichtbar zu machen, ist der Vergleich des Marktwerts von Windstrom mit dem durchschnittlichen Marktpreis.12 Betrachtet man die durchschnittliche, stündliche Erzeugung von Strom aus Windenergie, ergibt sich über einen längeren Zeitraum ein über den Tag fast konstantes Profil. Der Marktwert dieses Profils entspricht fast exakt dem durchschnittlichen Marktpreis[4]. Der tatsächliche Marktwert des jeweils stündlich erzeugten Windstroms liegt jedoch deutlich unter dem durchschnittlichen Spotmarktpreis,

Abb. 4.6 Wertigkeit von Windstrom (eigene Darstellung mit Daten der TransnetBW GmbH)

da der Merit-Order-Effekt zu Zeiten hoher Windstromerzeugung den Preis absenkt. Abbildung 4.6 zeigt den Wert der Windstromerzeugung relativ zum durchschnittlichen Spotmarktpreis für die Monate Juli 2010 bis Juni 2011. Vor allem in den windstarken Wintermonaten lässt sich ein deutlich verringerter Marktwert des Windstroms erkennen. Im Februar beträgt dieser beispielsweise nur knapp 88 % des durchschnittlichen Spotmarktpreises[5].

  • [1] Vgl. Abbildung 2.1. Bei einem Gesamtverbrauch von 594 TWh ergibt sich ein mittlerer Verbrauch von 67,8 GW
  • [2] Eigene Berechnung. Die verwendeten Daten wurden von der TransnetBW GmbH zur Verfügung gestellt.
  • [3] Vgl. Drescher (2011, S. 9).
  • [4] Im Zeitraum vom 1.7.2010 bis zum 30.6.2011 betrug der durchschnittliche Spotmarktpreis 50,16 €/MWh. Der Marktwert der durchschnittlichen Windenergieerzeugung betrug 50,11 €/MWh.
  • [5] Vgl. zum Einfluss der Windstromerzeugung auf den Spotmarkt auch Neubarth u. a. (2006, S. 42 ff.).
 
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