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3 Politische Führung in der Verwaltung

Im vorherigen Kapitel 2.5 wurden die Akteure an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung beschrieben. Dabei wurde eine zunehmende funktionale Politisierung der Verwaltungsseite aufgezeigt und dass Spitzenführungskräfte im Landkreis auch politische Führungsaufgaben übernehmen. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Instrumenten und Techniken der politischen Führung, um dann in Kapitel 6 abzugleichen, welche hiervon auch von den Dezernenten für ihre Schnittstellenarbeit angewendet werden.

3.1 Was ist politische Führung?

Führung kann man als Oberbegriff für Interaktionsprozesse sehen, „bei denen eine Einflussnahme von Personen auf andere zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben im Kontext struktureller Arbeitssituationen beschrieben wird.“ Politische Führung stellt eine Sonderform der Führung dar, die sich im Kontext von Machtfragen und Wahlerfolg bewegt. Im Gegensatz zu Führung beispielsweise in der Wirtschaft ist Wahlerfolg bei politischen Entscheidungsträgern ein zentraler Bewertungsmaßstab. Um gewählt zu werden, müssen Mehrheiten erreicht und gehalten werden. Dazu bedarf es vor allem Kompromissbereitschaft, da Interessen und Bedürfnisse von Minderheiten berücksichtigt werden müssen. Auch wird Führungshandeln in der Politik an der effektiven Umsetzung von Programmen und Maßnahmen gemessen. „Die Kernkompetenz eines politischen Akteurs ist es, aus unterschiedlichen Interessenkonstellationen Mehrheiten zu organisieren.“

Ebenso wenig wie für Politik, gibt es für politische Führung eine einheitliche Definition.

„This is because […] there are many different types and forms of political leadership as well as many different arenas in which political leadership must be exercised. Types and forms of political leadership correspond to the manner in which leaders exercise leadership. […] An individual may have to exercise a combination of these different types and forms of political leadership at any one time.”

Politische Führung erfordert „ein ordnungstheoretisches Gespür für den realistischen Gestaltungsanspruch der Politik.“ Sie muss Glaubwürdigkeit, Attraktivität und Kohärenz der eigenen Strategie herstellen, sie muss Verbündete gewinnen und Vetokräfte schwächen.

3.2 Techniken und Instrumente politischer Führung

Mit welchen Techniken und Instrumenten politische Führung ausgeübt wird, haben Grasselt und Korte untersucht. Dabei sind für sie Führungsinstrumente „einzelne Handlungsakte, die sich nur auf Teilprozesse oder bestimmte Situationen beziehen und jeweils konkrete Entscheidungen, Empfehlungen oder Verfahren zum Inhalt haben.“ Führungstechnik definieren sie als „ein System von Führungsinstrumenten.“ Techniken und Instrumente stehen dem individuellen Akteur in unterschiedlichen Kombinationen zur Verfügung, um eine spezifische Führungssaufgabe auszufüllen.

Für Grasselt und Korte bedeutet politische Führung die „Bündelung von Partialinteressen zu einem gesellschaftlichen Gesamtkontext. Nur so können Gestaltungsmehrheiten gewonnen werden. Dabei ist die konsensorientierte Dimension der politischen Führung hervorzuheben.“ Dazu gehört auch die Fähigkeit, abwägen zu können, wie Sachverhalte durchzusetzen sind. Grasselt und Korte unterscheiden für die politische Führung die im Folgenden dargestellten verschiedenen Handlungsarenen, die sich durch verschiedene Akteurskonstellationen auszeichnen.

 
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