< Zurück   INHALT   Weiter >

3.2.3 Öffentliche Arena

In der Öffentlichen Arena werden Entscheidungen durch Stimmungen vorbereitet, die Bürger treten in Kommunikation mit den politischen Akteuren, es gibt Aufmerksamkeit als Machtprämie. Die Lösung von Sachfragen tritt in den Hintergrund im Kontext des personenzentrierten Ringens um Meinungshoheit. Die politischen Akteure benötigen öffentliche Zustimmung zu den von ihnen vertretenen Positionen. Darstellungspolitik entscheidet, nicht das verschwiegene Aushandeln in der verhandlungsdemokratischen Arena oder das Ringen um die besten Konzepte in der parlamentarischen Arena.

Nachfolgende Übersicht zeigt die Instrumente und Techniken, durch die sich nach Grasselt und Korte die Öffentliche Arena auszeichnet:

Öffentliche Arena

Personalisierung

Politik lebt davon, dass politische Themen mit Namen verbunden werden. Dazu gehört, sich möglichst oft zu Wort melden. Aber auch eng verwandt mit der Ämterkumulierung die Mitarbeit in Kommissionen und Arbeitskreisen, von deren Themen man sich ein gewisses Konfliktpotential oder einen aktuellen Bezug erwartet. Die Mitarbeit an solchen Projekten bringt nicht nur image-steigernde Aspekte mit sich, sondern es können auch die eigenen Vorstellungen von Politik eingebracht werden.

Wort- und Bildpolitik

Sprache ist das zentrale Instrument der politischen Führung. Es geht um eine medienwirksame Darstellung der Politik sowie das permanente Agieren im Wahlkampfstil und medial vermittelte (Selbst-) Inszenierung.

Präjudizierung

Häufig findet politische Führung nicht durch formelle Kommunikationskanäle statt, sondern mittelbar durch den Gang über die Öffentlichkeit, beispielweise durch Äußerungen in Interviews, in denen Ergebnisse oder Konsequenzen von möglichen Ergebnissen, die sich noch im Abstimmungsprozess befinden, vorweg genommen werden.

Polarisierung

Die politischen Akteure bemühen sich darum, Aufmerksamkeit zu generieren. Es erfolgt eine inhaltliche Abgrenzung zum Gegner und damit eine Schärfung des eigenen Profils. Es geht um den kalkuliert eingesetzten „Schlachtenlärm“, der die politische Auseinandersetzung begleitet.

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Grasselt und Korte64

Abbildung 3: Techniken und Instrumente in der Öffentlichen Arena

3.2.4 Arenenübergreifende Verhandlungstechniken

In der Praxis verwischen die Grenzen zwischen den einzelnen Arenen hinsichtlich des politischen Handelns. Im Folgenden werden daher die zentralen Techniken und Instrumente der politischen Führung nach Grasselt und Korte dargestellt, die unterschiedliche Anforderungen aus den verschiedenen Arenen kombinieren.

Das Beherrschen von Verhandlungstechniken ist in der politischen Führung von zentraler Bedeutung. Zunächst ist bei Verhandlungen zwischen den regelmäßig stattfindenden formellen Sitzungen und persönlichen Verhandlungen zu unterscheiden. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass sie im kleinen Kreis stattfinden und in hohem Maß informalisiert sind. Für den Verhandlungserfolg ist die persönliche Beziehung entscheidend, da politische Kompromisse von Personen abhängen.

Formelle Sitzungen müssen nicht nur professionell geleitet werden. Auch die Sitzungsvorbereitung kann den Verhandlungsverlauf und das -ergebnis beeinflussen. Dabei ist es wichtig, potentielle Konfliktpositionen und Vorbehalte in Erfahrung zu bringen. Noch wichtiger ist es allerdings, entsprechend darauf zu reagieren und vor Verhandlungsbeginn bereits Kompromissformeln zu formulieren und zu testen. Auf diese Weise können kritische Positionen abgeschliffen werden. Ebenso beliebt ist es, Steuerungsgruppen zur Problemvermeidung einzusetzen, wenn man bei der Entscheidungsfindung nicht weiterkommt.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >