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3.2.5 Kerntechniken des Politikmanagements

Neben den oben beschriebenen Verhandlungstechniken beschreiben Grasselt und Korte weitere Techniken, die die politischen Akteure arenenübergreifend anwenden und die als Kerntechniken des Politikmanagements bezeichnet werden.

3.2.5.1 Führung durch Wissens- und Informationsmanagement

Die Informationsflüsse zu lenken und sicherzustellen, dass man über die richtigen Informationen verfügt, ist ein zentraler Aspekt politischer Führung. „Wer wirksam handeln will, braucht relevante Informationen.“ Beratung geschieht durch informelle Beratungszirkel, durch Kommissionen, Redenschreiber, persönliche Referenten, die den Stil des Spitzenakteurs kennen. „Diese Art der personalisierten Politikberatung ist für den Führungserfolg entscheidend.“ Informationen, die durch Beratung gewonnen werden, sind zentrale Machtressourcen. So erhält die politische Führungskraft beispielsweise Informationen darüber, wer für oder gegen eine bestimmte Entscheidung ist und wie groß die Chancen sind, sich in dieser Konstellation durchzusetzen.

Zum Informationsmanagement gehört, nicht nur eine Vielfalt an Informationen zu erhalten, sondern auch sicherzustellen, dass es sich um die relevanten handelt. Für die Informationsbeschaffung ist das direkte Umfeld von zentraler Bedeutung, da dieser Personenkreis einen unmittelbaren Zugang zum politischen Entscheidungsträger hat. „Sie filtern und vorselektieren Informationen und beeinflussen die Lageanalyse und somit die Problemwahrnehmung von Kanzlern, Partei- und Fraktionsvorsitzenden. Sie entwickeln eigene Konzeptionen und Risikoeinschätzungen, mit denen sie unmittelbaren Einfluss auf die Entscheidungen nehmen.“

Führung durch Sachwissen impliziert, dass eigenes Sachwissen in bestimmten Themenbereichen aufgebaut wird. Auch in der Politik bildet der Sachverstand die Grundlage für Entscheidungen. Sachwissen und inhaltliche Kompetenz, der richtige Umgang mit Informationen, sind für den Führungserfolg ausschlaggebend.

3.2.5.2 Elementarisierung und Fokussierung

Politische Entscheidungsträger müssen auch vermitteln, warum sie ihre Entscheidungen so und nicht anders treffen. Die Technik der Elementarisierung hilft, „komplexe Sachverhalte so elementar zu erklären, dass sich niemand überfordert fühlt, um höchstmögliche Akzeptanz für eine Maßnahme zu generieren.“ Dabei müssen Entscheidungsträger oft eine Art pädagogische Fähigkeit entwickeln, um von der Notwendigkeit von Veränderungen zu überzeugen. Unter der Technik der Fokussierung verstehen Grasselt und Korte, die Kommunikationsstrategien und Handlungen den ständig wechselnden Zielgruppen anzupassen. Politische Führungskräfte müssen antizipieren, welche Erwartungshaltung die Zielgruppe entwickelt und

eine Ausdrucksweise besitzen, die die jeweilige Zielgruppe erreicht. Im Inhalt und Stil sollte politisches Handeln auf die jeweilige Aufgabe fokussiert sein.

3.2.5.3 Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit

Als politischer Entscheider muss man mit Widerständen rechnen. Man braucht Stehvermögen, um Krisen und persönliche Enttäuschungen zu meistern. Politischen Entscheidungen gehen oft zähe und konfliktreiche Prozesse voraus. Wer sein politisches Ziel erreichen und Dinge verändern möchte, benötigt Beharrlichkeit und Entschlossenheit und muss hartnäckig an seinen Vorstellungen festhalten.

3.2.5.4 Wertorientierte Führung

Nach Grasselt und Korte sind politische Entscheidungskräfte dauerhaft nur erfolgreich, „wenn sie die Kraft besitzen, gesellschaftliche Konflikte aufzunehmen, ihnen einen Ausdruck zu verleihen und sie schließlich zu einem Ausgleich zu bringen.“ Dabei müssen sie Beliebigkeitsentscheidungen vermeiden und sich nicht dem Zeitgeist anbiedern. Politische Inhalte müssen als Merkmale für den einzelnen Politiker erkennbar bleiben. Die Rückkopplung mit Bürgern ist notwendig, um ein Verständnis zu entwickeln, wie sich Entscheidungen auswirken und wo die Probleme liegen. Sie müssen sich selbst ein Bild von Problemen und Nöten machen und gegebenenfalls ihre Prioritäten danach ausrichten. „Persönliche Werte bilden die Grundvoraussetzung, um ein dauerhaftes politisches Verhalten zu entwickeln.“

3.2.5.5 Timing und Absicherung

Das richtige Timing ist wichtig. Die politische Führung muss erkennen, wann gehandelt werden muss und wann Zurückhaltung adäquat ist. Es geht um die geschickte Platzierung eines Themas zum richtigen Zeitpunkt und darum, im entscheidenden Moment zur Stelle zu sein. Die Kenntnis der Machtverhältnisse, die Vergewisserung eigener Mehrheiten, die Beeinflussung von Entwicklungen im Hintergrund sowie die Absicherung im Vorfeld von Bekanntgaben und Stellungnahmen sind im Politischen ein unverzichtbares Führungsinstrument.

3.3 Zwischenfazit und erste These

Politische Führung zielt auf den Wahlerfolg ab, der auf Mehrheiten und Kompromissen beruht. In diesem Kapitel wurden Instrumente und Techniken vorgestellt, die Politiker anwenden, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Diese Instrumente und Techniken können verschiedenen Arenen, also Akteurskonstellationen zugeordnet werden. Darüber hinaus gibt es Kerntechniken des Politikmanagements, die übergreifend eingesetzt werden.

Für diese Untersuchung ergibt sich hieraus die

Erste These:

Dezernenten wenden im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung an der Schnittstelle zwischen Kreispolitik und Kreisverwaltung Instrumente und Techniken der politischen Führung an.

 
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