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4.3 Stärken und Grenzen des Modells

Am Phasenmodell wird kritisiert, dass es externe Umwelteinflüsse auf das Regierungshandeln vernachlässigt und eine „äußerst systematische und lineare Form der Politikgestaltung“ suggeriert. In der Praxis laufen solche Prozesse häufig spontan ab. Auch Jann anerkennt: „In deskriptiver Hinsicht erweist sich die Gliederung des Policy-Prozesses in logisch und zeitlich sequentielle Schritte als empirisch nicht tragfähig. Beispielsweise beeinflussen Implementationsprozesse das Agenda Setting, oder es kommt zur Reformulierung der Probleme, während die öffentliche Verwaltung versucht, ein unklar formuliertes Programm zu implementieren. In vielen Fällen können Phasen nicht wirklich unterschieden werden, oder es kommt zu einer Umkehrung der Reihenfolge, einzelne Phasen fehlen gänzlich oder fallen zusammen.“

Jann weist jedoch auch darauf hin, dass „ein großer Teil politischer Aktivitäten nicht notwendigerweise ziel- und umsetzungsorientiert ist, sondern eher einen symbolischen und rituellen Charakter aufweist. Es geht um Handlungsfähigkeit und Machterhalt, weniger um konkrete Policies. Policy Making kann daher eher ein sekundäres Ergebnis eines Prozesses sein, als dessen ursprünglicher Zweck." Antworten hinsichtlich der Kausalität sind nicht notwendig, wenn es darum geht, einen politischen Prozess nachzuvollziehen. Als Modell will es lediglich ordnen, strukturieren und Komplexität reduzieren. Gerade erst diese Einteilung in Sequenzen ermöglicht es, „die Komplexität und Heterogenität der Politikgestaltung zu reduzieren und sinnvoll in handhabbare Segmente aufzuteilen und der Forschung zugänglich zu machen.“ Denn „ein möglichst differenziertes Verständnis der internen Dynamik, der Eigenart und Ursachen der spezifischen und komplexen Prozesse des Policy Making ist ein eigenständiges und wichtiges Erkenntnisziel.“

4.4 Zwischenfazit und zweite These

Für die Untersuchung der Politik als Problemverarbeitungsprozess wurde das Modell des Policy Cycle entwickelt, das die einzelnen Schritte dieses Prozesses beschreibt. Durch die Einteilung in einzelne Sequenzen lässt sich nachvollziehen, wie und an welcher Stelle beispielsweise Entscheidungen oder eine Auswahl getroffen wird, wo Informationen aufbereitet oder gefiltert werden und wer daran beteiligt ist. So lässt sich auch die Beteiligung der Verwaltung anhand der einzelnen Schritte herausarbeiten.

Zweite These:

Dezernenten sind in ihrer Aufgabenerfüllung an der Schnittstelle zwischen Kreispolitik und Kreisverwaltung an den verschiedenen Schritten des Policy Cycles beteiligt.

Methoden der Datenerhebung und Datenanalyse

 
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