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5.2 Die Methode der Datenanalyse

Im Folgenden wird dargestellt, wie die Daten ausgewertet wurden. Im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse wurde das Material in verschiedenen Interpretationsschritten ausgewertet und es wurde ausgehend von den Aussagen der Interviews ein Kategoriensystem entwickelt.

5.2.1 Die qualitative Inhaltsanalyse

Die Interviews wurden mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse mit induktiver Kategorienbildung ausgewertet. Das heißt, die Kategorien wurden direkt aus den Aussagen der Dezernenten abgeleitet und so die subjektiven Wahrnehmungen und Schwerpunkte der Dezernenten und Landräte abgebildet. Für Mayring ist dieses induktive Vorgehen „sehr fruchtbar“, denn „es strebt nach einer möglichst naturalistischen, gegenstandnahen Abbildung des Materials ohne Verzerrungen durch Vorannahmen des Forschers, eine Erfassung des Gegenstands in der Sprache des Materials.“

Bei der induktiven Kategorienbildung werden die Kategorien in einem Wechselverhältnis zwischen der Fragestellung der Untersuchung und dem Inhalt der Interviews nach Zuordnungsregeln, wie in Kapitel 5.2.2 beschrieben, ermittelt und während der Analyse überarbeitet und rücküberprüft. Schließlich werden die Ergebnisse in Richtung der Hauptfragestellung interpretiert. Für Mayring liegt die Stärke der qualitativen Inhaltsanalyse darin, dass das Verfahren in einzelne vorher festgelegte Interpretationsschritte zerlegt und dadurch für andere nachvollziehbar, intersubjektiv überprüfbar und somit zur wissenschaftlichen Methode wird.

5.2.2 Das Ablaufmodell der qualitativen Inhaltsanalyse

Abbildung 5 zeigt das Ablaufmodell für die vorliegende Inhaltsanalyse, dessen Schritte nachfolgend im Einzelnen beschrieben werden. Der Ablauf orientiert sich an den Ablaufmodellen von Philipp Mayring und wurde an die speziellen Anforderungen der vorliegenden Untersuchungen angepasst.

Untersuchungsgegenstand ist die Art und Weise, wie die Dezernenten selbst ihre Arbeit an der Schnittstelle zwischen Kreisverwaltung und Kreispolitik sowie ihre Beteiligung an politischen staltungsprozessen sehen.

Die Ziele der qualitativen Inhaltsanalyse leiten sich aus den in der Einleitung beschriebenen Forschungsfragen ab:

1. Ziel: Ermittlung der Techniken und Instrumente, welche die Dezernenten einsetzen.

2. Ziel: Darstellung, wie Dezernenten an den Schritten des Policy Cycle beteiligt sind.

Zur Festlegung des Materials wurde definiert, dass die Kodiereinheit, also der kleinste Textteil, der unter eine Kategorie fallen kann, ein Wort ist. Die Kontexteinheit, also der größte Textteil, der unter eine Kategorie fallen kann, ist ein Absatz.

Die Analyse der Daten im Hinblick auf die zwei Ziele erfolgte in zwei Durchgängen:

1. Durchgang im Hinblick auf das 1. Ziel:

Analyseeinheit ist jeweils das gesamte Interview.

Selektionskriterien: In welchen Situationen handelt der Dezernent politisch? Warum tut er das, welches Ziel verfolgt er damit? Welche Instrumente oder Techniken wendet er an?

Die Überprüfung erfolgt nach Signalwörtern und Bedeutungszusammenhängen aufgrund der genannten Selektionskriterien.

2. Durchgang im Hinblick auf das 2. Ziel:

Analyseeinheit sind die Antwortpassagen auf die Fragen im Zusammenhang mit dem Policy Cycle.

Selektionskriterien: Die Beschreibung, ob und wie Dezernenten am gesamten Policy Cycle und den einzelnen Schritten beteiligt sind und die Spielräume, die sich daraus für die Verwaltung ergeben.

Die Überprüfung erfolgt nach Signalwörtern und Bedeutungszusammenhängen aufgrund der genannten Selektionskriterien.

Die „doppelte Auswertung“ der Textpassagen zum Policy Cycle im ersten und im zweiten Durchgang nach jeweils unterschiedlichen Selektionskriterien ist bewusst erfolgt. Denn in den offenen Antworten zur Beteiligung an politischen Gestaltungsprozessen nahmen die Interviewten nicht nur Bezug auf das Policy-Cycle-Modell, sondern beschrieben auch allgemein Situationen und Vorgehensweisen an der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung.

Je Durchgang wurden die folgenden Schritte durchgeführt:

1. Reduktionsschritt pro Durchgang:

Die einzelnen Kodiereinheiten, also die nach der Fragestellung relevanten Textteile, die zunächst in der Originalformulierung übernommen wurden, wurden in einem Schritt in eine knappe, nur auf den Inhalt beschränkte, beschreibende Form umgeschrieben (Paraphrasierung). Nicht inhaltstragende Bestandteile wurden weggelassen. Es wurde eine einheitliche Sprachebene in grammatikaler Kurzform gewählt. Im selben Arbeitsschritt wurde die Para-

phrasierung in Stichworte verkürzt weiter verallgemeinert. In Zweifelsfällen wurden der Kontext des Gesamtinterviews oder theoretische Vorannahmen zu Hilfe genommen.

2. Reduktionsschritt pro Durchgang:

In einem zweiten Schritt wurden die im ersten Schritt ermittelten verallgemeinerten Kurzformen, die sich aufeinander beziehen und oft über das Material verstreut waren, zusammengefasst unter einer Überschrift, die in dieser Arbeit als Unterkategorie bezeichnet wird. Sich wiederholende und unwichtige, nichtssagende Paraphrasen wurden gestrichen.

3. Reduktionsschritt pro Durchgang

Die ermittelten Unterkategorien der einzelnen Interviews wurden mit denen der anderen Interviews zusammengeführt. Gegebenenfalls wurden Unterkategorien neu bezeichnet, um dazugehörige Aussagen aus anderen Interviews miteinzuschließen. Die miteinander in Verbindung stehenden Unterkategorien aus allen ausgewerteten Interviews wurden dann zu allgemeineren Kategorien zusammengefasst und verschiedenen im Zuge der Analyse identifizierten Schnittstellen zwischen Politik und Verwaltung zugeordnet.

Rücküberprüfung nach Auswertung von einem Drittel der Interviews

Nach Auswertung von sechs Interviews wurde überprüft, ob die in den verschiedenen Reduktionsschritten als Kategoriensystem zusammengestellten Aussagen das Ausgangsmaterial noch repräsentierten. Dabei wurde sichergestellt, dass alle ursprünglichen Aussagen des ersten Materialdurchgangs im neuen Kategoriensystem aufgehen.

Fortsetzung der Analyse mit den verbleibenden Interviews ab dem

1. Durchgang mit allen Reduktionsschritten

Die relevanten Textteile der noch nicht ausgewerteten Interviews wurden anhand der Selektionskriterien über die drei oben beschriebenen Reduktionsschritte den bereits ermittelten Unterkategorien zugeordnet. Wurde unter den vorliegenden Unterkategorien keine passende gefunden, wurden neue Unterkategorien gebildet oder die Benennung bestehender Unterkategorien an die zusätzlichen mitzuerfassenden Textteile angepasst.

Endgültige Rücküberprüfung

Nach der Analyse aller Interviews wurde abschließend geprüft, ob das im Rahmen der Auswertung der übrigen Interviews angepasste und erweiterte Kategoriensystem noch alle selektierten Aussagen aller Interviews repräsentiert und ob alle ursprünglichen Aussagen des ersten Materialdurchgangs im neuen Kategoriensystem aufgehen.

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Mayring124

Abbildung 5: Ablaufmodell für die qualitative Inhaltsanalyse

5.2.3 Interpretation und Analyse des Kategoriensystems

Die ermittelten Kategorien wurden induktiv, also im Sinne der Fragestellung der Untersuchung, den verschiedenen Schnittstellen zwischen Politik und Verwaltung zugeordnet, die aus dem Kontext der Interviews und der Theorie ermittelt wurden. Außerdem wurde quantitativ ergänzt, von welchem prozentualen Anteil der Interviewpartner unterschieden zwischen der Gruppe der Landräte und der Dezernenten Aussagen zur jeweiligen Kategorie gemacht wurden. Ausgehend von den Gesamtnennungen einer Kategorie wurde ermittelt, zu welchem Anteil sich die Interviewpartner auf einzelne Unterkategorien bezogen haben. Dabei ist es möglich, dass eine Person Äußerungen zu mehreren Unterkategorien gemacht hat, die dann in die eine Gesamtkategorie eingeflossen sind.

Aufgrund der sehr offen gehaltenen Interviews kann an der Anzahl der Nennungen nicht automatisch die Priorität einer Kategorie oder Unterkategorie festgemacht werden, da diese nicht systematisch abgefragt wurden. Dass Aspekte einer Kategorie oder Unterkategorie von verschiedenen Dezernenten oder auch Dezernenten und Landräten gleichermaßen angesprochen wurden, zeigt jedoch, dass diese nicht nur individuell subjektiv von Bedeutung sind, sondern dass eine größere Anzahl von Personen diese subjektive Bedeutung teilt und diese Aspekte von sich aus erwähnt.

 
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