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8 Fazit

Die Arbeit der Dezernenten hat eine politische Dimension. Die Dezernenten wenden Techniken und Instrumente der politischen Führung an und sind häufig der Dreh- und Angelpunkt von politischen Gestaltungsprozessen auf Landkreisebene. In der Zusammenarbeit mit politischen Organen können sie nicht unpolitisch sein. Sie sind allerdings nicht im Sinne von Parteipolitik politisch, sondern im Sinne von strategischem Denken und politischem Gespür mit dem Ziel der Konsens- und Mehrheitsbeschaffung für Entscheidungen, die im politischen Raum anstehen. Als Laufbahnbeamte der Verwaltung stehen die Dezernenten für fachliche Kontinuität in der Landkreispolitik.

Es gibt vier Schnittstellen zwischen Kreispolitik und Kreisverwaltung, an denen die Dezernenten politisch denken und handeln: Die Beratung und Unterstützung des Landrats, die Zusammenarbeit mit dem Kreistag, die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren und die Interessenvertretung des Landkreises. Jede Schnittstelle stellt besondere Anforderungen an die Dezernenten. Grundlegend für die Arbeit an allen vier Schnittstellen sind aus dem Bereich der politischen Führung die Techniken Wissens- und Informationsmanagement sowie Verhandlungsführung und Kommunikationsfähigkeit.

8.1 Wissens- und Informationsmanagement

Die Grundlage für die Arbeit der Dezernenten ist ihre Fachkenntnis, ihr Expertenwissen in ihrem Bereich. Sie setzen es ein als Berater und Unterstützer des Landrats in seiner Funktion als politische Spitze des Landkreises und der Landkreisverwaltung. Sie wenden es ebenfalls an in der inhaltlichen Vorbereitung der kreispolitischen Themen, die im Kreistag und seinen Ausschüssen beraten und beschlossen werden. Dabei ist Wissens- und Informationsmanagement der zielgerichtete Umgang mit den ihnen zur Verfügung stehenden Informationen. Das heißt, die Dezernenten pflegen Netzwerke und Kontakte, um über offizielle und inoffizielle Kanäle relevante Informationen zu erhalten und zu streuen. Sie filtern und gewichten die Vielfalt der Themen, Probleme, Anfragen und Projekte aus ihrem Bereich. So geben sie eine nach ihren Kriterien selektierte und komprimierte Auswahl an den Landrat weiter als Grundlage für die kreispolitischen Entscheidungen und Initiativen. Sie haben damit auch Einfluss auf die Landkreispolitik.

Wissens- und Informationsmanagement bestimmt in diesem Sinne die ersten drei Phasen eines politischen Gestaltungsprozesses im Policy Cycle Modell, in denen die Dezernenten einen Schwerpunkt ihrer Arbeit an allen vier Schnittstellen zwischen Kreispolitik und Kreisverwaltung sehen. Bei der Problemdefinition und beim Agenda Setting werden Themen und Probleme durch die Dezernenten so gefiltert und verarbeitet, dass die Themen und Handlungsstrategien, die als relevant und mehrheitsfähig eingeschätzt werden, auf die Agenda des Kreistags kommen. Die dritte Phase, die Politikformulierung, führt dann die Ergebnisse des oben genannten Informationsverarbeitungsprozesses in einem konkreten Ergebnis zusammen. Dieses ist beispielsweise die ausformulierte Kreistagsvorlage mit konkretem Beschlussvorschlag, die auf den aus Sicht der Verwaltung relevanten Fakten und Argumenten basiert. Spielräume, und damit Einfluss der Verwaltung, sehen die Dezernenten auch bei der Politikumsetzung und Politikevaluierung. Die Spielräume werden allerdings von den Dezernenten unterschiedlich groß eingeschätzt und hängen auch von der Person des Landrats ab. Die Dezernenten sind an allen Phasen des Policy Cycle beteiligt, können also von seinem Beginn bis zu seinem Ende auf einen politischen Gestaltungsprozess einwirken.

 
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