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8.2 Verhandlungsführung und Kommunikationstechniken

Der Abstimmungs- und Entscheidungsprozess über kreispolitische Themen findet nicht nur in den Beratungen der Kreisgremien statt, sondern beginnt schon, bevor ein Thema auf die offizielle Tagesordnung gesetzt wird. Die ehrenamtlich tätigen Kreisräte benötigen die inhaltliche Vorbereitung der Themen durch die Verwaltung. Bei der Vorbereitung wiederum haben die Dezernenten nicht nur die fachliche Sinnhaftigkeit eines Projekts im Blick, sondern auch dessen Akzeptanz im politischen Gremium, das letztendlich über die Maßnahmen entscheidet.

Um diese Akzeptanz zu erreichen, sind sie im Vorfeld von Sitzungen auf vielfältige Weise aktiv, um die Themen zu vermitteln und Meinungsbildung zu betreiben, aber auch um das

„Terrain zu sondieren“, Widerstände zu erspüren und abzubauen oder den eigenen Vorschlag entsprechend anzupassen. Hier sind Kommunikationsfähigkeit und eine gute Verhandlungsführung der Dezernenten gefragt. Diese Abstimmung findet durch die Teilnahme der Dezernenten an Fraktionssitzungen oder Arbeitskreisen statt, häufig aber auch auf der Grundlage von persönlichen Kontakten in informellem Rahmen. Die Dezernenten sind in der Regel auch die ersten Ansprechpartner bei Verständnisfragen der Kreisräte, die sich bei der Verwaltung im Vorfeld von Sitzungen kundig machen, um entsprechend kompetent und vorbereitet in den Sitzungen zu erscheinen.

8.3 Dezernenten stehen für Kontinuität in der Landkreispolitik

Klare Mehrheitsentscheidungen im Kreistag stärken nicht nur die politische Position des Landrats. Wenn Projekte fraktionsübergreifend mit klaren Mehrheiten beschlossen werden, haben sie Bestand – auch über die Wahlperiode des beschließenden Kreistags hinaus. Dies bietet die Gewähr für eine konstante Landkreispolitik, die den Bürgern verlässliche Standards vorgibt. Auch die finanziellen Mittel können in der Regel im Rahmen von langfristigen Projekten optimaler eingesetzt werden. Inhaltlich gut vorbereitete Projekte und eine rechtzeitige Einbindung der Kreisräte ermöglichen sachliche und fundierte Beratungen in den Kreisgremien. Dies stärkt auch die Position der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker, die sich nicht selbst alle Themen systematisch erarbeiten können. Eine gute Vorbereitung durch die Dezernenten lässt die Kreisräte gut dastehen, da sie für sich in Anspruch nehmen können, sinnvolle Projekte mitgetragen und auf den Weg gebracht zu haben.

Während Landräte und Kreisräte regelmäßig gewählt werden und sich dadurch die politischen Konstellationen und Prioritäten ändern können, sind die Dezernenten als fachliche Experten und Laufbahnbeamten die Garanten für eine Kontinuität und Qualität in der Landkreispolitik. Dezernenten legitimieren sich nicht durch Wahlerfolg. Sie können daher auf die „Showelemente“ der politischen Führungsarbeit verzichten, die auf eine regelmäßige Wiederwahl abzielen. Sie legitimieren sich langfristig über eine klare, fachlich fundierte Linie der Landkreispolitik in ihrem Bereich und konsensfähige, in der Umsetzung erfolgreiche und auch von anderen Akteuren anerkannte Projekte. Die Argumente der Dezernenten für die Überzeugungsarbeit kommen aus der langfristigen fachlichen Perspektive. Sie müssen auch über eine Wahlperiode hinaus Bestand haben und in einem anderen politischen Umfeld gerechtfertigt sein. Für ihre Arbeit an der Schnittstelle zwischen Kreispolitik und Kreisverwaltung müssen sie ihre fachlichen Erwägungen mit den politischen Rationalitäten abgleichen, um ihre Projekte realisieren zu können.

Gerade angesichts der langfristigen Besetzung einer Dezernentenstelle ist es für die Personalauswahl in der Praxis wichtig, dass die Persönlichkeit, die Fähigkeiten und auch die Interessen des Bewerbers auf die Stelle passen. Die Ergebnisse dieser Arbeit geben also allen an der Personalauswahl Beteiligten, der Personalstelle, ebenso wie dem Landrat und dem Kreistag, Hinweise auf die Anforderungen an die Dezernentenstelle, die über das Fachwissen weit hinausgehen. Aufgrund der langfristigen Perspektive möchte diese Arbeit die Entscheidungsträger auch dafür sensibilisieren, bei der Stellenbesetzung nicht kurzfristig parteipolitisch zu Gunsten einer Fraktion zu entscheiden. Sie sollen den Bewerber aussuchen, der langfristig für eine fachliche hochwertige und konsensfähige kontinuierliche Sachpolitik steht und damit auch ein Gegengewicht zu politischen Opportunismus bilden kann. Für die wissenschaftlichen Überlegungen zu kommunalen Entscheidungsprozessen bietet diese Arbeit Einblicke, wie diese Entscheidungsprozesse auf der Ebene der Landkreise ablaufen und welche Rolle die Verwaltung dabei spielt. Diese Arbeit macht nachvollziehbar, mit welchen Instrumenten und Techniken aus der politischen Führung die Führungskräfte aus der Verwaltung die Kreisthemen vorbereiten und politische Gestaltungsprozesse steuern.

 
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