Wie wichtig ist heutzutage Erholung von der Arbeit?

In der heutigen Arbeitswelt sind flexible Arbeitszeiten oft an der Tagesordnung. Viele Beschäftigte in hochqualifizierten Berufen arbeiten inzwischen in der sogenannten Vertrauensarbeitszeit, d. h., sie bestimmen selbst darüber, wann und wie lange sie arbeiten. Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien wie E-Mails, die auch über Smartphones ausgetauscht werden können, Virtual Private Network (VPN) – Verbindungen, die einen Zugriff auf den betrieblichen Server rund um die Uhr ermöglichen, und Formen der Telearbeit, die das Arbeiten zuhause, auf Dienstreisen oder auch im Urlaub ermöglichen, verlangen von den Beschäftigten heutzutage sehr viel höhere Anforderungen an Selbstmanagement und die Wahrung der Balance zwischen Arbeit und Freizeit ab. Solche Arbeitsformen bieten einerseits Chancen für ein selbstbestimmtes Arbeiten. Sie bergen andererseits aber auch große Gefahren der Entgrenzung, der Selbstausbeutung mit nachfolgenden Folgen für die Gesundheit.

Nach einer Repräsentativumfrage (DGB-Index Gute Arbeit GmbH 2011) zum Thema „Arbeitshetze, Arbeitsintensivierung und Entgrenzung“ wird von knapp 30 % der Erwerbstätigen sehr häufig oder oft erwartet, auch außerhalb der normalen Arbeitszeit per E-Mail oder Telefon für ihren Betrieb erreichbar zu sein. Männer sind mit 30 % etwas häufiger betroffen als Frauen mit 25 %, Vollzeitkräfte mehr als Teilzeitkräfte (28 % versus 21 %), Beschäftigte, die mit vielen Kunden arbeiten häufiger als Beschäftigte mit wenig Kundenkontakt (32 % versus 16 %). Führungskräfte sind mit 40 % deutlich öfter betroffen als Erwerbstätige in nichtleitender Position (23 %). Von denen, die sehr häufig oder oft auch außerhalb der normalen Arbeitszeit erreichbar sein müssen, fühlen sich 60 % in ihrer Arbeit gehetzt. Ein Drittel aller Beschäftigten gab in dieser Repräsentativbefragung an, nach der Arbeit nur schwer abschalten zu können.

Überlange Arbeitszeiten sind nach internationalen Reviews ursächlich für Beeinträchtigungen der Erholungsfähigkeit und der psychischen Gesundheit (vor allem Depressionen) von Mitarbeitern verantwortlich (z. B. Härmä 2006). Sie tragen zudem zu Arbeit-Familie-Konflikten bei, die ihrerseits Gesundheitsprobleme nach sich ziehen bzw. verstärken können (z. B. Smith Major et al. 2002). In Längsschnittstudien wurde der vermittelnde Zusammenhang zwischen (sozialem) Arbeitsstress, Irritation und depressiven Symptomen belegt (Dormann und Zapf 2002). Irritation kommt demnach eine wichtige Rolle als Frühwarnindikator im Hinblick auf psychische Erkrankungen bzw. Fehlentwicklungen zu. Fritz und Sonnentag (2005) haben in ihrer längsschnittlichen Kurzzeitstudie über mehrere Tage belegt, dass unzureichende Erholung am Wochenende nicht nur beeinträchtigtes Wohlbefinden und Burn-out, sondern auch Leistungseinbußen in der Arbeit zu Beginn der folgenden Woche vorhersagen.

 
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