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2.2 Exportpreiskalkulation und Angebotserstellung

Den größten Unterschied zwischen der Preiskalkulation bei Lieferungen innerhalb eines Landes und jener im grenzüberschreitenden Geschäft machen die Sonderkosten des Auslandsvertriebs aus, die in folgende fünf Kategorien eingeteilt werden können (WKO 2012):

1. Verpackungskosten: Eine sichere und platzsparende Verpackung ist vor allem bei weiten Transportstrecken unerlässlich. Insbesondere beim Transport auf dem Seeweg ist auf eine wasserabweisende Verpackung zu achten. Im Schiffsverkehr ist auch mit längeren Stehzeiten der Ware zu rechnen, für welche diese ausreichend geschützt sein sollte.

2. Transportkosten beinhalten die physische Beförderung inklusive sämtlicher Nebenkosten wie Hafenumschlagsgebühren oder Spediteursprovisionen.

3. Versicherungskosten inkludieren unter anderem Transport- und Kreditversicherungen, Garantien gegen politische und wirtschaftliche Risiken oder auch Kurssicherungskosten bei der Verwendung unterschiedlicher Währungen.

4. Kosten der Kontraktabwicklung sind beispielsweise Beglaubigungen, die Kosten der Ein- und Ausfuhrabwicklung (inklusive sämtlicher Dokumente) sowie Provisionen für Handelsmittler.

5. Kosten der Zahlungsabwicklung beinhalten zum Beispiel Überweisungsspesen oder auch Exportkreditzinsen.

Die Sonderkosten des Auslandsvertriebs können auf Angeboten separat ausgewiesen werden, da diese in vielen Fällen nicht unmittelbar vom Exporteur beeinflusst werden können.

In der Übersicht „Musterkalkulation von Exportaufträgen“ wird ein Kalkulationsschema vorgestellt, das verschiedene Lieferbedingungen berücksichtigt. Je nach vereinbarten Incoterms (welche den Kosten- und Risikoübergang beim Transport regeln) sind dabei unterschiedliche Sonderkosten des Auslandsvertriebs zu berücksichtigen.

Musterkalkulation von Exportaufträgen

(Markterschließungskosten)

+ Materialkosten (variabel)

+ Fertigungskosten (variabel)

+ Sonderkosten der Fertigung (variabel)

= Herstellungskosten (bei Eigenfertigung) bzw. Einstandspreis (bei Zukauf)

+ Gemeinkosten (fix)

+ Verwaltungsgemeinkosten (fix)

+ Vertriebsgemeinkosten (fix)

= Vorläufige Selbstkosten

+ Finanzierungskosten (Überweisungsspesen, Garantieprämien, Kreditzinsen, Kurssicherungskosten, Skonti, Rabatte etc.)

+ Gewinnzuschlag

= Preis „Ab Werk“ (EXW)

+ Dokumentenkosten (Ursprungszeugnis, Zertifikate etc.)

+ Transportversicherung bis zum Frachtführer

+ Frachtkosten bis zum Frachtführer

+ Verladekosten

= Preis „Frei Frachtführer“ (FCA)

+ Frachtkosten bis Bestimmungsort

= Preis „Frachtfrei benannter Bestimmungsort“ (CPT)

+ Transportversicherung bis Bestimmungsort

= Preis „Frachtfrei versichert“ (CIP)

+ Frachtkosten bis Bestimmungsort

+ Risikoaufschlag

= Preis „Geliefert benannter Ort“ (DAP)

+ Entladungskosten am Bestimmungsort

= Preis „Geliefert Terminal“ (DAT)

+ Erwerbssteuer (= USt)

+ Verbrauchssteuern

= Preis „Geliefert verzollt“ (DDP)

Bei Schiffstransporten innerhalb des Gemeinschaftsgebietes ist obenstehende Kalkulation bis zum Preis „Frei Frachtführer“ gleich anzuwenden. Danach wird folgendes Berechnungsschema verwendet:

Übertrag Preis „Frei Frachtführer“ (FCA)

+ Frachtkosten bis Verschiffungshafen

+ Lagerkosten

= Preis „Frei Längsseite Schiff“ (FAS)

+ Hafenkosten im Verschiffungshafen

= Preis „Frei an Bord“ (FOB)

+ Konnossementskosten

+ Seefrachtkosten bis Bestimmungshafen

= Preis „Kosten und Fracht“ (CFR)

+ Transportversicherung für den Seeweg

= Preis „Kosten, Versicherung und Fracht“ (CIF)

+ Hafenkosten im Zielhafen

= Preis „Geliefert Terminal“ (DAT)

+ Erwerbssteuer (= USt)

+ Verbrauchssteuern

= Preis „Geliefert verzollt“ (DDP)

(Quelle: adaptiert übernommen aus WKO 2012. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Aussenwirtschaft Austria der Wirtschaftskammer Österreich, go-international.at)

Der kalkulierte Exportpreis stellt die Basis für das Exportangebot dar, welches zusätzlich auch noch detaillierte Informationen zum Produkt sowie die Zahlungs- und Lieferbedingungen enthält. Sofern nichts anderes vereinbart wurde, ist der Exporteur bei mündlichen Angeboten in der Regel nur bis zum Ende des Gesprächs an sein Offert gebunden. Bei schriftlichen Angeboten sind die Dauer des Postweges sowie eine angemessene Überlegungsfrist zu berücksichtigen (WKO 2012).

 
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