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3. Ausfuhr in Drittländer

Aus der Sicht von EU-Mitgliedsstaaten spricht man von einer Ausfuhr in Drittländer bzw. von Export, wenn die Lieferung in ein Land außerhalb des Gemeinschaftsgebietes erfolgt. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass die EU nicht nur eine Freihandelszone ist, sondern auch eine Zollunion. Gleichzeitig mit der Abschaffung der Zölle innerhalb der EU wurden einheitliche Zolltarife für alle Mitgliedsstaaten gegenüber Nicht-EU-Mitgliedsstaaten festgelegt. Mit der vollständigen Errichtung des Binnenmarktes am 1. Januar 1993 haben sämtliche Mitgliedsstaaten die Kompetenz der Außenhandelspolitik an die EU abgegeben. Somit darf nur die EU Rechtsvorschriften in diesem Zusammenhang erlassen und internationale Handelsabkommen schließen.

Der erste Schritt im Prozess der Ausfuhr in Drittländer, der in Abb. 3.1 im Überblick dargestellt wird, ist die Überprüfung der Einfuhrbestimmungen im Zielland. Bevor Unternehmen Aufträge von Kunden im Ausland annehmen, ist es wichtig, sicherzustellen, a) dass man die jeweiligen Vorschriften auch erfüllen kann (Schütt 2011), bzw. b) dass es keine Einfuhrbeschränkungen gibt (z. B. Embargos oder bereits erfüllte Importquoten). Bei Unklarheiten ist es ratsam, die entsprechenden deutschen Außenhandelskammern, Außenhandelsstellen der Wirtschaftskammer Österreich oder die Swiss Business Hubs zu kontaktieren. Es wird allgemein empfohlen, die Lieferbedingungen in einer Form zu vereinbaren, bei welcher der Kunde für die Einfuhr im Bestimmungsland verantwortlich ist (Schütt 2011).

Wie bereits für den Prozess der innergemeinschaftlichen Lieferung beschrieben, folgen auch bei Lieferungen in Drittstaaten als nächste Schritte die Kalkulation des Exportpreises sowie die Erstellung eines Exportangebotes an den potenziellen Kunden. Bei der Ausfuhr in Drittländer werden bei Verwendung des Incoterm

„Frei Frachtführer“ (FCA) auch die Kosten der Ausfuhrabfertigung einberechnet. Vereinbaren Verkäufer und Käufer die Lieferung zum Preis „Geliefert verzollt“ (DDP), so erweitert sich die Berechnung bei Drittlandslieferungen gegenüber

Abb. 3.1 Prozess der Ausfuhr in Drittländer. (Quelle: Autoren)

der Kalkulation bei der innergemeinschaftlichen Lieferung um die Kosten des Einfuhrzolls sowie die Einfuhrumsatzsteuer im Bestimmungsland, die anstelle der Erwerbssteuer verrechnet wird.

Sind sich Exporteur und Importeur über den Preis sowie die Liefer- und Zahlungskonditionen einig, wird ein Vertragsentwurf erstellt (siehe Abschn. 2.3). Ein Kernelement des Exportprozesses in Drittländer ist das Ausfuhrverfahren, welches auch bei einer vorübergehenden Ausfuhr anzuwenden ist. Außerdem sind der Zolltarif und die Zollhöhe zu bestimmen sowie der Ursprung der Ware zu berücksichtigen. Darüber hinaus sind die richtige Anwendung der Umsatzsteuer und die Verbrauchssteuer zu beachten. Im Folgenden werden die einzelnen für die Ausfuhr in Drittländer wesentlichen Schritte des Exportprozesses näher beschrieben, gefolgt von einem Überblick über die wichtigsten Exportdokumente.

 
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