< Zurück   INHALT   Weiter >

3.3 Ursprung der Ware

Der Warenursprung (die „Nationalität“ der Ware) ist einerseits wichtig, um Einfuhrbeschränkungen zu identifizieren, und andererseits, um die Höhe der Einfuhrzölle zu bestimmen (Büter 2010). Man unterscheidet dabei nicht-präferenziellen und präferenziellen Ursprung.

Der Nachweis eines nicht-präferenziellen Ursprungs (engl. non-preferential origin) dient im Bestimmungsland vor allem der Steuerung von Handelsströmen durch die Umsetzung handelspolitische Maßnahmen wie etwa Einfuhrbeschränkungen für Waren aus bestimmten Ländern (Andrée et al. 2010; Büter 2010). Ursprungsland der Ware ist jenes, in dem die Ware vollständig hergestellt oder ausreichend beoder verarbeitet wurde. Um den EU-Ursprung zu erhalten, müssen die Ursprungsregeln des Zollkodex der EU eingehalten werden. Der nicht-präferenzielle Ursprung wird von der Industrie- und Handelskammer bzw. der Wirtschaftskammer durch das dem Exporteur ausgestellte Ursprungszeugnis (engl. certificate of origin) nachgewiesen. Das Ursprungszeugnis bescheinigt unter anderem die Beschaffenheit, die Menge, den Wert sowie auch den Herstellungsort der Ware. Es wird häufig auch als Nachweis in Akkreditiven verwendet.

Der präferenzielle Ursprung (engl. preferential origin) ist Voraussetzung für die Reduktion (Zollbegünstigung) oder Erlassung (Zollbefreiung) von Einfuhrabgaben im Bestimmungsland (Büter 2010; Schlick 2011; Stöger 2008). Ob eine Zollpräferenz gewährt wird, hängt einerseits davon ab, ob für den Handel mit bestimmten Waren mit dem jeweiligen Land ein Präferenzbzw. Freihandelsabkommen besteht, andererseits von einer ausreichenden Beoder Verarbeitung im potentiellen Ursprungsland. Die sogenannten Listen bzw. Ursprungsregeln im Anhang jedes Abkommens definieren, wann der Tatbestand der ausreichenden Beoder Verarbeitung erfüllt ist. Der präferenzielle Ursprungsnachweis erfolgt im Europäischen Präferenzraum durch eine förmliche Ursprungserklärung auf der Rechnung (in der Regel bis zu einem Warenwert von € 6.000,– – die genaue Wertgrenze ist in dem jeweiligen Abkommen definiert) oder durch die Warenverkehrsbescheinigung EUR. 1. Das EUR. 1-Formular beinhaltet drei Blätter, wovon das erste die Zollbehörde im Bestimmungsland erhält, das zweite (Antrag) bleibt bei der für den Ausführer verantwortlichen Zollstelle, das dritte bekommt der Exporteur. Voraussetzung für die Ausstellung einer Warenverkehrsbescheinigung EUR. 1 durch die Zollbehörde ist jedoch, dass der Unternehmer dokumentiert (z. B. durch Rechnungen oder eine Lieferantenerklärung für Waren mit Präferenzeigenschaft), welche Vormaterialien bei der Herstellung verwendet wurden. Die Ursprungserklärung auf der Rechnung kann vom Unternehmen selbst ausgestellt werden. Liefert ein Unternehmen regelmäßig Waren über der Wertgrenze in ein Präferenzgebiet und kann es den präferenziellen Warenursprung garantieren, gibt es die Möglichkeit, dass die Zollbehörde auf Antrag einen „ermächtigten Ausführer“ (engl. approved exporter) im Unternehmen bewilligt (Hartweg et al. 2012; Stöger 2008). Dieser darf dann Ursprungserklärungen auf Rechnungen über der festgelegten Wertgrenze abgeben und ist für deren Richtigkeit verantwortlich.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >