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1.1 Problemstellung

Die Technische Analyse hat im Zuge der rasanten Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung in den letzten dreißig Jahren im Umfeld der Trader und Spekulanten große Popularität erlangt und ist aus dem Trading-Alltag nicht mehr wegzudenken [1]. Wurde sich am Anfang noch einfacher graphischer Hilfsmittel bedient, kamen schnell Technische Indikatoren auf, die auf Grund ihrer Rechenintensivität eine geeignete Datenverarbeitungsinfrastruktur voraussetzten. Moderne, professionelle Spekulation bedient sich komplexer Markttechnischer Handelssysteme, die aufwendig implementiert sind und nach Eingabe gewünschter Parameter vollkommen automatisch am Markt agieren können. Obgleich diverse Broker auf ihren Internetplattformen eine große Auswahl an solchen Systemen bereithalten, die durch ihre übersichtliche graphische Benutzeroberfläche einfache Verständlichkeit suggerieren, sind sich insbesondere Neueinsteiger nicht bewusst, mit welchen Tools sie eigentlich arbeiten, beziehungsweise welche Funktionalität sich dahinter verbirgt. Zweitens hat auch die Wissenschaft der Thematik der Markttechnischen Analyse bisher wenig Beachtung geschenkt, von einigen empirischen Untersuchungen im angelsächsischen Raum einmal abgesehen – verwiesen sei hier vor allem auf die jüngsten Publikationen von Bruce Mizrach [2]– die allerdings in ihrer Quantität dem enorm hohen Verbreitungsgrad in keinem Verhältnis gerecht werden. Gemäß aktuell recherchierter Kenntnislage des Autors gibt es keine einzige wissenschaftliche Untersuchung im deutschen Sprachraum, die sich ausschließlich dem Gegenstand der Markttechnischen Handelssysteme in Anwendung auf den immer populärer und deswegen wichtiger werdenden Devisenmarkt widmet und eine Antwort auf die Frage zu finden versucht, was derlei Systeme überhaupt zu leisten im Stande sind, beziehungsweise ob sie überhaupt funktionieren.

1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit

In Anknüpfung an die Ausführungen zur Problemstellung befasst sich die vorliegende Arbeit mit der Fragestellung, ob Markttechnische Handelssysteme den in sie gesetzten Erwartungen als Instrumente der Spekulation am Devisenmarkt überhaupt gerecht werden. Zu diesem Zweck werden repräsentative, im weiteren Fortgang der Untersuchung näher zu bestimmende Markttechnische Handelssysteme in Simulationen auf ihre Signalgabe hin getestet. Im Resümee soll festgestellt werden, ob die Systeme überhaupt in Anwendung auf die verwendeten Wechselkurse funktionierten, welche Netto-Rendite sie letztlich erbracht haben, welche Auffälligkeiten im Trading-Verhalten zu verzeichnen gewesen sind und in welchem Verhältnis die Erträge zum jeweils eingegangenen Risiko stehen. Schließlich sollen Schlussfolgerungen für die praktische Verwendung der getesteten Markttechnischen Handelssysteme abgeleitet werden.

Wie der Begriff des 'Handelssystems' definiert ist, welche verschiedenen Typen von Handelssystemen es gibt und wie genau sich die Markttechnischen Handelssysteme in das grundlegende Gefüge einordnen, wird im Kapitel 2 abgehandelt. Ebenso werden dort die Unterarten der Markttechnischen Handelssysteme diskutiert, aus welchen schließlich jeweils repräsentative Vertreter für eine empirische Untersuchung ausgewählt und en detail vorgestellt werden.

In Kapitel 3 werden geeignete Instrumente zur Quantifizierung des Anlageerfolgs der Markttechnischen Handelssysteme unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos präsentiert. Genau genommen handelt es sich wiederum um repräsentative statistische Kennzahlen, welche dazu bestimmt sind, das aus ihnen ableitbare finanzwirtschaftliche Risikomaß numerisch darzustellen. Ebenso beinhaltet das Kapitel eine kurze methodische Abhandlung zu einem statistischen Hypothesentest, mit welchem die 'Güte' der Signalgabe – und somit die Signifikanz der empirischen Renditen – in einem definierten Testintervall untersucht werden soll.

Die eigentliche empirische Untersuchung der Markttechnischen Handelssysteme mittels Simulationen ist dem vierten Kapitel vorbehalten. Hierfür werden zuerst dezidiert die Testprämissen definiert und die Testmethodik anhand eines Komplexbeispiels demonstriert. Hernach werden nach dargelegtem Muster die [kumulierten] Ergebnisse der Handelssysteme für jedes Testintervall ermittelt und anschließend ausgewertet. Schließlich sollen die gewonnenen Erkenntnisse einer Interpretation unterzogen werden, woraus schließlich ein Fazit abzuleiten ist. Der akademischen Vollständigkeit halber sind die definierten Testprämissen einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Das Werk endet mit einem Ausblick, in welchem sich abzeichnende zukünftige Entwicklungen der Thematik skizziert werden.

Lesehinweis:

Im nachfolgenden Verlauf des Buches werden die Begriffe „Markttechnisches Handelssystem“, „Technische Analyse“ und „Technischer Indikator“ bewusst groß geschrieben, weil es sich hierbei um eigenständige Begriffe handelt, deren Orthographie sich in der Literatur weitgehend durchgesetzt hat.

  • [1] Vgl. Finanz-Lexikon online, URL: finanz-lexikon.de/analyse,%20technische_15 25.html, Stand: 08.04.2011.
  • [2] Vgl. Auflistung der Publikationen von Bruce Mizrach, URL: snde.rutgers.edu/resear ch.html, Stand: 08.04.2011.
 
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