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5.3 Auswertung: Qualitative Inhaltsanalyse

5.3.1 Reduzierende qualitative Inhaltsanalyse

Bei der qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich um eine Auswertungsmethode empirischer Sozialforschung, die nach Mayring (2010) im Kontext der sozialwissenschaftlichen Textanalyse neben hermeneutischen und diskursanalytischen Ansätzen zu verorten ist. Historisch betrachtet steht die Inhaltsanalyse (content analysis) in der Tradition der Kommunikationswissenschaften, wobei sich bei den modernen inhaltsanalytischen Ansätzen sowohl verschiedene quantitative als auch qualitative Ansätze unterscheiden lassen. Mithilfe der Inhaltsanalyse werden primär Texte bzw. in Texte umgewandelte Medien analysiert, weshalb sich die Inhaltsanalyse als „kategoriegeleitete Textanalyse“ bezeichnen lässt (vgl. ebd., S. 13).

In der vorliegenden Studie wird die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) als Auswertungsmethode angewendet. Diese hat zum Ziel, Kommunikationsprozesse systematisch, regelund theoriegeleitet zu analysieren (vgl. ebd., S. 13). Theoriegleitet bedeutet, dass die untersuchte verschriftlichte Kommunikation vor einem spezifischen Theoriehintergrund und einer expliziten Fragestellung analysiert und interpretiert wird. Die Auswertung, Analyse und Interpretation ist somit immer im Kontext einer spezifischen Theorie und Fragestellung zu sehen und knüpft auch an den Entstehungshorizont des Materials und den Erfahrungshorizont der Analysierenden an bzw. bezieht diese in die Auswertung des Materials ein. Historisch lässt sich dies auch durch die Entwicklung der Methode aus den Kommunikationswissenschaften erklären (vgl. ebd.). Charakteristisch für die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse ist, dass regelgeleitet und systematisch vorgegangen wird. Dies unterscheidet sie von anderen qualitativen Auswertungsmethoden. Die qualitative Inhaltsanalyse wird deshalb an der Schnittstelle von qualitativen und quantitativen Ansätzen verortet (ebd., S. 8). Dies verschafft ihr eine besondere Stellung innerhalb der sozialwissenschaftlichen Methoden und bei der Integration qualitativer und quantitativer Forschung in mixed methods-Ansätzen.

Mayring schränkt die Eignung der Inhaltsanalyse für „stärker explorative Untersuchungen“ (Mayring 2010, S. 124) ein. Jedoch ist das vorliegende Forschungsvorhaben vor allem aus fachspezifischer Sicht für die ökonomische Bildung als explorativ zu bezeichnen. Wie in Kapitel 4 dargestellt wurde, liegen aus der Lehrervorstellungsforschung anknüpfbare Forschungsergebnisse vor, beispielsweise zur Systematisierung von Lehrervorstellungen. Das systematische Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse ermöglicht es, die Ergebnisse der Analyse zu überprüfen und nachzuvollziehen, sie infrage zu stellen und zu diskutieren. Auch wenn die Inhaltsanalyse qualitativ und damit zu einem gewissen Grad subjektiv ist, stellt die theorieund regelgeleitete Analyse einen entscheidenden Unterschied zu anderen Auswertungsmethoden dar.

Das Codieren als Haupttätigkeit der qualitativen Inhaltsanalyse ist nach Kuckartz (2010, S. 201) bildlich mit dem „Aufräumen von Zimmern“ zu vergleichen – eine Tätigkeit, die bei einem umfangreichen Textkorpus viel (Forschungs-)Zeit erfordert. Es erfolgt nach vorher festgelegten Regeln, ist jedoch dennoch als eine „Interpretationsleistung“ zu beschreiben (ebd., S. 58). Diese Art der Analyse erfordert vor allem ein rekursives Textstudium (vgl. Kuckartz 2010, S. 63).

Ein zentrales Ziel der Analyse ist das durch die theorieund regelgeleitete Zergliederung des Textes und die Zuweisung von Kategorien (codes) entstehende Kategoriensystem (vgl. Mayring 2010, S. 29). Als Kategorien werden in der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring die konzentrierten Analyseergebnisse verstanden, die gleichzeitig Instrument und Ergebnis der Analyse sind (vgl. Mayring/Brunner 2010, S. 325). Das Codieren der Daten stellt jedoch nicht das Ergebnis, sondern eine bedeutsame Phase der Analyse auf dem Weg zur Interpretation und den Forschungsergebnissen dar (vgl. MAXQDA Handbuch 2011, S. 187). Das entstehende Kategoriensystem ermöglicht es, die Ergebnisse der Analyse zu überprüfen und zu diskutieren (vgl. Mayring 2010, S. 59).

In der vorliegenden Studie erfolgte die Auswertung mithilfe einer induktiven Kategorienbildung als einer Form der reduzierenden Inhaltsanalyse. Nach der von Mayring im Rahmen des 12. Workshops zur Qualitativen Inhaltsanalayse (2013) vorgestellten Systematisierung der Techniken qualitativer Inhaltsanalyse ist die induktive Kategorienbildung neben der Zusammenfassung eine der zwei Formen der reduzierenden Inhaltsanalyse. Im Vergleich zu der von Mayring (2010) aufgestellten Systematik der Techniken qualitativer Inhaltsanalyse stehen Zusammenfassung und induktive Kategorienbildung nun gleichberechtigt als Unterformen der reduzierenden Inhaltsanalyse nebeneinander und die induktive Kategorienbildung ist der Zusammenfassung nicht mehr untergeordnet, sondern wird als eigenständige Technik aufgewertet. Im Gegensatz zur Zusammenfassung werden bei der induktiven Kategorienbildung nicht alle bedeutungstragenden Textstellen zusammenfassend kategorisiert, sondern es wird eine theoriebzw. fragestellungsgeleitete Kategoriendefinition vorgenommen. Dies bedeutet, dass vorab auf Basis des bestehenden Kenntnisstandes die sogenannten „Selektionskriterien“ formuliert werden, deren Ausprägungen dann induktiv aus dem Material gebildet werden. Im Sinne der induktiven Kategorienbildung wird deshalb das Abstraktionsniveau der Analyse im Hinblick auf die Fragestellung vorab bestimmt. Die induktive Kategorienbildung kann deshalb ebenfalls als eine durch das vorab bestimmte Selektionskriterium geleitete Zusammenfassung beschrieben werden.

 
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