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2 Grundlagen zu Handelssystemen

2.1 Definition und Klassifikation

Unter einem Handelssystem versteht man eine beliebige Anzahl festgelegter Bedingungen und Anweisungen, die zur Ausführung von Orders im Handel von Wertpapieren und Indizes führen [1] Grundsätzlich können Handelssysteme in manuelle und mechanische Systeme unterteilt werden. Während die manuellen Handelssysteme in der Regel nur wenige Restriktionen besitzen und daher praktisch von Hand ausgeführt werden können, zeichnen sich mechanische Systeme dadurch aus, dass ihnen in der Regel komplizierte und hochkomplexe Algorithmen zugrunde liegen, die ausschließlich von leistungsstarken Rechnersystemen bewältigt werden können [2]. Nicht selten sind solche Systeme in der Lage, bei entsprechendem Input an Informationen vollautomatisiert zu handeln, wodurch sämtliche Fehlerpotentiale menschlicher Trader eliminiert werden und eine Überwachung des Marktgeschehens mit selbstständiger Auslösung entsprechender Handelsorders rund um die Uhr möglich ist.

Eine Klassifikation von Handelssystemen gestaltet sich insofern schwierig, als dass bei einer strengen Auslegung obiger Definition schon völlig willkürlich gesetzte subjektive Bedingungen bei konsequenter Einhaltung ein Handelssystem darstellen, unabhängig davon, ob die Restriktionen für ein ertragreiches Handeln sinnvoll sind oder nicht. Davon aber einmal abgesehen, können sich Handelssysteme sowohl auf Daten der Fundamentalanalyse, der Quantitativen Analyse, als auch der Technischen Analyse stützen, oder auf alle Grade an Mischungen der drei Analysen [3]. Eine vierte Gruppe stellen die Arbitrage-Systeme dar. Die nun folgende Abbildung gibt die verschiedenen Handelssystemtypen im Überblick wieder und greift dabei schon auf kommende Ausführungen vor. Im weiteren Fortgang sollen genannte Systeme ihrem Wesen nach kurz skizziert werden.

Abbildung 1: Handelssysteme im Überblick [eigene Darstellung]

2.1.1 Fundamentalanalytische Handelssysteme

Systeme auf Basis fundamentaler Daten bewerten den jeweiligen Untersuchungsgegenstand anhand von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, sowie mikro- und makroökonomischer Faktoren [4]. Das letztendliche Ziel ist die Ermittlung des inneren Wertes eines Wertpapieres oder Indizes, in der Regel unter Anwendung der Barwertmethode. Ist ein plausibler innerer Wert errechnet, wird er mit dem Kurs des Wertpapieres/Indizes verglichen. Liegt der innere Wert deutlich über dem Kurs, ist von seiner Erholung auszugehen, weswegen das Wertpapier/der Index gekauft wird. Handelssysteme auf Fundamentaldatenbasis haben den Vorteil, dass sie durch Nutzung unterschiedlicher Informationsquellen und Bewertungsmodelle einen vergleichsweise realistischen Wert des Untersuchungsgegenstandes ermitteln, frei von jeglichen Verzerrungen, die aus spekulativen Kursbewegungen hervorgegangen sein können. Ihr Nachteil besteht darin, dass allein die Erhebung der notwendigen Daten sehr aufwändig ist, und selten vom System selbst erledigt wird. Hier ist der Faktor Mensch als Zubringer [noch] unerlässlich. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass eben diese Daten nicht der Realität entsprechen müssen, beziehungsweise auch unvollständig sein können, was dem theoretischen Informationsgleichstand eines effizienten Kapitalmarktes widerspricht. Die Quantität prüfbarer Titel ist aufgrund des hohen Rechercheaufwands eher gering und muss für jede Analyse von Grund auf wiederholt werden. Schließlich beinhalten die Daten auch einen großen Interpretationsspielraum, weswegen Fundamentalanalysten zum einen über ein sehr spezifisches Fachwissen, zum anderen über viel Erfahrung in der jeweiligen Branche verfügen müssen. Handelssysteme auf Basis fundamentaler Daten eignen sich daher eher für personalreiche Organisationen mit entsprechenden Ressourcen an benötigtem Know-how, wie beispielsweise Banken, Versicherungen und Brokerhäusern. Ihre Ergebnisse können für sich separat verwendet werden, als auch in Kombination mit Systemen der Quantitativen und Technischen Analyse.

  • [1] Vgl. Schwager, Jack D.: Technische Analyse, München, 2005, Seite 644.
  • [2] Vgl. Börsenlexikon online, URL: charttec.de/html/info_handelssysteme.php; Stand: 24.09.2010.
  • [3] Vgl. Montassér, Reza D.: Technische Analyse verstehen, München, 2000, Seite 16 ff.
  • [4] Vgl. Gabler: Wirtschaftslexikon, Band 3, 16. Auflage, Wiesbaden, 2005, Seite 1.126.
 
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