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2.3.2 Zum Wesen mechanischer Handelssysteme

Zu Beginn der Ausführungen wurde eine Definition zu Handelssystemen gegeben, in welcher fast beiläufig auf die grundsätzliche Unterscheidung zwischen manuellen und mechanischen Systemen hingewiesen wurde. Ebenso wurde im Gliederungspunkt 2.1.5. im Kontext des methodischen Gefüges der Handelssystemarten auf diese Unterscheidung anhand des Komplexitätsgrades eingegangen. Für den weiteren Fortgang der Untersuchung scheint es aber geboten, insbesondere das Wesen der mechanischen Handelssysteme näher zu skizzieren. Dahinter steht die Intention, auf die wesentlichen Attribute der Automatisierung des Tradings hinzudeuten, verbunden mit einer Wertung, weswegen der mechanische gegenüber dem manuellen Ansatz der überlegene ist.

2.3.2.1 Manuelle versus mechanische Handelssysteme

Manuelle Handelssysteme zeichnen sich dadurch aus, dass sie entweder auf der Grundlage weniger Bedingungen oder infolge von subjektiven Entscheidungen des Traders zu einer Order führen und daher praktisch von Hand – deshalb auch die Bezeichnung – ausgeführt werden können[1]. Händler, die nach diesem Schema arbeiten, werden diskretionäre Händler genannt, und verlassen sich vornehmlich auf ihre Erfahrung, ihre Intuition sowie auf ihr Urteilsvermögen in Bezug auf eine gegebene Marktlage. Die Vorteile eines solchen Ansatzes liegen in der nicht gegebenen und daher auch nicht zu beachtenden Komplexität sowie in der hohen Flexibilität. Der Trader kann jederzeit eine Position eingehen und auch wieder lösen, ohne dass fundamentale Daten oder technisch-analytische Instrumente ihm widersprechen. Der entscheidende Schwachpunkt eines solchen Systems ist nicht etwa das System per se, sondern die Psychologie des Traders. Nicht selten werden zu viele Positionen eingegangen, mit zu vielen Kontrakten agiert oder der Spekulant verlässt gut gelaufene Positionen zu früh, um Gewinne zu sichern, oder verharrt zu lange in einer [offensichtlichen] Verlustposition, weil er noch immer den erwarteten Trendwechsel herbeisehnt. Zudem sind ex post die Entscheidungen nur schwer nachvollziehbar, weil in der Regel die Dokumentation der einzelnen Schritte insbesondere von ungeübten Tradern infolge der Konzentration auf das Handelsgeschehen vernachlässigt wird[2]. Exakt diese charakteristische Schwäche manueller Handelssysteme, nämlich die Emotion des Traders, ist mechanischen Handelssystemen vollkommen fremd. Überdies senkt sich auch infolge des fehlenden Entscheidungsdrucks der Stress des Traders, die Selbstdisziplin bei der Befolgung seines Systems permanent aufrechtzuerhalten. Dies sei als erster Vorteil mechanischer Handelssysteme angeführt. So lapidar diese Kenntnis auf den ersten Blick erscheinen mag, aber das Eliminieren sämtlicher Fehlerquellen auf Grund irrationalen Agierens durch den Trader kann nicht hoch genug bewertet werden und schlägt sich langfristig in jeder Performance positiv nieder[3]. Ein sich daran anschließender Vorteil ist das Sicherstellen eines konstanten Handelsansatzes, was meint, dass sämtliche Handelssignale auch wirklich in eine Order münden. Dies soll am folgenden Beispiel verdeutlicht werden: Eine Internetplattform für mechanische Handelssysteme am FOREX, die nachweislich über lange Frist eine positive Performance vorweisen kann, veröffentlicht täglich eine Empfehlung, mit welcher Order der Spekulant am Markt partizipieren soll[4]. Trotz der beachtenswerten Ergebnisse dieser Seite ist es eher unwahrscheinlich, dass alle CommunityMitglieder, welche sich der Empfehlungen annehmen, langfristig Gewinne erwirtschaften, denn einige Trader suchen sich – aus welchen Gründen auch immer – nur bestimmte Orders heraus, wobei sie unvermeidbar einige der erfolgreichsten Trades auslassen. Umgekehrt werden einige Spekulanten ihr Engagement einstellen, sobald sie eine längere Verlustphase am Stück hinter sich brachten und das insgesamt gute Ergebnis der Plattform folglich in Frage stellen, welches wiederum Trader aufweisen können, die permanent den Anweisungen der Seite gefolgt sind und dabei sowohl die besten Signale als auch die langen Verlustphasen mitnahmen. Das Fazit dieses Beispiels soll sein, dass eine erprobte Handelsstrategie an sich nicht ausreichend ist, sondern es bedarf auch einer erforderlichen Konsistenz in der Umsetzung derselben. Da mechanische Handelssysteme ohne jeglichen Einfluss von subjektiver Wertung und Abwägung einen konsistenten Handel über alle Marktphasen hinweg sicherstellen, sind sie in diesem wesentlichen Aspekt den manuellen Handelssystemen vorzuziehen.

  • [1] Vgl. eBook „Automatisierter Handel“, Seite 2, URL: best-eas.com. Stand: 10.10.2010.
  • [2] Vgl. Schwager, Jack D.: a.a.O., Seite 644.
  • [3] Vgl. Murphy, John: a.a.O., Seite 369.
  • [4] Eine der bekanntesten Seiten mit täglicher Handelsempfehlung ist die Plattform 99Pips. com, URL: 99pips.com/.
 
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