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4.7 Interpretation der Untersuchungsergebnisse und Fazit

Die Ergebnisse, welche aus den Untersuchungen der vergangenen Gliederungspunkte gewonnen wurden, sollen nachfolgend eine Interpretation erfahren. Als erster wesentlicher Punkt ist festzuhalten, dass die getesteten Markttechnischen Handelssysteme auf gleichem Basiskursverlauf sehr divergierende Resultate hervorbringen und individuelle Charakteristika zeigen. Weder eröffneten und schlossen zwei Handelssysteme simultan eine Position noch wurden identisch hohe Renditen oder gleich hohe Streuungsmaße erzielt, sodass auch die ermittelten Performance-Maße stets andere gewesen sind. Trotzdem lässt sich aus den empirischen Daten eine Reihe von Tendenzen ablesen:

CD Sensitivität: Die Sensitivität eines Handelssystems stellt sich als wesentlicher Faktor seines Erfolgs dar. Nur wenn ein Handelssystem tatsächlich am Markt engagiert ist, besteht überhaupt die Möglichkeit, aus diesem Gewinne zu realisieren. Je dichter ein System am Basiskursverlauf agiert, desto höher ist dessen Gewinnpotential. Das Handelssystem Daily20Pips [D20P] belegt diese These am deutlichsten, denn es erzeugte mit Abstand die meisten Signale, war damit am wenigsten inaktiv und erzielte im Test die bei weitem größte Überschussrendite. Die erhöhte Sensitivität erkauft sich der Trader logischerweise mit gesteigerten Transaktionskosten und einer höheren Anzahl an Fehlsignalen. Am eben beschriebenen Handelssystem werden auch diese Aspekte deutlich, denn allein die Höhe der Transaktionskosten übersteigen beispielsweise die Brutto-Renditen beider antizyklischen Handelssysteme mit geringer Sensitivität deutlich und die Fehlerquote von 35,81

% ist die höchste aller Systeme.

Basiskursvolatilität: Ein Handelssystem agiert stets auf der Grundlage eines Basiskurses und setzt Entry- und Exitsignale, um aus diesem möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften. Es ist daher eine logische Schlussfolgerung, dass spezifische Eigenschaften des Basiskursverlaufs unmittelbaren Einfluss auf die Ergebnisqualität eines ansonsten universellen Handelssystems besitzen. In der Untersuchung zeigte sich, dass die Volatilität des Basiskursverlaufs, ausgehend von dessen Handelsvolumina, direkten Einfluss auf die Güte der Resultate hatte, denn aus den empirisch gewonnenen Daten geht hervor, dass im Schnitt die erzielten Renditen aller vier Handelssysteme auf den Wechselkursen Britisches Pfund/US-Dollar und EURO/USDollar deutlich vor jenen des Währungspaares US-Dollar/Japanischer Yen lagen, von vereinzelten Ausnahmen einmal abgesehen. Eine erhöhte Volatilität des Basiskurses bewirkt eine Beschleunigung der Handelsaktivität, denn die Ausschläge in den Candlesticks werden größer und Trends stellen sich damit schneller ein, was wiederum direkten Einfluss auf die Signalgabe der Handelssysteme mit sich bringt.

@ Intervalllänge: Ebenso wie die Volatilität des Basiskurses spielte auch die Länge der Intervalle zwischen den Candlesticks eine wesentliche Rolle für die Resultate der Handelssysteme. Insbesondere an den Ergebnissen der beiden errechneten Ratios lässt sich ablesen, dass diese in der Tendenz betragsmäßig umso höher gewesen sind, je kürzer das Intervall war. Zwar stellt sich im direkten Vergleich der erwirtschafteten Pips das längste aller Intervalle – Daily Candlesticks – klar als das beste heraus, allerdings wurde dafür auch der längste Zeitraum benötigt. Eben weil die Ratios aber vor allem durch den Annualisierungsfaktor als Berücksichtigung der temporalen Komponente geprägt sind, stellt sich das kürzeste Intervall 15 Minuten Candlesticks in der Verallgemeinerung als das erfolgreichste Handelsintervall heraus. Auf Grund der Tatsache, dass [Wechselkurs-]Charts fraktale Eigenschaften besitzen[1], wirkt sich jede Verkleinerung des Intervallmaßstabes praktisch wie ein Vergrößerungsglas auf den Basiskursverlauf aus. Ein einziger Daily Candlestick, der in der Regelmäßigkeit von 24 Stunden neu gebildet wird, fasst die Informationen der Wechselkursveränderungen eines Handelstages zusammen, nämlich bei welchem Kursstand der Tag begann, auf welchem Niveau er endete und welche Extrema nach oben und unten verzeichnet wurden. Während des identisch langen Zeitraums werden aber beispielsweise 96 Candlesticks des Intervalls 15 Minuten angezeigt, auf welchen ebenfalls gehandelt werden kann. Jede Verkürzung der Intervalllänge ermöglicht demnach ein feineres, dichteres Agieren am Basiskurs, woraus sich folglich das Potential erschließt, gegenüber einer gröberen Intervalleinstellung mehr Gewinne zu erwirtschaften – oder größere Verluste.

Güte und Signifikanz der Ergebnisse: Im direkten Vergleich der Ergebnisse aus den einzelnen Handelsintervallen ist auffällig, dass die Güte der Signale aller vier Markttechnischen Handelssysteme umso mehr abgenommen hat, je kürzer das Intervall gewählt wurde. Von vereinzelten Ausnahmen – insbesondere der Handelssysteme Turtle Soup und Daily20Pips [D20P] – einmal abgesehen, nimmt die Quote an Erfolgssignalen ab, was sich folglich in den Berechnungen der einzelnen Binomialtests niederschlägt. Die erwirtschaftete Überschuss-Rendite eines Handelssystems wird dann als signifikant größer 0 betrachtet, wenn die Anzahl an erfolgreich abgeschlossenen Trades im Verhältnis zu gesamt eröffneten Positionen unter Beachtung der individuellen Erfolgswahrscheinlichkeit so groß ist, dass die kumulierten Einzelwahrscheinlichkeiten für jeden einzelnen Durchgang [= Erfolgssignal] größer 1 – a = 0,95 ist. Weil jedoch wie beschrieben die Quote an erfolgreich glatt gestellten Handelssignalen von Intervall zu Intervall sinkt, nimmt simultan auch die Quantität an als signifikant zu betrachteten Überschussrenditen ab, das heißt, dass diese Ergebnisse als zufällig zustande gekommen zu bewerten sind. Dass die Qualität der Signale nicht nur statistisch theoretisch sondern evident abnimmt, ist daran erkennbar, dass im Handelsintervall 15-Minutes Candlesticks mit Ausnahme des Handelssystems Turtle Soup teilweise sogar Verluste realisiert wurden, was in den übrigen drei Intervallen kein einziges Mal zu beobachten geist. Zumindest war in den betreffenden Testintervallen die Quote an erfolgreich abgeschlossenen Trades noch so hoch, dass die realisierte negative Überschuss-Rendite nicht als signifikant kleiner 0, sondern noch als zufällige zustande gekommen zu bewerten war. Diese empirischen Erkenntnisse führen zu der Schlussfolgerung, dass Spekulationen mit kurzfristiger Perspektive – und hier insbesondere die Strategien des Daytradings – mit besonderer Skepsis betrachtet werden müssen, weil die Verlustwahrscheinlichkeit infolge der verminderten Güte der Handelssignale gegenüber Strategien mit langfristigem Engagement größer ist. Um dieses Verlustpotential nach Möglichkeit zu verringern, bedarf es demzufolge im Daytrading weiterer Sicherheitsvorkehrungen, wie beispielsweise einer betragsmäßig geänderten und/oder doppelten Stop Loss Grenze, vorsichtigeres Positioning Sizing, physische Anwesenheit des Traders, et cetera[2].

Trendfolgesysteme versus antizyklische Handelssysteme: Auf die Spezifika beider grundsätzlicher Arten Markttechnischer Handelssysteme wurde weiter oben bereits hingewiesen. Diese sollen an dieser Stelle nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Allerdings erbringt eine Auswertung der Datenlage die Feststellung, dass die Gruppe der trendfolgenden Handelssysteme den antizyklischen in langbeziehungsweise mittelfristigen Trading-Intervallen gegenüber im Vorteil ist. Für das Intervall Daily Candlesticks erwirtschaften die Trendfolgesysteme Cowabunga und Daily20Pips [D20P] zusammen eine Netto-Überschussrendite in Höhe von

16.564 Pips, während die antizyklischen Systeme Daily Stochastic Oscillator System und Turtle Soup lediglich 2.420 Pips sichern können. Ähnlich eindeutig ist das Verhältnis im Maßstab des Intervalls 4 Hours Candlesticks, in welchem 6.288 Pips netto als Resultat der Trendfolgesysteme gerade einmal die 904 Pips netto der antizyklischen Handelssysteme gegenüber stehen. Ein praktisch ausgeglichenes Verhältnis ist im Intervall 1 Hour Candlesticks zu beobachten, mit 1.112 Pips netto zu 1.100 Pips netto. Dass diese Annäherung der Ergebnisse kein Zufall ist, zeigt das letzte Intervall, denn hier verkehrt sich die Platzierung der Systemarten. Die antizyklischen Handelssysteme dokumentieren im Intervall 15 Minutes Candlesticks mit 384 Pips netto eine deutlich größere Leistungsfähigkeit als die trendfolgenden Systeme mit gerade einmal 24 Pips netto. Obgleich für eine erschöpfende Aussage die Datenlage sicherlich nicht ausreichend ist, könnte eine mögliche Erklärung für das beobachtete Phänomen sein, dass längerfristige Intervalle eine „vollkommenere Perspektive“ auf den Basiskurs bieten. Es ist bereits darauf hingewiesen worden, dass Charts fraktale Eigenschaften besitzen, was bedeutet, dass der Verlauf eines Basiskurses in seiner grundlegenden Gestalt selbstähnlich ist und das dargestellte Intervall nur anhand der Bezeichnungen der Abszisse eingeordnet werden kann. Ebenso wurde in diesem Zusammenhang schon das Beispiel bemüht, dass eine einzige Kerze im Intervall Daily Candlesticks aus der Entwicklung von 96 Kerzen der Perspektive 15 Minutes Candlesticks hervorgegangen ist, ohne dass sich die zwischenzeitliche Entwicklung in ihr niederschlägt. Nun hat der in TraderKreisen bekannte südafrikanische Devisenspekulant und Autor Dirk du Toit genau diesem Sachverhalt in seinem vielbeachteten Buch Bird watching in Lion Country einen eigenen Gliederungspunkt gewidmet und formuliert die These, dass ein Basiskursverlauf in der Einstellung eines langfristigen Intervalls viele Informationen verdichtet, die aus kurzfristigen Intervallen hervorgegangen sind. Exakt diese Informationen geben dem Markt letztendlich eine lesbare Richtung vor, während kurzfristiges Agieren weniger durch Information denn durch Zufall geprägt ist. Treffenderweise benutzt er dafür die Metapher des Ornithologen im Löwenreservat[3]: Ein Ornithologe, der in einem Löwenreservat ein sehr stark vergrößerndes Fernglas verwendet, erkennt auf Anhieb viele Details, verliert aber dabei den Blick des Großen und Ganzen. So entdeckt eben dieser Vogelkundler mit seinem optischen Hilfsmittel eine interessante Textur zwischen Gräsern, die seine Aufmerksamkeit erregt und nähert sich ihr fasziniert, ohne dabei das Fernglas abzusetzen. Am Objekt angekommen nimmt er es in die Hand und erkennt erst da, dass es die Schwanzspitze eines Löwen ist. Hätte er das Fernglas abgenommen und demzufolge aus einer größeren, weniger detaillierten Perspektive das Gelände überblickt, wäre ihm dieser verhängnisvolle Fehler nicht unterlaufen, den ansonsten gut erkennbar daliegenden Löwen zu übersehen. Nach Meinung du Toits verhält es sich ebenso mit den Intervallen des Basiskursverlaufs: während sehr kurzfristige Einstellungen im Basiskurs eher zufällige Bewegungen vollziehen, verdichten sich diese langfristig zu gut identifizierbaren Richtungen und damit zu Trends. So ist es keine Seltenheit, dass trendfolgende Systeme wiederholt in kurzen CandlesticksIntervallen an kleinen Konsolidierungsbewegungen partizipieren, obwohl aus einer gröberen Perspektive ein nachhaltiger Trend in die Hauptrichtung zu beobachten wäre und folglich wiederholt ausgestoppt werden. Weil Trendfolgesysteme genau dafür entwickelt wurden, Trends zu identifizieren und an ihnen so lang wie möglich zu partizipieren, kommen ihnen längerfristige Intervalle mit gefiltertem Basiskurs entgegen, der keinerlei Hintergrundrauschen mehr besitzt[4]. Antizyklische Systeme sind ausschließlich dafür konzipiert, das Ende eines Trades abzuschätzen und eine Order zu platzieren, die an der Konsolidierungsbewegung profitiert. Diese Herangehensweise ist eine sehr kurzfristige, denn das Gros der Zeit sind diese Systeme infolge des dominierenden Trends inaktiv. Zudem besteht ein langfristiger Trend ebenso aus mehreren feinen dazwischen liegenden zufälligen/chaotischen Seitwärtsphasen, an welchen wiederum diese Handelssystemart besonders wirksam Gewinne realisiert. Daher schneiden antizyklische Systeme tendentiell in kurzfristigen Intervallen gegenüber trendfolgenden besser ab, und entsprechend sind trendfolgende Systeme den antizyklischen Systemen bei langfristiger Perspektive im Vorteil. Es sei trotzdem erneut darauf hingewiesen, dass eine Verifizierung dieser These du Touts anhand des vorliegenden Datenmaterials nicht vorgenommen werden kann, auch wenn sie durch dieses vermeintlich gestützt wird. Der Stichprobenumfang an Trading-Signalen beider Handelssystemarten müsste wesentlich größer konzipiert werden, um zu diesem Sachverhalt eine statistisch fundierte Aussage treffen zu können.

@ Zum Handelssystem Cowabunga: Cowabunga agiert in der Untersuchung als Handelssystem von geringer bis mittlerer Sensitivität und stellt sich insgesamt als das zweitbeste System dar, die Erfolgsquote ist analog die zweithöchste im gesamten Vergleich. Die beste Platzierung erreicht das Handelssystem in der Relation von Transaktionskosten zu erzielter Überschussrendite mit einem Wert von 8,26 %. Als besonders positiv stellt sich die ausreichend lange Range vom Entry bis zum Take Profit in Höhe von 50 Pips dar, durch welche es dem System gelingt, an eröffneten Positionen lang genug zu partizipieren, um adäquat hohe Gewinne zu realisieren, die aber wiederum nicht so groß sind, dass auf dem Weg zum Touchieren der Marke ein Trendwechsel im Basiskurs droht. Ferner geht aus den Daten hervor, dass Fehlsignale eher vereinzelt auftreten und selten en bloc. Mit Blick auf die Konstruktion des Handelssystems, stellt sich insbesondere der Relative Strength Index [RSI] als Grund für die vermeintlich geringe Sensitivität dar, denn er ist am häufigsten dafür verantwortlich, dass die hinreichenden Bedingungen zu Signalgabe nicht erfüllt werden. Seine Filterwirkung ist im Übrigen zu stark, denn vor allem in den Intervallen 4 Hours Candlesticks und 1 Hour Candlesticks stellten sich mehrfach Schnittpunkte der beiden gleitenden Durchschnitte als möglicher Entry erfolgreich heraus, der letztlich allein auf Grund des Relative Strength Index [RSI] nicht signalisiert wurde. Es sollte untersucht werden, inwieweit eine verkürzte Berechnungsperiode des genannten Technischen Indikators dem Handelssystem insgesamt eine höhere Sensitivität verleiht und inwieweit sich diese positiv auf das Systemergebnis auswirkt.

<J) Zum Handelssystem Daily20Pips [D20]: Der zweite Vertreter der trendfolgenden Handelssysteme ist, wie bereits mehrfach erwähnt, das erfolgreichste der Untersuchung. Mit seiner außerordentlich hohen Sensitivität generiert das System eine derart hohe Quantität an Handelssignalen, dass die aus ihr hervorgehenden enormen Transaktionskosten und die deutlich herabgesetzte Erfolgsquote, sowie die schlechteste Relation von erzielter Überschussrendite zu Transaktionskosten von 31,52 % letztlich im Gesamtbild kaum negativ ins Gewicht fallen. Besonders auffallend ist allerdings, dass die Leistungsfähigkeit des Systems in längeren Intervallen ungleich höher ist im Vergleich zu kürzeren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Sensitivität in den kürzeren Intervallen massiv abnimmt. Der Grund hierfür ist in der Volatilität des jeweiligen Marktes im Verhältnis zur Zeitspanne zu sehen: es macht einen großen Unterschied, ob das Handelsvolumen des Marktes ausreicht, um innerhalb eines Tages oder von vier Stunden den Basiskurs betragsmäßig um 21 Pips ausgehend vom Pivot-Punkt der Vorperiode zu verändern, um die Bedingung für ein Handelssignal zu schaffen oder ob dies bereits innerhalb einer Stunde oder gar im Zeitraum von 15 Minuten geschieht. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass das System in den längeren Intervallen praktisch permanent am Markt agiert, die Ergebnisse in den kurzen Intervallen infolge der ausgedehnten Inaktivität hingegen sehr durchwachsen ausfallen. Obgleich schon auf Grund der Quantität an Handelssignalen die Erfolgssignale geblockt auftreten, ist auffällig, dass das Handelssystem trotz seiner Sensitivität Schwierigkeiten mit schnellen Richtungswechseln offenbart und somit auch gehäufte Fehlsignale zu beobachten sind. Es bleibt zu prüfen, ob erstens in Anwendung auf längere Intervalle eine größere Range – beispielsweise in Analogie zu Cowabunga – von Vorteil ist, um höhere Gewinne zu realisieren und gleichzeitig Transaktionskosten zu senken, und zweitens ob die Hürde an Pips, die das Auslösen eines Handelssignals zur Folge habt, in den kürzeren Intervallen zu senken ist, um damit die Sensitivität zu erhöhen.

Zum Handelssystem Daily Stochastic Oscillator System: Das Daily Stochastic Oscillator System erweist sich in der Untersuchung als das bessere der beiden getesteten antizyklischen Handelssysteme und platziert sich im Kriterium der erzielten Überschussrendite insgesamt auf dem dritten Rang, unter Beachtung der prozentual höchsten Erfolgsquote der gesamten Untersuchung und der zweitbesten Relation von erzielter Überschussrendite zu Transaktionskosten von 18,77 %. Die Kalibrierung des zu Grund liegenden Stochastic Oscillator Indikators bringt es mit sich, dass die Sensitivität des Systems gering ist und demzufolge wenige Signale erzeugt werden. In diesem Zusammenhang muss auch auf die Kalibrierung der beiden gleitenden Durchschnitte im jeweils niedrigeren Intervall eingegangen werden. Es zeigt sich, dass die vermeintliche Filterwirkung der hinreichenden Bedingung nur in seltenen Fällen das Erzeugen eines Handelssignals verhindert, weil die Berechnungsgrundlage beider Technischen Indikatoren mit 12 beziehungsweise 24 Perioden zu grob ist. Eine Verkürzung derselben würde höchstwahrscheinlich dazu beitragen, die ohnehin bemerkenswert hohe Erfolgsquote weiter zu steigern, allerdings zulasten der Sensitivität. Es gilt ferner festzuhalten, dass die Resultate des Systems in trendlosen Seitwärtsphasen hinter den Erwartungen an seine Konstruktion zurückbleiben. Zwar werden im Vergleich zu den trendfolgenden Systemen weniger Fehlsignale initialisiert, trotzdem führt die Datenlage unweigerlich zu dem Schluss, dass trendlose Phasen des Basiskursverlaufs mit schnellen Richtungswechseln nicht zu den angestammten Stärken des Systems zählen. Diese These wird besonders deutlich im Intervall 15 Minutes Candlesticks: sowohl auf dem Wechselkurs EURO/US-Dollar als auch auf US-Dollar/Japanischer Yen realisiert das System Verluste, lediglich die Ergebnisse aus Britischem Pfund/US-Dollar führen final zu einem positiven kumulierten Ergebnis im genannten Intervall. Stattdessen liegen die Stärken des Systems darin, Richtungswechsel in Phasen intensiver Trendverläufe zu prognostizieren, was es in den längeren Intervalleinstellungen unter Beweis stellt.

Zum Handelssystem Turtle Soup: Das zweite getestete antizyklische Handelssystem, das Turtle Soup Handelssystem, rangiert im Kriterium der erwirtschafteten Überschussrendite auf dem vierten Platz, wenngleich der Abstand zum Daily Stochastic Oscillator System verhältnismäßig knapp ist. Weil es das System mit der niedrigsten Sensitivität ist, erzeugt es am wenigsten Handelssignale, obgleich die Erfolgsquote die drittbeste der Untersuchung ist, wie auch das RenditeTransaktionskosten-Verhältnis in Höhe von 22,60 %. Ein wesentlicher Grund für die niedrige Anzahl an Handelssignalen ist darin zu sehen, dass insbesondere in trendlosen Seitwärtsphasen das Ausbilden betragsmäßig zur letzten Untersuchungsperiode größerer Extrema zuweilen unterbleibt, weil die Volatilität abnimmt. Das bedeutet konkret, dass das Maximum der Periode t oftmals unterhalb der Periode t – 1 sowie das Minimum der Periode t oberhalb der Periode t – 1 firmiert, sodass für mindestens eine Periode keine Möglichkeit zur Eröffnung einer Position besteht. Mit dieser Eigenschaft beweist das System allerdings indirekt seine Qualitäten als antizyklisches System, denn auch wenn es in trendlosen Phasen nur selten am Basiskursverlauf agiert und somit profitieren kann, so entfällt während dieser Phasen ebenfalls das Risiko, Verluste zu generieren.

®l Fazit zu Markttechnischen Handelssystemen: Als erste und wesentliche Erkenntnis des Fazits soll herausgestellt werden, dass die getesteten Markttechnischen Handelssysteme ihre grundsätzliche Eignung als Instrument der Devisenspekulation in der Untersuchung unter Beweis gestellt haben. Auch wenn die Ergebnisse zwischen den getesteten Systemen stark divergieren und die Qualität der Handelssignale – wie bereits erwähnt – zwischen den untersuchten Intervallen sehr voneinander abweicht, was sich auch in den durchwachsenen Resultaten der Signifikanztests widerspiegelt, so erweist sich doch keines der Handelssysteme als vollkommener Totalausfall. Als zweite fundamentale Erkenntnis soll erwähnt werden, dass die erzielten Renditen jedes einzelnen Handelssystems gegenüber einer herkömmlichen Geldanlage exorbitant höher sind. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass beispielsweise ein Tagesgeldkonto als repräsentative Anlageform bei aktuellen Konditionen eine durchschnittliche Rendite von 2,5 % per annum202 und der Deutschen Aktien Index [DAX] als Performance-Index im Zeitraum zwischen 01.01.2009 bis 31.12.2010 eine Rendite von 39,91 % erzielen203 – obgleich dieser Wert durch die schnelle Erholung des Marktes infolge der Finanzmarktkrise ungewöhnlich hoch ist –, ergibt sich im Vergleich zu den Handelssystemen für den Zeitraum von zwei Jahren – Intervall Daily Candlesticks, Wechselkurs Britisches Pfund/US-Dollar – folgende Abstufung, wobei sämtliche Daten in Geldeinheiten gerechnet sind, um etwaige Umrechnungen zu vermeiden:

Platzierung

Anlageform

Zeitraum [ganzjährig]

Höhe Einlage Beginn

Höhe Einlage Ende

Verzinsung

1.

Daily20Pips [D20P]

2009 – 2010

10.000 GE

72.520 GE

625,20 %

2.

Cowabunga

2009 – 2010

10.000 GE

24.240 GE

142,40 %

3.

Daily Stochastic Oscillator System

2009 – 2010

10.000 GE

15.280 GE

52,80 %

4.

Deutscher Aktien Index [DAX]

2009 – 2010

10.000 GE

13.991 GE

39,91 %

5.

Turtle Soup

2009 – 2010

10.000 GE

12.840 GE

28,40 %

6.

Tagesgeldkonto

2009 – 2010

10.000 GE

10.506,25 GE

5,06 %

Tabelle 21: Renditevergleich der Handelssysteme mit repräsentativen alternativen Anlageformen

Als dritten wesentlichen Aspekt sollen die kalkulierten Ergebnisse der Performance-Maße besonders hervorgehoben werden. Zwar ist unbestritten, dass für jeden Trader am Ende einer Betrachtungsperiode allein die realisierte Rendite eines Handelssystems im Vordergrund steht, doch gaben insbesondere die beiden Ratios durch ihre Berücksichtigung der Volatilität der einzelnen Handelspositionen interpretatorische Anhaltspunkte zum Trading-Verhalten, welche allein aus der Rendite nicht ablesbar sind. Als Beispiel sei der Wechselkurs EURO/US-Dollar im Intervall 1 Hour Candlesticks angeführt, bei welchem das Handelssystem Cowabunga gegenüber Turle Soup zwar im Kriterium der erwirtschafteten Rendite deutlich besser abschneidet, allerdings infolge der höheren Standardabweichung eine schlechtere Sharpe Ratio zu verzeichnen hat. Gleiches Phänomen ist im selben Intervall beim Wechselkurs Britisches Pfund/US-Dollar zu beobachten: zwar erzielt Cowabunga im direkten Vergleich zum Daily Stochastic Oscillator System und auch zu Turtle Soup die höhere Rendite, auf Grund der hohen Anzahl an Fehlsignalen liegen diesmal aber sogar beide Ratios deutlich unterhalb jener der antizyklischen Handelssysteme.

  • [1] 114 Evaluation der Trading-Ergebnisse und des Trading-Verhaltenswesen
  • [2] Vgl. Hierstetter, Georg: Schnellkurs Daytrading, Regensburg, 2009, Seite 133 ff.
  • [3] Vgl. Du Toit, Dirk: Bird watching in Lion Country – Retail Forex Trading Explained, Pretoria, 2004, Seite 25 f.
  • [4] Vgl. ebenda, Seite 27.
 
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