Berlin Group – der „Kartenbeauftragte“

Die Berlin Group ist eine europäische Initiative des Kartengeschäfts, die auf Grund der SEPA-Initiative im Jahr 2004 in Berlin gegründet worden ist. [1] Ziel der Berlin Group ist es, die Anforderungen der EC, EZB und des EPC an Kartenzahlungen in einem europäischen Binnenmarkt für den Euro-Zahlungsverkehr im Bereich Standardisierung der Schnittstellen zwischen bspw. Acquirer- und Issuer-Hostsystemen umzusetzen. [2]Diesbezüglich erarbeitet die Berlin Group die notwendigen Standards und Normen für das SEPA-Kartengeschäft, was bspw. mit dem Vorschlag für ein einheitliches SEPA-Kartenformat durch das SEPA Card Clearing Paper[3] (SCC) oder die Veröffentlichung des ISO 8583[4] Standards 3.1 erfolgt ist.

Die 2011 gegründete EU-Finanzaufsicht mit den Organen EBA[5], EIOPA[6] und ESMA[7] stellt einen weiteren Einflussfaktor auf den europäischen Zahlungsverkehr und die einzelnen Instrumente dar. [8] Bisher ist noch unklar, welche Rollen und Funktionen konkret durch die neuen Organe im Rahmen von SEPA übernommen werden. Ein interessanter Aspekt hierbei ist allerdings, inwieweit Auflagen zukünftig seitens grenzüberschreitender Finanzinstitute im „Non Cash“Zahlungsverkehr zu erfüllen sind, um die Stabilität der Finanzmärkte weiterhin zu gewährleisten.

  • [1] Derzeit besteht die Gruppe aus 23 wichtigen Akteuren aus dem Bereich des kartengestützten Zahlungsverkehrs aus mehr als 15 Ländern in und außerhalb der Euro-Zone. Vgl. berlin-group.org/.
  • [2] Dazu sollen die gemeinsam in Form von Spezifikationen verabschiedeten europäischen Lösungen auf der Effizienz, der Bekanntheit, der Sicherheit, der einfachen Einsetzbarkeit und dem daraus erwachsenden breiten Akzeptanzniveau der heutigen nationalen Kartenverfahren aufbauen können. Vgl. zka-online.de/zka/zahlungsverkehr/ kartengestuetzter-zahlungsverkehr.html.
  • [3] Das SCC ist der erste europäische Standard für das einheitliche Clearing von Kartentransaktionen innerhalb der SEPA und ergänzt die bereits vorhandenen SEPAZahlungsinstrumente SCT und SDD für den Interbankenbereich um Kartenzahlungen. Das SCC-Rahmenwerk beinhaltet sowohl die „Operational Rules“ für das Clearing und Settlement im Interbankenbereich (CSM) als auch die Spezifikation selbst, basierend auf dem internationalen Standard ISO 20022. Es unterstützt sämtliche wesentlichen Geschäftsprozesse für das Clearing von Kartentransaktionen, wie sie auch durch das European Payment Council (EPC) in dessen Payments and Withdrawals with Cards in SEPA: Applicable Standards and Certification Process aufgeführt sind. Vgl. Berlin Group 28/01/2011; VÖB (2011).
  • [4] Die ISO 8583 ist ein Standard für Meldungen, die von Zahlungskarten erzeugt werden, bzw. stellt die ISO 8583 eine Spezifikation der Übertragungsmeldung bei Kartenzahlungen dar.
  • [5] European Banking Authority, zuständiges Organ der EU-Kommission für die Bankenaufsicht in London.
  • [6] European Insurance and Occupational Pensions Authority, zuständiges Organ der EUKommission für die Überwachung der Geschäfte von Versicherungen und Pensionsfonds in Frankfurt am Main.
  • [7] European Securities and Markets Authority, zuständiges Organ der EU-Kommission für Börsenaufsicht.
  • [8] EBA, EIOPA und die ESMA sind Teil eines operativen Netzverbunds und sollen vor allem einheitliche Regeln für die nationalen Kontrollen festlegen und deren Inhalte überprüfen. Nationale Aufsichtsbehörden sollen durch die neuen Organe der EU-Kommission nicht ersetzt, allerdings sollen grenzüberschreitende Dienstleister mehr eingebunden werden.
 
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