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2.2 Kundenanalyse

Den ersten logischen Schritt einer externen Analyse sollte stets eine Untersuchung der Kunden darstellen. Sowohl Aaker und McLoughlin (2010) als auch andere Autoren (vgl. Meffert et al. 2012; Backhaus & Schneider 2009) empfehlen, die Kunden zu segmentieren[1] und die spezifischen Motivationen und unbefriedigten Bedürfnisse der Segmente zu analysieren. Im Folgenden soll zudem der Übergang zwischen verschiedenen Bildungswegen betrachtet werden. In der aktuellsten Erhebung aus dem Jahr 2009 war unter den 40,2 Mio. Erwerbstätigen [2] in Deutschland der Anteil derer, die eine berufliche Ausbildung absolviert haben, mit 58,6% am höchsten. Weitere 9,6% hatten sich als Meister/Techniker weitergebildet. Der Anteil der Akademiker lag bei lediglich 17,6% (siehe Anhang IV). Festzustellen ist jedoch, dass der Akademikeranteil unter allen Erwerbstätigen im Jahr 2000 noch bei lediglich 14% lag. Trotz dieses Zuwachses ist Deutschland unter den OECD (Organization for Economic Cooperation and Development) Staaten Schlusslicht bei der Steigerung der Zahl seiner Hochschulabsolventen. Die höchste Akademikerintensität weisen die Informations- und Kommunikationsindustrie, die Chemie/Pharma-Branche, die Elektrotechnik/Optik und die Automobilindustrie auf (vgl. Leszczensky et al. 2011).

In Deutschland wird eine Vielzahl an Indikatoren erhoben, um die aktuelle und zukünftige Entwicklung der Studentenzahlen und somit die zu erwartende Teilnehmerzahl an formalen Weiterbildungsangeboten zu erfassen. Die Studienberechtigtenquote misst den Anteil der Absolventen allgemeinbildender und beruflicher Schulen, welche die Schule mit einer Hochschulzugangsberechtigung (HZB) verlassen. Im Jahr 2010 lag diese Quote bei 49%, d.h. jeder zweite Schulabgänger erfüllte die schulischen Voraussetzungen für ein Hochschulstudium (vgl. StBA 2012 [2]). Lediglich etwa 39% dieser potentiellen zukünftigen Studenten beginnen jedoch noch im gleichen Jahr des Erwerbs der HZB ein Hochschulstudium gemessen wird dies mithilfe der Übergangsquote. Der wichtigste Indikator für den Hochschulzugang ist jedoch die Studienanfängerquote. Sie misst den Anteil der Studienanfänger an der altersspezifischen Bevölkerung. Seit 2000 ist diese Quote von 33,5% auf 43% gestiegen. Demnach haben 2010 etwa 43% aller Jugendlichen eines Geburtsjahrganges ein Studium aufgenommen (vgl. BMBF 2011 [3]). Vergleicht man dies mit der Studienberechtigtenquote von 49%, stellt man fest, dass letztlich die Mehrheit aller potentiellen Studenten mit HZB auch ein Studium aufnimmt [3] (vgl. HRK 2011).

Abbildung 2 stellt die Übergangsquoten der repräsentativen Bevölkerung im Alter von 25 bis 54 Jahren zwischen den verschiedenen Bildungswegen grafisch dar. Dadurch wird die überaus bedeutsame Position der beruflichen Ausbildung herausgestellt. Unter den Personen ohne HZB stellt sie ganz klar den wichtigsten Bildungsweg nach der allgemeinbildenden Schule dar. Auch unter Hochschulzugangsberechtigten ist sie mit etwa 50% ein wichtiger erster Bildungsweg. Etwa 30% eines Altersjahrgangs mit HZB schließen zwar eine berufliche Ausbildung ab, entscheiden sich aber nicht für ein Hochschulstudium[4]. Unter den Personen, die ein Hochschulstudium aufgenommen und ihre HZB nicht nachgeholt haben, besitzt etwa ein Drittel eine abgeschlossene Berufsausbildung [5] (vgl. BIBB 2012).

Abbildung 2: Bildungswege von 25bis 54-Jährigen

Quelle: Eigene Darstellung nach BIBB 2012, S. 370-371

Um die bereits beschriebene Akademikerlücke zu schließen, müssen mehr Menschen mit beruflicher Erfahrung für ein weiterbildendes Studium oder die Teilnahme an non-formalen Bildungsangeboten motiviert werden. Abbildung 3 zeigt jedoch, dass der Anteil der Studenten mit abgeschlossener betrieblicher Ausbildung vor/beim Erwerb der HZB seit 2000 um etwa 5 Prozentpunkte zurückgegangen ist. Um diesem Trend entgegen zu wirken und die Akademikerlücke zu schließen, haben Bund und Länder in den vergangenen Jahren eine Reihe von Initiativen und Fördermöglichkeiten ins Leben gerufen (vgl. Robert Bosch Stiftung 2009).

Abbildung 3: Berufliche Erfahrung von Hochschulstudierenden

Quelle: BMBF 2011 [3], S. 54; BMBF 2011 [1], S. 18

Seit wenigen Jahren ist beruflich Qualifizierten, die über keine HZB verfügen, die Aufnahme eines Hochschulstudiums möglich (vgl. StBA 2009 [1]). Der Anteil dieser Studenten hat sich zwischen 2000 und 2007 von 0,39% auf 0,84% erhöht der überwiegende Teil dieser Studenten nimmt ein Studium an einer Fachhochschule (FH) auf (vgl. StBA 2009 [2]). Durch die 2008 auf Bundesebene ins Leben gerufene Initiative „Aufstieg durch Bildung“ sollen die wWB von Berufstätigen und das LLL noch stärker gefördert werden (vgl. BMBF 2008). Über das im Rahmen dieser Initiative ins Leben gerufene „Aufstiegsstipendium“ [6] werden jährlich etwa 1.000 Studenten gefördert (vgl. BMBF 2010 [1]). Aufgrund dieser und weiterer Initiativen studieren bereits über 20% aller Studenten in Teilzeit (siehe Anhang V).

  • [1] Im Folgenden wird weitestgehend nach Kunden/Teilnehmern formaler und non-formaler Bildungsgänge segmentiert.
  • [2] Laut der ILO (International Labor Organization) gilt als erwerbstätig, wer mindestens eine Stunde pro Woche gegen Bezahlung arbeitet und mindestens 15 Jahre alt ist (vgl. BMBF 2011 [3]).
  • [3] Derzeitig gibt es in Deutschland etwa 2,22 Mio. Studierende.
  • [4] Berechnung: 24,8% + 6,7% = 31,5%
  • [5] Berechnung: (19,0% + 2,8%) / (43,6% + 19,0% + 2,8%) = 33,3
  • [6] Begabte beruflich Qualifizierte werden dadurch bei der Aufnahme eines weiterbildenden Hochschulstudiums finanziell unterstützt.
 
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