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2.5 Lern- und Lehrformen

Aufgrund der notwendigen Vereinbarkeit der Erwerbstätigkeit mit der Weiterbildungsteilnahme bekommen die verwendeten Lern- und Lehrformen eine besondere Bedeutung und sollen daher im Folgenden systematisch dargestellt und betrachtet werden. Wie bereits in Tab. 2 dargestellt, umfasst das Angebot von WB unter anderem Tagesveranstaltungen, Seminare über mehrere Tage, Zertifikatskurse oder Studiengänge (vgl. HRK 2008). Um ein möglichst umfassendes Bild der Angebotsformen darzustellen, soll erneut zwischen formalen und non-formalen Bildungsgängen unterschieden werden.

In Tab. 2 wurde die Weiterbildungsteilnahme im Rahmen non-formaler Bildungsgänge bereits nach Veranstaltungsarten unterschieden. Ebenfalls erfasst werden im Rahmen der AES die hauptsächlich eingesetzten Lern- und Lehrformen. Als mit Abstand wichtigste Form hat sich dabei der „Unterricht im Klassenoder Seminarraum“ mit 62% aller Teilnahmefälle herausgestellt. Weitere bedeutende Lern- und Lehrformen sind „Schulungen und Anleitungen am Arbeitsplatz“ (17%) und „Gruppenarbeiten mit Betreuung durch Tutoren“ (12%). Kaum von Bedeutung sind überraschenderweise Weiterbildungen durch „computergestützte Lernprogramme zum Selbstlernen“ und „E-Learning“ mit jeweils gerade einmal einem Prozent der Teilnahmefälle.

Im Rahmen formaler Weiterbildungsangebote verlangt laut Minks et al. (2011) die „Vielfalt berufsbegleitender und dualer Studienangebote [...] nach einer Systematisierung, die die Überschaubarkeit und Transparenz der Angebote zu verbessern hilft“ (S. 23). Unterschieden werden soll daher nach drei unterschiedlichen Formen: Präsenz-, Fernstudium und Mischform (Blended Learning).

Als „Präsenzstudien“ werden alle Angebote bezeichnet, bei denen die Wissensvermittlung ausschließlich an der HS selbst oder einer ihrer Zweigstellen stattfindet. In der Regel finden die Veranstaltungen in Blöcken an Abenden oder Wochenenden statt. Ein „Fernstudium“ im Sinne des 1977 in Kraft getretenen Fernunterrichtsgesetzes (§ 1) ist dabei die „auf vertraglicher Grundlage erfolgende, entgeltliche Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten, bei der (1) der Lehrende und der Lernende ausschließlich oder überwiegend räumlich getrennt sind und (2) der Lehrende oder sein Beauftragter den Lernerfolg überwachen.“ Zusätzlich bestimmt das Gesetz in § 12, dass Fernunterricht in Deutschland einer Zulassung bedarf [1]. Die Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) wurde als dafür zuständige Behörde eingerichtet (vgl. ZFU 2012; Bryant et al. 2005). Als Blended Learning werden Studienangebote definiert, in denen sowohl Präsenzals auch Fernstudienphasen eingebunden sind.

Präsenzstudium

53%

59%

66%

Fernstudium

31%

23%

25%

Blended Learning

15%

17%

9%

Beide Varianten

1%

1%

< 0,5%

Gesamt

100%

100%

100%

Tabelle 3: Lehr- und Lernformen berufsbegleitender wiss. Abschlüsse

Quelle: Eigene Darstellung nach Minks et al. 2011, S. 67-68

In Tab. 3 werden die verschiedenen Lehr- und Lernformen in Abhängigkeit der wissenschaftlichen Abschlüsse dargestellt. Mehr als die Hälfte aller berufsbegleitenden Bachelorstudiengänge wird ausschließlich in Präsenzform angeboten. Besonders hoch ist der Anteil in den Fachrichtungen Sprach- und Kulturwissenschaften, Sozialwesen und in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Bei Letzteren ist dies sicherlich dem Erfordernis nach Laborarbeiten geschuldet. Das Fernstudienangebot berufsbegleitender Bachelorstudiengänge geht mit 69% fast ausschließlich auf die staatliche FernUniversität Hagen zurück. Bei den Masterstudiengängen fällt das Präsenz- und Blended Learning-Angebot etwas höher aus. Dies geht jedoch zu Lasten der angebotenen Fernstudienmöglichkeiten. Mit zwei Dritteln aller Angebote ist das Präsenzstudium die mit Abstand wichtigste Lehr- und Lernform bei Zertifikatskursen (vgl. Minks 2011; siehe Anhang XIV).

Aufgrund seiner wachsenden Bedeutung und Relevanz im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll im Folgenden noch einmal näher auf die Weiterbildungsteilnahme in Form von Fernstudien eingegangen werden. Während es 2003 noch lediglich 69.279 Fernstudenten gab, waren 2010 bereits 118.619 Studenten in wissenschaftlichen Fernstudiengängen eingeschrieben. Dies entspricht einer durchschnittlichen Wachstumsrate von etwa 8% pro Jahr (siehe Anhang XV). Mit fast 70.000 Studenten ist die FernUniversität Hagen der mit Abstand größte Anbieter von Fernstudiengängen und damit gleichzeitig die größte Universität Deutschlands (vgl. Grün & Kurz 2011; siehe Anhang XVI).

Festzustellen ist zudem, dass unter den verbleibenden 49.000 Fernstudierenden ein Großteil an HS studiert, die sich im Besitz von Verlagsgruppen befinden. Die AKAD-Gruppe, größter Fernhochschulverbund Deutschlands, ist seit 1999 in Besitz der Franz Cornelsen Bildungsgruppe. Zudem engagiert sich die Klett Gruppe über Beteiligungen unter anderem an der Europäischen Fernhochschule Hamburg, der Wilhelm Büchner Hochschule in Darmstadt oder der kürzlich gegründeten Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin im Weiterbildungsmarkt. Laut eigenen Angaben erwirtschaftet die Klett Gruppe rund 30% ihres Umsatzes mit der Erwachsenen- und Weiterbildung[2], bietet über 400 Kursthemen an und zählt jährlich mehr als 185.000 Teilnehmer (vgl. Klett Gruppe 2012). Ein weiterer großer Wettbewerber in privater Trägerschaft ist die SRH Holding mit einem jährlichen Umsatz von etwa 550 Mio. Euro im Bildungs- und Gesundheitswesen.

  • [1] Angebote staatlich anerkannter HS sind davon jedoch ausgeschlossen, da deren Qualität bereits durch eine Akkreditierung sichergestellt wird (vgl. HDL 2011).
  • [2] Nach eigenen Berechnungen entspricht das etwa 139 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2011.
 
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