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5.2 Implikationen für Fachverlage

Bereits heute „entwickeln sich [Fachverlage] vom reinen Medienhaus zum B2B-Dienstleister und organisieren entweder im eigenen Namen oder als Partner für andere Unternehmen und Organisationen unterschiedlichste Seminare, Workshops, Kongresse oder Tagungen“ (Broos 2012, S. 16). Zwei große deutsche Verlagshäuser, die Klett Gruppe und die Franz Cornelsen Bildungsgruppe, besitzen bereits umfassende Beteiligungen an Fernuniversitäten (siehe Kap. 2.3). Es ist also durchaus davon auszugehen, dass Fachverlage die Bedeutung des Weiterbildungsmarktes erkannt haben. Im Rahmen der Analysen konnten jedoch spezifische Kernkompetenzen identifiziert werden, welche ein noch stärkeres Engagement auf diesem Markt rechtfertigen. Während klassische Weiterbildungsanbieter darin keine besonderen Kompetenzen besitzen, zählt es zu den Kernkompetenzen von Fachverlagen, Bildungsinhalte zu beschaffen und den Kunden (bzw. Nutzern) in didaktisch aufbereiteter Form zur Verfügung zu stellen. Darin liegt nach der Meinung des Autors ein erhebliches Potential im Falle eines gezielten Eintritts von Fachverlagen in den Weiterbildungsmarkt.

Im Zusammenhang der Vorstellung drei möglicher Geschäftsmodelle wurde beispielhaft dargestellt, wie ein gezieltes Engagement von Fachverlagen auf dem Weiterbildungsmarkt aussehen kann. In jedem Fall wird dabei die Fokussierung auf spezialisierte Bildungsinhalte empfohlen. Durch die Verbindung von spezialisierten Lerninhalten mit den technischen Möglichkeiten des E-Learning ist die „Angebotsmenge nichtphysischer Inhalte [...] dementsprechend weder durch Druckauflagen noch durch Lagerkosten beschränkt. Die Regalfläche im Internet ist potenziell unbegrenzt“ (Meyer & Treutler 2009, S. 246). Im Falle eines Einstiegs in den B2B-Markt liegt die Herausforderung für Fachverlage jedoch darin, unter den etwa 16.500 Anbietern die für sie relevantesten zu ermitteln und mit diesen Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Bei einem Engagement auf dem B2C-Markt besteht die essentielle Aufgabe darin, potentielle Kunden zu erreichen und parallel dazu Kooperationen mit staatlich anerkannten Weiterbildungseinrichtungen aufzubauen, um Zertifikate oder ganze Abschlüsse verleihen zu können. In jedem Fall bietet die Vermarktung über spezialisierte Verbände oder berufsbezogene Netzwerke die beste Möglichkeit, die passenden Kompetenzprofile zu identifizieren.

Aufbauend auf den durchgeführten Analysen empfiehlt der Autor daher ein stärkeres und gezielteres Engagement von Fachverlagen auf dem Weiterbildungsmarkt. Dies sollte jedoch nicht um jeden Preis geschehen. Für wenig spezialisierte Bildungsinhalte ist die Konkurrenz sowohl im B2Bals auch im B2C-Bereich groß und die Zahlungsbereitschaft der Kunden dementsprechend gering. Es wird daher angeraten, dass sich Fachverlage auf ihre Kernkompetenzen stützen und die Vermarktung von spezialisierten, nur für eine bestimmte Zielgruppe entscheidenden, Bildungsinhalten vorantreiben. In Verbindung mit dem richtigen Geschäftsmodell kann dieses Engagement als komplementäre Ergänzung zum klassischen Verlagsgeschäft gesehen werden.

 
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