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6.4.3 Private Haushalte

Die Inhalte, die die Lehrpersonen aus dem Bereich der privaten Haushalte als für den Wirtschaftsunterricht zentral beschrieben, ließen sich den Kategorien Verbraucherbildung im Allgemeinen und der finanziellen Allgemeinbildung im Besonderen zuordnen. Im Vordergrund stand hierbei das Thema Konsum, welches von verschiedenen Lehrpersonen als zentrales Thema des Wirtschaftsunterrichts benannt wurde [1]. Begründet wird dies vor allem mit der hohen Alltagsrelevanz von Konsumentscheidungen für Schülerinnen und Schüler. Gleichzeitig betonten verschiedene Lehrpersonen, dass die Auseinandersetzung mit Konsum und Kaufverhalten im Wirtschaftsunterricht die Schülerinnen und Schüler sehr motivieren würde, weil es ein lebensnahes Thema sei. Exemplarisch wurden von den Lehrpersonen hierzu der Umgang mit dem Taschengeld 232 und die Beschäftigung mit Werbung und Werbestrategien [2] als Unterrichtsbeispiele angeführt. Ebenfalls für die Auseinandersetzung mit jüngeren Schülerinnen und Schülern wurde die Auseinandersetzung mit eigenen Bedürfnissen von den Lehrpersonen als Thema des Wirtschaftsunterrichts benannt [3]. Geldanlage [4], Kredit und Schulden [5] sowie Versicherungen [6] sind weitere Themen, die einzelne Lehrpersonen aus dem Bereich der finanziellen Allgemeinbildung als für den Wirtschaftsunterricht wichtig beschrieben.

Deutlich wird an diesen Vorstellungen, dass im Bereich finanzieller Bildung die Verbraucherbildung bzw. die Perspektive privater Haushalte dominierte und dass finanzielle Allgemeinbildung, nicht wie im fachdidaktischen Verständnis, auch ordnungspolitische Elemente, internationale Märkte und Verflechtung oder die Unternehmensperspektive einschließt (vgl. u. a. Kaminski/Friebel 2012).

Außerdem wurde in den Vorstellungen der Lehrpersonen deutlich, dass die ökonomische Perspektive auf den privaten Haushalt, die Reflexion von Bedürfnissen und Konsumentscheidungen und anderer finanzieller Entscheidungen insbesondere am Gymnasium eher im ökonomischen Anfangsunterricht verortet wurden. Begründet wurde dies mit der hohen Alltagsrelevanz dieser Inhalte, die motivationsfördernd sei; aber auch damit, dass sich am Beispiel des Haushalts auch exemplarische ökonomische Einsichten lernen lassen, die man auf größere ökonomische Zusammenhänge übertragen könne:

Also, im Grunde genommen ist all das, was wir auf großer Ebene haben, zum Beispiel auf Bundesebene bei Haushalten zum Beispiel, das haben sie in gleicher Ebene ja auch im einfachen Bereich in Haushalten, wo die Schüler leben. Das heißt, es gibt Ähnlichkeiten zwischen all diesen Haushalten und wenn man das eine erst mal im Kleinen verstanden hat, kann man es auch ohne Weiteres auf größere Bereiche dann übertragen. (Interview XI, GYM)

Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass unzulässige Verallgemeinerungen ein didaktisches Problem des Wirtschaftsunterrichts sein können, denn wesentliche Elemente der Haushaltsführung im privaten Haushalt lassen sich nicht uneingeschränkt auf öffentliche Haushalte übertragen. Beispielsweise, weil im privaten Haushalt die Folgen von Verund Überschuldung für den Verursacher dieser Schulden früher oder später unmittelbar spürbar werden. Auf politischer Ebene hingegen bestehen, bedingt durch bestimmte eher kurzfristige Wahlzyklen, systemimmanente Anreize zur Verschuldung. Zumal die Kosten der Schulden nicht von den Verursachern direkt getragen werden müssen, sondern die heranwachsenden Generationen belasten. Hier besteht die Gefahr von Fehlbzw. Trugschlüssen.

  • [1] Vgl. Interview I, IV, V, VI, VII, X, XIV, XV
  • [2] Vgl. Interview I, VI, X, XI, XV. 233 Vgl. Interview VII, IX, XI, XIII.
  • [3] Vgl. Interview III, VII, IX, XII.
  • [4] Vgl. Interview VI, IX, XI, XIV
  • [5] Vgl. Interview X, XI, XII, XIV
  • [6] Vgl. Interview I, XIV
 
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