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1. Einleitung

1.1. Erkenntnisgegenstand, Forschungsfragen und Ziele

Die letzten Jahre und Jahrzehnte haben nicht nur die Medienwelt revolutioniert, sondern auch den Journalismus berührt – ob die Veränderungen des Journalismus als Reaktionen auf die sich verändernde Umwelt verzeichnet werden können, sei hierfür dahingestellt. Der Wandel vom Printzum Online-Journalismus bringt qualitativ und inhaltlich neue Phänomene mit sich, ermöglicht Aktualität, Interaktivität und Multimedialität. Der traditionelle Printjournalismus läuft Gefahr, seine privilegierte Stellung als „handfester“ Informationsvermittler zu verlieren. Die damit einhergehende quantitative Erweiterung der Medienrezeptionsmöglichkeiten birgt sowohl Chancen als auch Risiken für die Entwicklung des Journalismus.

Auch Udris und Lucht, 2009 formulieren hierfür Prognosen. Aufbauend auf ihre Ergebnisse, dass sich die Presse zunehmend kommerzialisiert beziehungsweise auf ökonomische Ziele fokussiert, ergibt sich auch eine Annahme der steigenden Boulevardisierung. Die Veränderungen in der Medienumwelt und im Mediensystem selbst veranlassen auch Udris und Lucht zu verschiedenen Hypothesen und Ergebnissen bezüglich der Inhalte

– eine kurze Zusammenfassung dieser (für diese Arbeit relevanten) Befunde bietet eine interessante Vergleichsmöglichkeit für die Analyse am Ende dieser Arbeit.

Udris und Lucht, 2009 vermuten einen deutlich höheren Anteil Politikberichterstattung (im Gegensatz zu „human-touch“-Themen wie Skandale, Unfälle und Zerstreuungsthemen/Prominenz) im Qualitätsmedium Presse in Gegenüberstellung mit dem Boulevardblatt Kronen Zeitung. Die „magische Zahl“ hierbei wären 55%. Die Presse verfügt über 55% Politikberichterstattung (11% human-interest), die Kronen Zeitung zeichnet sich durch 55% „human-interest“ aus (28% Politikberichterstattung – dieser Wert ist vergleichsweise hoch, betrachtet man den Umstand, dass die Kronen Zeitung ein Boulevardblatt ist).

Die Kronen Zeitung wird auch dem „gehobenen“ Boulevard zugeschrieben, da sie trotz vermehrt einseitiger Berichterstattung (gesehen im Gegensatz zur Presse) nur ein geringes Maß an Emotionalität im Sprachstil aufweist. Das Hochstilisieren von Skandalen wird von der Kronen Zeitung erwartet, konnte aber in den Forschungen von Udris und Lucht noch nicht eindeutig geklärt werden.

Anhand der vierwöchigen Analyse der Online-Startseiten zweier österreichischer Tageszeitungen soll dieser „neue“ Journalismus näher betrachtet und erforscht werden.

Der begrenzte Rahmen der vorliegenden Arbeit erfordert eine Eingrenzung des Forschungsgebietes – deswegen wird der Schwerpunkt hierbei auf der Wahl der Ressorts liegen, um die Themenwahl der angeteaserten Beiträge einordnen zu können.

Die zwei gewählten Medien – Standard und Krone sind bereits in einigen Arbeiten als (qualitative) Gegensätze tituliert worden – ist dies in diesem Beispiel der Fall?

Aufbauend auf die vorangegangene Literaturrecherche wird hier die Erstannahme formuliert, dass sich die beiden Medien in der Wahl der Ressorts quantitativ unterscheiden. Es wird also die Hypothese aufgestellt, dass der Standard einen Schwerpunkt auf „hard news“ legt, wohingegen die Kronen Zeitung die „soft news“ fokussiert. Trotzdem lässt sich annehmen, dass beide ausreichend Beiträge aus den gegensätzlichen Themenbereichen aufnehmen – entweder, um vom Glaubwürdigkeitsbonus der Qualität zu profitieren oder, um der Aufmerksamkeitsökonomie und dem Bedürfnis nach Zerstreuung beziehungsweise Spannung gerecht zu werden.

Diese Arbeit soll aufzeigen, dass sich der Journalismus im Internet etabliert und damit Veränderungen einhergehen. Zudem ist es Ziel, zu untersuchen, ob die Abgrenzung Qualitäts- und Boulevardmedium im Zeitalter des Web noch zeitgemäß beziehungsweise durchführbar ist.

Zeitungen stehen mittlerweile vor der Herausforderung, verschiedenste Medien mit Journalismus bedienen zu müssen – neben der Printversion gilt es, Online-Version und Homepage/Webseite, sowie diverse Seiten in Sozialen Netzwerken ständig aktuell zu halten. Hier kommen vor allem der technische Fortschritt und das geänderte Mediennutzungsverhalten zum Tragen:

„Die technische Weiterentwicklung der Massenmedien hat auch in der Öffentlichkeit einen Wandel bewirkt. Den statischen Printmedien und der ebenso statischen Versammlungsöffentlichkeit folgt eine von elektronischen Medien beeinflusste unmittelbarere, auch weniger tiefgehende Öffentlichkeit […]. Diese ist stärker von Geschwindigkeit und sich schneller wandelnden und wachsenden Inhalten geprägt.“

Der Rezeptionsrhythmus wird somit individuell und permanent und verlangt auch eine dauerhafte Berichterstattung. Trotz dieser Wandelerscheinungen schafft die Plattform Internet klassische Medien nicht automatisch ab, sondern verlangt eine optimale Kombination.

Die vorliegende Arbeit soll die Themenwahl innerhalb dieser Problematik vergleichen und somit einen Beitrag dazu leisten, diesen Medienwandel aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können.

Hierbei wird Wert darauf gelegt, dies anhand des Unterschieds von sogenanntem Boulevard- und Qualitätsjournalismus abzuhandeln. Die folgende Abhandlung soll sich dementsprechend vorrangig mit zwei Phänomenen befassen: Erstens soll der Medienwandel von Print zu Online, oder einer optimalen Kombination betrachtet werden. Dies soll jedoch zweitens an dem besonderen Phänomen des Qualitäts- und Boulevardjournalismus geschehen.

Journalismus steht vor neuen Problemen, „die die Verbreitung neuerer Informations- und Kommunikationstechnologien mit sich bringt: etwa eine zunehmende Unterhaltungsorientierung und Kommerzialisierung […]“Wie bereits Brichta, 2010 exemplifizierte, bringt Popularität im Journalismus Herausforderungen mit sich, die durch den steigenden Unterhaltungs- und sinkenden Informationswert in der Presse teilweise sogar als „demokratiegefährdend“ angesehen werden sollten.

Bei der vorliegenden Untersuchung geht es vor allem um den Aspekt, welche Unterschiede in der Ressortwahl zwischen den beiden Versionen festgehalten werden können – dies geschieht, wie bereits erwähnt, aufbauend auf eine allgemeine Betrachtung des Wandels des Mediums Zeitung. Es soll auch nicht außer Acht gelassen werden, dass der Kreislauf an Beeinflussung zwischen Medien und RezipientInnen einen wichtigen Faktor darstellt.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen folgende Fragen bearbeitet werden:

Forschungsfrage 1: Aus welchen Ressorts werden die Artikel im ausgewählten Zeitraum vorwiegend auf der Titelseite veröffentlicht?

Forschungsfrage 2: Lassen sich daraus Unterschiede in der Qualitätsdebatte der beiden Zeitungen erkennen?

Forschungsfrage 3: Lassen sich anhand der Ergebnisse Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen/bei Print- und Online-Version der Tageszeitungen erkennen?

Diese Arbeit soll einen Beitrag dazu leisten, Erkenntnisse über Veränderungen zu erhalten, die mit dem Wandel der Medien im Zeitalter des Internets einhergehen. Besonders für das Medium Zeitung, dem durch die

„Meinungsbildung jeglicher sozialen Schicht“ein besondere Aufgabe zukommt, müssen Erkenntnisse herausgearbeitet werden, die durch aufbauende Forschung zu wichtigen Ergebnissen und Optimierung führen kann.

 
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