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Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Ressorts im Zeitalter von Medienwandel und Boulevardjournalismus
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2.2. Zeitung im Medienwandel – Entwicklung der Presse

Medien ändern sich permanent – nicht nur mit dem Entstehen neuer Medien ist ein solcher Prozess zu beobachten. Trotz der Rückwirkung auf traditionelle Medien, müssen diese sich auch selbst ständig an technische Entwicklung und gesellschaftliche Strömungen anpassen.

Auch bei Zeitungen sind solche Wandelerscheinungen erkennbar – in den letzten Jahren gewannen vor allem Begriffe wie Design, Textsortenwandel, Erweiterung der Multimodalität und Boulevardisierung an Bedeutung.

Seit der Entstehung der heutigen Form der Presse im 16.Jahrhundert war diese einem stetigen Wandel unterzogen. Zu Beginn konnte bereits eine Tendenz zu Aufmerksamkeit, Illustration und mehr Meinungsbildung als Information betrachtet werden. Themen wurden ausgewählt und sortiert.

Im 18.Jahrhundert war das Medium Zeitung neben der stetig steigenden Zeitungs-, LeserInnen- und Auflagenzahl vor allem geprägt durch die Entstehung der Zeitschriften in verschiedensten Wissensgebieten als neue Gattung. Der erste Wandel war bereits hier erkennbar Zeitungen legten Wert auf unkommentierte Nachrichten und Unparteilichkeit.

Das 19.Jahrhundert brachte durch eine ökonomisch orientierte Presse (im Fokus standen Auflagenzahl und Anzeigen) eine Vielzahl an unpolitischer Berichterstattung mit sich. Zeitungen werden unabhängig und erlauben sich teilweise, politische Meinungen zu entwickeln. Der Journalismus selbst war geprägt von Wissenschaftlichkeit

Im 20.Jahrhundert setzt das wissenschaftliche Interesse am Journalismus mit der einhergehenden Bedeutung für die Gesellschaft ein – hierbei tauchte erstmals die Frage nach der Wirkung von Presse auf die Gesellschaft auf. Kritisiert wurde unter anderem, dass Gewinnerzielung über Berichterstattung stand.

Einen besonderen Status nimmt auch die Zeitung Mitte des 20.Jahrhunderts ein – mit dem Nationalsozialismus wurde die Presse einem erneuten Wandel unterzogen und wurde einzig und allein durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gelenkt und verbreitete somit nur nationalsozialistisches Gedankengut. Gleich nach dem Ende des 2.Weltkrieges waren die Schlagworte Kontrolle, Umerziehung und amerikanischer Nachrichtenstil mit dem Leitsatz „Information vor Meinung“.

Im 21.Jahrhundert stellt vor allem das Internet Wandelerscheinungen heraus. Als Merkmale der Massenkommunikation konnten bis zur neuen Medienplattform Internet folgende definiert werden: öffentlich, indirekt, einseitig & ein disperses Publikum. Vor allem die neuen Aspekte der Interaktivität und Beschleunigung bringen diese Merkmale zur Diskussion. Vor welchen Herausforderungen stehen nun also Zeitungen im Rahmen dieses neuen Mediums?

Punkte wie Aktualität und Interaktivität sind nur zwei der zahlreichen Aspekte, die betrachtet werden sollten. Das veränderte Rezeptionsverhalten trägt zusätzlich dazu bei. Mayer, 2013 formuliert – aufbauend auf der Hypothese, dass digitaler Journalismus noch mehr auf Qualität setzen muss vier Konsequenzen für journalistische Redaktionen:

• Print verliert den Status als Taktgeber – das Internet bestimmt die Erzählform, macht Themen größer als den alleinigen Text und ist mehr als die digitale Kopie der eigentlichen Zeitung.

• Online-News werden zu einem Non-Stop-Service und schaffen den traditionellen Redaktionsschluss ab.

• Die klassische Einteilung in Ressorts wird flexibler und die Redakteure, Infografiker und Programmierer bestimmen im Team den Arbeitsablauf.

• Der Ausgabekanal Internet bestimmt die Erzählform – hierbei geht es vor allem darum, dass jeder Zugang zum gesamten Content (Text, Video, Audio, Bild, Grafik, User Generated Content) erhält.

Betrachtet man diese Diskussionen nun im Falle von Standard und Krone, sind die folgenden Aspekte interessant: Die Media-Analyse Österreich konnte im Jahre 2012 folgende Zahlen publizieren: Der Standard liegt mit 4,8% der Bevölkerung (341.000) weit hinter der Krone mit 38,2% (2.742.000) LeserInnen. Ein anderes Bild zeigt jedoch die Österreichische Web-Analyse: In der ÖWA Plus 2011-II-Studie „Reichweitensieger unter den Online-Printmedien in der Kategorie Einzelangebot“ liegt der Standard mit 1,03 Millionen weitaus weniger hinter der Krone mit 1,12 Millionen, als im Printbereich. Im letzten Quartal des Jahres 2012 präsentiert die ÖAW Plus folgende Ergebnisse: 23,4% der Internetnutzer eines Monats besuchen derstandard.at – krone.at verzeichnet im Gegensatz dazu „nur“ 21,3%. Im Rahmen dieser Studie konnte auch vermerkt werden, dass mittlerweile 86,6% der Männer und 75,8% der Frauen „online“ sind. In Kapitel 1.3. wird noch näher auf die Zielgruppen und die Rezeptionsneigungen derer eingegangen.

Die Zeitung sollte sich also vermehrt auf ihre Stärken konzentrieren und diese ausbauen, um sich im Medienwandel beweisen zu können. Eine der markantesten Stärken ist die Glaubwürdigkeit als Medium. Mit 43% sind Tageszeitungen das glaubwürdigste Medium – gefolgt von öffentlichrechtlichem Fernsehen mit 27%. Das Internet befindet sich mit 6% erst an 5.Stelle. Stellt man Glaubwürdigkeit als eine hohe und wichtige Qualität einer Zeitung in den Vordergrund, unterstreicht dies die Diskussion des Boulevardjournalismus, welche im folgenden Kapitel mit Augenmerk auf Standard und Krone kurz angeschnitten werden soll.

 
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