< Zurück   INHALT   Weiter >

2.5. Die Titelseite

Die Titelseite einer Zeitung stellt sozusagen das Aushängeschild derselben dar. Mit dem Erscheinungsbild dieser einen Seite steht und fällt die Rezeption einer Zeitung – es ist also notwendig, das Interesse des Lesers oder der Leserin mit der Gestaltung des Titelblatts zu erlangen.

Hierbei lassen sich u.a. folgende Phänomene festhalten:

Die Aufmerksamkeitsökonomie unterstreicht die Annahme, dass Aufmerksamkeitswerte wie beispielsweise Emotionalisierung die „Rezeptionschancen für alle Formen öffentlicher Kommunikation“ erhöhen. In diesem Zusammenhang lässt sich auch die zunehmende Kosten-Nutzen Rechnung eines jeden Individuums hinsichtlich des Faktors Zeit nennen – Freizeit soll als „Sozialkapital“ nur sinnvoll genutzt werden – „umweltrelevante Informationen in möglichst knapper Zeit auf[…]nehmen.“

Wiederkehrende Elemente sichern das Wiedererkennen, welches dem Mensch als Gewohnheitstier entgegenkommt – bei den HomepageStartseiten der beiden österreichischen Tageszeitungen lassen sich hier Muster erkennen, die stets beibehalten werden. Klare Designs und kurze Sätze unterstützen die schnelle Rezeption und somit das Gewinnen von neuen Kunden.

Die Titelseite im Online-Zeitalter stellt ebenso ein Werbeplakat beziehungsweise eine Werbefläche dar, welche große Aufmerksamkeit genießt.

2.6. Die RezipientInnen

Die RezipientInnen nehmen im Rahmen der medien- und kommunikationswissenschaftlichen Forschung aus mehreren Perspektiven eine wichtige Rolle ein – sowohl die Unterschiede zwischen den LeserInnen von Boulevard- und Qualitätsmedien, als auch die Unterschiede von LeserInnen der Print- und Online-Versionen können unterstützende Erklärungen für Wandelphänomene liefern.

Magin / Stark, 2011 bezeichnen die KonsumentInnen der Qualitätsmedien als junge, gehobene, einkommensstarke und konsumorientierte Zielgruppe mit hohen Ausbildungsniveaus, ebensolchen Haushalts-Nettoeinkommen und überdurchschnittlichen Berufsstellungen – sie werden der Kategorie

„Entscheidungsträger“ zugeordnet. Vergleicht man dies mit Daten des Boulevard-Mediums Krone, sind die LeserInnen eher in allen Altersschichten zu finden. Den größten Unterschied sehen Magin / Stark, 2011 hierbei jedoch in der Bildungsvariable – hier ist von den Qualitätshin zu den Boulevardmedien ein starkes Gefälle zu verzeichnen.

Was will das Publikum? Diese Frage stellten sich bereits Neuberger und Kapern, 2013. Obwohl das Publikum den Wunsch nach qualitativer Information äußert, werden Boulevardzeitungen gelesen – Neuberger und Kapern, 2013 erklären dies dadurch, dass Vergnügen und Zeitvertreib im Vordergrund stehen und „Lust und Muße“ fehlt, sich mit schweren Themen zu befassen. Es wird hierbei formuliert, dass das Publikum zwar mehr Qualitätsbewusstsein hat, als ihm allgemein zugesprochen wird, dies aber aufgrund von Eskapismus nicht immer als solches zum Vorschein kommt. Der Bericht der Media-Analyse 2011/2012 besagt, dass der Nutzungszweck des Internets zu 30,2% den Zugriff auf Zeitungs-/Zeitschrifteninhalte betrifft. 33,9% fallen auf aktuelle Nachrichten/News, welche auch mit den Startseiten der Zeitungen gleichgesetzt werden können. Hier lässt sich also festhalten, dass die analysierten Inhalte einen großen Teil im Nutzungsumfang des Internets einnehmen. Unterstützt wird diese These durch den Umstand, dass die Ergebnisse der gleichen Umfrage im Jahre 2001 nur 15,9%zustande brachten. Hier lässt sich also ein Wandel der Rezeption erkennen – geht nun also dieser Wandel mit dem Wandel der Medien einher, oder beeinflussen eher die Rezeptionsveränderungen der KonsumentInnen das Medium Zeitung?

Statistik Austria halten in ihrer Studie „Europäische Erhebung über den IKT-Einsatz in Haushalten 2012“ aus dem Jahre 2012 folgende Zahlen für Österreich fest: 57,2 % der privaten Internetnutzung in Österreich fällt auf das „Lesen und Herunterladen von Online-Nachrichten oder-Zeitungen […]“

Diese Entwicklungen sind jedoch auch aus anderer Perspektive zu betrachten – obwohl die Mediennutzung im Internet steigt, ist nicht zwangsläufig von einem Aussterben der traditionellen Medien zu sprechen. Entwicklungen, die bereits für die Jahrtausendwende prognostiziert wurden, sind auch heute noch nicht erreicht und es gibt mehr Zeitungen als je zuvor. Ist nun also anzunehmen, dass Rezipienten nicht zwingend anders, sondern einfach mehr konsumieren?

Eine Analyse von Johannsen, 2012 im Medien Spezial 2012 zeigt hierbei interessante Daten auf: Die junge Zielgruppe der 14bis 30-Jährigen nutzt neue Medien beinahe doppelt so viel wie klassische – genau entgegengesetzt erscheint dieser Umstand bei der Zielgruppe von 31bis 50-jährigen. Hieraus lassen sich schwer zukunftsweisende Hypothesen formulieren – werden Konsumenten mit dem Alter traditioneller, oder wird der Trend in den nächsten Jahren anhalten und Generationen überdauern? Vergleicht man dies mit dem Umstand, dass nur jeder vierte Österreicher Newsportale nützt, jedoch zwei von drei Österreichern Kauf-Zeitungen lesen, kommt Forschungsbedarf auf.

Als größten Unterscheidungsfaktor zwischen Online und Print nennt Johannsen, 2012 die Nutzungsdauer. Online-Newsrooms werden maximal 10 Minuten – dafür mehrmals pro Tag – genutzt, Kaufzeitungen zwischen 20 und 60 Minuten am Stück gelesen (steigend mit zunehmendem Alter). Im internationalen Vergleich setzt diese Nutzungsdauer des Mediums Zeitung Österreich in das obere Spitzenfeld.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >