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6.5 Vorstellungen zu Methoden des Wirtschaftsunterrichts

Zu den Vorstellungen der Lehrpersonen zu Methoden des Wirtschaftsunterrichts wurden die Hauptkategorien

(1) Mikro-, Makromethoden und Sozialformen und

(2) Methodeneinsatz bzw. -umsetzung

gebildet. Im Folgenden werden zunächst die Vorstellungen zu Methoden und Sozialformen und anschließend diejenigen zu Methodeneinsatz und

-umsetzung dargestellt.

6.5.1 Makro, Mikromethoden und Sozialformen

Der Großteil der Vorstellungen, die dieser Kategorie zugeordnet wurden, befasst sich mit sogenannten Makromethoden, die aus Sicht der Lehrpersonen eine hervorgehobene Rolle im Wirtschaftsunterricht spielen. Weitaus weniger Vorstellungen beziehen sich auf Mikromethoden und die verschiedenen Sozialformen des Unterrichts. Der vergleichsweise große Raum, den Makromethoden in den Vorstellungen der Lehrpersonen einnehmen, beispielsweise auch, wenn diese von „Sternstunden“ ihres Unterrichts berichteten, zeigt, dass sie auch in den Vorstellungen der Lehrpersonen als domänenspezifische Aspekte des Wirtschaftsunterrichts eine besondere Rolle spielten (vgl. 2.1.8) [1]. Zur Übersicht können die Makromethoden, die Gegenstand der Interviews waren, der folgenden Tabelle entnommen werden, bevor diese anschließend nach ihrer Relevanz in den Interviews erläutert werden.

Tabelle 12 Übersicht genannte Makromethoden in den Interviews

Die Makromethoden, die in den Interviews den größten Raum einnahmen, sind (Betriebs-) Erkundungen und Expertengespräche [2] , von denen in der Regel als methodische Kombination gesprochen wurde. Die Lehrpersonen schätzen nach eigener Auskunft an der Methode, dass diese den Schülerinnen und Schülern einen authentischen Einblick in die Wirtschaftspraxis, den die Schule nicht leisten könne [3], und die Sichtweise der ökonomischen Praxis ermögliche [4] sowie darüber hinaus einen sehr motivierenden Charakter habe bzw. Interesse bei Schülerinnen und Schülern für ökonomische Zusammenhänge wecke [5]. Auch wenn die Organisation bzw. Durchführung der Methode von den Lehrpersonen als aufwendig beurteilt wurde, beschrieben die Lehrpersonen (Betriebs-)Erkundungen und Gespräche mit Expertinnen und Experten im Wirtschaftsunterricht als Methoden, die einen nachhaltigen Effekt auf den Unterricht und das ökonomische Lernen haben würden und deshalb als lohnende „Investition“ anzusehen seien [6]. Lerntheoretische Argumente stehen auch an dieser Stelle im Vordergrund, als es darum ging, die Eignung dieser Methoden für den Wirtschaftsunterricht zu begründen.

Eng mit Erkundung und Expertengespräch verbunden sind aus Sicht der Lehrpersonen außerschulische Praktika, denen besonders für die Berufsorientierung eine wichtige Rolle zugesprochen wurde. Hierbei nehmen vor allem die Vorund Nachbereitung aus Sicht der Lehrpersonen einen großen Raum im ökonomischen Unterricht ein. Dabei scheinen inhaltliche Fragestellungen keine große Rolle zu spielen bzw. die Lehrpersonen sprachen nicht darüber, dass sie diese Methoden mit fachlichen Fragen verknüpfen würden[7].

Neben Expertengesprächen und Erkundungen wurden Wettbewerbe von den Lehrpersonen als geeignete fachspezifische Methode des Wirtschaftsunterrichts angesehen bzw. von Lehrpersonen über die Teilnahme an Wettbewerben positiv berichtet [8]. Da zum Zeitpunkt der Interviews das überregionale „Planspiel Börse“ [9] durchgeführt wurde und verschiedene Lehrpersonen mit Schülerinnen und Schülern an diesem Wettbewerb teilnahmen, berichteten sie darüber [10]. Ähnlich wie bei der Begegnung mit der wirtschaftlichen Praxis durch Erkundungen wurde auch der Teilnahme an Wettbewerben wie dem „Planspiel Börse“ von den Lehrpersonen ein motivierender Effekt auf die Lernenden zugeschrieben. Dies führen die Lehrpersonen einerseits auf die attraktiven Preise zurück, die sichtbare externe Anreize zur Teilnahme darstellen würden [11], andererseits aber auch darauf, dass den Schülerinnen und Schülern durch die Teilnahme unmittelbar ersichtlich würde, wozu ökonomisches Wissen „gebraucht“ werde und einsetzbar sei. Die Lehrpersonen, deren Schülerinnen und Schüler an dem Wettbewerb teilnahmen, bewerteten diese Teilnahme als positiv und sahen in ihr eine Lerngelegenheit, die hohen Praxisbezug habe, motivierend sei und Schülerinnen und Schülern die Angst vor einer Geldanlage in zukünftigen Lebenssituationen nehmen würde [4]. Der folgende Auszug aus einem Interview mit einer Wirtschaftslehrerin belegt dies. Auf die Nachfrage nach einem besonders gelungenen Praxiskontakt berichtete sie von der Teilnahme am „Planspiel Börse“:

Also, ich finde „Planspiel Börse“ schon super, das ist schon. Die Schüler fragen. Also, eigentlich kommt das Thema ja erst so grundlegend erst in Klasse 9, aber ich mache das jetzt schon mit meinen, WPK in 8. Weil die einfach das gerne machen wollen auch, weil die das super finden und einige haben vielleicht von zu Hause auch schon so ein bisschen Hintergrund usw. Also, das finde ich eigentlich schon am gelungensten, weil es einfach ein großes Planspiel. Und auch, aber auch Wettbewerbe, die angeboten werden, wo man dann mitmachen kann. Das sind so. Das finde ich so ganz sinnvoll. (...) Ja, also sie lernen sich a) Informationen zu beschaffen, wie komm ich überhaupt, also wie kann ich das beurteilen, ob jetzt eine bestimmte Aktie steigt oder sinkt und dann machen sie sich vertraut mit so bestimmten Webseiten und überlegen natürlich dann auch im Team, weil sie ja immer in Gruppen da mitmachen. Im Team müssen sie sich absprechen, müssen Kompromisse schließen, welche verkaufen wir, welche kaufen wir. Das ist, glaube ich, eine wichtige Sache und dass sie einfach, einfach dadurch, dass sie das mal gespielt haben, da vielleicht auch so ein bisschen die Angst verlieren, vielleicht später auch ihr Geld an der Börse anzulegen. Das glaub ich bestimmt, dass da die Ängste abgebaut werden, dadurch. Und dass sie einfach lernen, ok, was gibt es denn da eigentlich, es gibt ja nicht nur Aktien, es gibt ja auch fest verzinsliche Wertpapiere. Und welche Unternehmen in Deutschland sind überhaupt Aktiengesellschaften, was ist das überhaupt, also. Und ein Aspekt ist ja auch immer diese Nachhaltigkeit, das kann man immer auch ganz gut in dem Zusammenhang thematisieren, finde ich. Und da wird dann auch mal so ein Nachhaltigkeitsindex ausgerechnet und das finde ich auch durchaus sinnvoll, ja. (Interview IX, GYM)

Die Tatsache, dass die Lehrperson bereits Schülerinnen und Schüler am „Planspiel Börse“ teilnehmen lässt, denen unterrichtliches Vorwissen noch fehlt, deutet möglicherweise darauf hin, dass motivationale Aspekte zur Teilnahme am Planspiel hier im Vordergrund stehen („Die Schüler fragen. Also, eigentlich kommt das Thema ja erst so grundlegend erst in Klasse 9, aber ich mache das jetzt schon mit meinen, WPK in 8. Weil die einfach das gerne machen wollen auch, weil die das super finden und einige haben vielleicht von zu Hause auch schon so ein bisschen Hintergrund usw.“). Auf die Nachfrage der Interviewerin, was die Schülerinnen und Schüler bei der Teilnahme lernen würden, werden vorrangig fächerübergreifende Kompetenzen (Informationsbeschaffung, Teamarbeit) bzw. eine Einstellungsänderung gegenüber Aktien genannt („Das glaub ich bestimmt, dass da die Ängste abgebaut werden, dadurch.“).

Eine Politik-Wirtschafts-Lehrperson, die aktuell nicht am „Planspiel Börse“ teilnahm, kritisierte hingegen Angebote wie dieses, aber auch Gründungswettbewerbe, da diese ökonomische Zusammenhänge aus Sicht der Lehrperson stark verkürzend und unkritisch vermitteln würden. Die Lehrperson kritisiert hieran, dass die Führung eines Unternehmens hier auf Kosten-Nutzen-Entscheidungen reduziert werde und ethisch-moralische Entscheidungen, seiner Ansicht nach, eine zu geringe Rolle spielen würden:

Es gibt, finde ich, auch sehr unkritische Börsenspiele. Es gibt sehr unkritische Planspiele. Ich habe einmal mitgemacht bei diesem Juniorplanspiel. (Dieses Gründungs …) Genau, da geht es um eine Existenzgründung. Wunderbar, fanden die Schüler total klasse. Aber da geht es wirklich nur darum, wie werden wir unsere Produkte los und wie führt man quasi Steuern ab und was sind Lohnnebenkosten oder so. Und es geht wirklich nur um eine reine Kosten-Nutzen-Entscheidung. Und dieser ganze Aspekt von ethischen Fragestellungen, von moralischen Fragestellungen kommt da teilweise schon sehr zu kurz […]. (Interview X, GYM)

Eine weitere Methode, die die Lehrpersonen als besonders geeignet für den Wirtschaftsunterricht beschrieben, ist die Arbeit mit Fallbeispielen. Diese können nach Vorstellung der Lehrpersonen dazu eingesetzt werden, die von ihnen als abstrakt und komplex beschriebenen ökonomischen Zusammenhänge zu konkretisieren und den Schülerinnen und Schülern anschaulich zu verdeutlichen [4]. Insbesondere Lehrpersonen an der Oberschule äußerten, dass es wichtig und notwendig sei, im Wirtschaftsunterricht durch Beispiele Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herzustellen und diese auch als Ausgangspunkt zur Vermittlung ökonomischer Inhalte zu nutzen [14]. Dies zeigt der folgende Interviewauszug exemplarisch:

Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, eben zu versuchen, wie gesagt, mit Fallbeispielen zu versuchen zu arbeiten. So gut, wie es geht, den Schüler auch mit ihrer eigenen Realität schon einzubeziehen. Sie auch mal zu fragen: Hier ein Beispiel. Ein Schüler, der hat heute Nachmittag ein Vorstellungsgespräch, wir haben uns so unterhalten. Du hast bei der Name Unternehmen ein Vorstellungsgespräch. Ich würde dich fragen, wie sieht es denn aus? Wie viel Geld hast du? Was machst du denn mit deinem Geld? Wo kriegst du das denn her? Das sind so Dinge. Und das eben auch mit in den Unterricht mit einzubeziehen. Zu sagen, wie viel Geld gibst du wofür aus? Mensch, glaubst du, du kannst das ewig machen. Heute ist es ja noch so, dass die es netto haben. Also, vom Schlagwort her, ihre Lebenswirklichkeit mit reinzunehmen. Und nicht von außen aufgesetzt diese großen Begrifflichkeiten zu nehmen. Da können sie nichts mit anfangen. Sie sind teilweise noch nicht in der Lage, Texte wirklich richtig zu lesen. (Interview IV, OBS)

Für Wirtschaftslehrpersonen, die Schülerfirmen im Rahmen ihres Wirtschaftsunterrichts und darüber hinaus betreuen, spielte diese Methode ebenfalls eine besondere Rolle innerhalb der von ihnen geäußerten Vorstellungen zu Methoden im Wirtschaftsunterricht [15]. Eng mit der Methode der Schülerfirma verbunden sind andere Methoden der Entrepreneurship Education, die zumeist auf eine kürzere Dauer angelegt sind und zu denen von den Lehrpersonen ähnliche Vorstellungen geäußert wurden.

Die Schülerfirma wurde als umfassendes Lehr-Lern-Arrangement beschrieben, innerhalb dessen sich sowohl ökonomische[16] als auch fächerübergreifende Fähigkeiten und Fertigkeiten, vor allem das selbstständige und eigenverantwortliche Arbeiten, lernen lassen würden [17] . Verschiedene Lehrpersonen berichteten von großem Engagement aufseiten der Schülerinnen und Schüler [18] und davon, dass sie selbst ebenfalls sehr viel Motivation aus dieser Art zu lehren und zu lernen ziehen würden. Gleichzeitig beurteilten sie insbesondere den organisatorischen Arbeitsaufwand für sie als Lehrpersonen als sehr hoch und wünschten sich mehr Unterstützung bei der Schülerfirmenarbeit, v. a. von Praxispartnern aus der Wirtschaft [19]. Der folgende exemplarische Auszug aus einem Interview einer Wirtschaftslehrerin an der Oberschule verdeutlicht diese verschiedenen Aspekte:

Die haben erst einmal die Zusammenhänge ganz klar gelernt. Dass es alles in einer Firma dann zusammenspielen muss. Marketing und, ja, die Buchhaltung und das eine nicht ohne das andere funktioniert, sozusagen. Dass man verbindliche Pflichten hat. Wir mussten ja zum Beispiel Protokolle abgeben, Steuern zahlen. Wenn das nicht zum gesagten Termin gemacht war, gab es eben Punkteabzug oder auch einmal Mahnungen, so in der Art. Und da flogen manchmal auch ganz schön die Fetzen unter den Kollegen und der Geschäftsführung. Das wurde ja alles von den Schülern übernommen. Und das war unheimlich interessant anzusehen, wie denn mal ein Schüler in die Rolle des Geschäftsführer, weil er jetzt verantwortlich war für die Firma und da dann mal Tacheles sprechen musste oder ähnliches. Das war schon gut und natürlich Verantwortlichkeit für ihr Produkt. Wenn wir jetzt nicht kommen zum Produzieren, wird es gar nicht hergestellt, wir gehen pleite, wir haben, sind verantwortlich unseren Aktionären gegenüber, sozusagen. Und so diese ganzen Abläufe mussten natürlich verstanden werden. Man führt erst immer vorher, morgens eine Teambesprechung gemacht, was liegt heute an, was funktioniert in der Firma, was funktioniert nicht, woran müssen wir heute arbeiten und. Ja, Selbstständigkeit haben die da vor allen Dingen gelernt, ne, es war für, wir waren zwei Lehrpersonen und ein Wirtschaftspate unheimlich viel Arbeit außerhalb des Unterrichts, aber im Unterricht waren wir eigentlich nur beratend und begleitend dabei und das war ganz gut. (Interview XIV, OBS)

Eine weitere Gruppe an Makromethoden, die aus Sicht der Lehrpersonen als für den Wirtschaftsunterricht relevant dargestellt wurde, sind Simulationsmethoden, die die Übernahme von Rollen und Perspektiven mit spielerischen Elementen vereinen: Planund Rollenspiele bzw. andere Spiele, die im Wirtschaftsunterricht Einsatz finden. Diese wurden als geeignet dafür angesehen, Perspektiven und Positionen [20], aber auch ökonomische Zusammenhänge deutlich zu machen und komplexes Denken zu fördern [16]. Das spielerische Lernen, welches solche Methoden aus Sicht der Lehrpersonen im Wirtschaftsunterricht ermöglichen würden, wurde positiv hervorgehoben, da hier das ökonomische Lernen en passant erfolgen und zudem nachhaltig behalten würde [22].

Insbesondere an den Planspielen, aber auch an anderen umfangreicheren Makromethoden wurde der hohe Organisationsaufwand von den Lehrpersonen kritisiert und von einzelnen als Hemmnis benannt, warum sie diese Methoden bisher noch nicht im Wirtschaftsunterricht eingesetzt hätten[23]. Makromethoden, die nur von einzelnen Lehrpersonen als fachspezifisch und besonders geeignet benannt werden, sind Debatte [24] und Talkshow[16], die Szenariotechnik [26] und die Potenzialanalyse [27] , die an einer Oberschule zur Berufsorientierung eingesetzt wird. Ökonomische Experimente wurden von keiner Lehrperson benannt. Außerdem wurden nur wenige Mikromethoden von den Lehrpersonen explizit zur Methodik des Wirtschaftsunterrichts gerechnet bzw. vom Einsatz solcher Methoden berichtet [28].Als Mikromethoden wird im Rahmen der Interviews lediglich Bezug auf nicht fachspezifische Methoden genommen, wie Arbeit mit Texten, Befragungen durchzuführen oder Gruppenpuzzle.

Mit Blick auf die Sozialformen ist festzustellen, dass die Lehrerinnen und Lehrer die Bedeutung der Gruppenarbeit im Wirtschaftsunterricht als Sozialform hervorhoben [29]. In Gruppenarbeiten würden die Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig Diskussionsanstöße geben und die Lernergebnisse von diesem Austausch profitieren[17]. Auch für den Erwerb fächerübergreifender sozialer Kompetenzen hielten die Lehrpersonen die Gruppenarbeit für besonders geeignet und hoben ihre Bildungsrelevanz auch mit Blick auf das spätere Berufsleben der Schülerinnen und Schüler hervor [19]. Da die Lehrpersonen im Rahmen der Wünsche zur Verbesserung des Wirtschaftsunterrichts vielfach schilderten, dass die räumlichen Gegebenheiten in der Schule Gruppenoder Projektarbeit erschweren oder verhindern würde [32], ist fraglich, inwiefern die Lehrpersonen diese Vorstellungen im Unterrichtsalltag gemäß ihrer Präferenz umsetzen (können). Der Lehrervortrag [33] und andere Sozialformen des Unterrichts wurden hingegen nur von einzelnen Lehrpersonen explizit als geeignet für den Wirtschaftsunterricht befunden. Inbesondere in Bezug auf diese Äußerungen zu den Sozialformen ist soziale Erwünschtheit als Intervieweffekt nicht auszuschließen.

In Bezug auf die Lehrervorstellungen von Wirtschaftslehrpersonen zu Lehr-Lern-Methoden des Wirtschaftsunterrichts ist festzustellen, dass insbesondere Makromethoden wie Erkundung und/oder Expertengespräche, aber auch Wettbewerbe, Spiele und Simulationen, wie die Schülerfirma, Planspiele und Rollenspiele, von den Lehrpersonen als fachspezifisch und für das Lernen und Lehren einflussreich geschildert wurden. Bei den geäußerten Vorstellungen wird die Bedeutung der Lernmotivation für die Auswahl von Methoden von den Lehrpersonen hervorgehoben. Hier deutet sich eine Vernachlässigung der inhaltlichen Dimension des fachdidaktischen Implikationszusammenhangs an.

Auch wenn die Lehrpersonen diese Methoden als besonders lernwirksam beschrieben, wird gleichzeitig deutlich, dass der teilweise sehr hohe organisatorische Aufwand und die Problematik, diese zum Teil sehr umfangreichen Methoden in der knappen Unterrichtszeit des Wirtschaftsunterrichts durchzuführen, und andere schulische Rahmenbedingungen für einige Lehrpersonen ein großer Hinderungsgrund sind, diese Methoden einzusetzen bzw. öfter einzusetzen. Exemplarisch wird dies in der folgenden Äußerung einer Politik-Wirtschafts-Lehrerin am Gymnasium deutlich. Sie beschrieb beispielsweise die Klassengröße [34] als Argument dagegen, auch Planspiele im Wirtschaftsunterricht durchzuführen:

Aber um es kurz zu fassen, das ging nach hinten los, war wahnsinnig komplex das durchzuführen und aus meiner Sicht im Unterricht schwer einzubauen. In der Oberstufe hat man immer den Abdruck, wir müssen das und das schaffen. Achte, neunte Klasse ist manchmal noch nicht in der Lage, (…) ja, da so in so einer großen Gruppe, hätte man kleinere Klassen, wäre es vielleicht was anderes, da so konzentriert und zielgerichtet zu arbeiten. Ich habe es noch nie gemacht. (Interview VI, GYM)

Ähnliche Vorbehalte bzw. Probleme wurden auch in der Analyse der Vorstellungen zu Methodeneinsatz und -umsetzung ersichtlich, die im Folgenden dargestellt werden. In der Analyse der Vorstellungen zu Methoden und Sozialformen wurde deutlich, dass die Methodenauswahl maßgeblich vor dem Hintergrund lerntheoretischer Begründungen erfolgte und die inhaltliche ökonomische Dimension kaum angesprochen wurde.

  • [1] Vgl. Interview I, II, III, IV, V, VI, VII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV
  • [2] Vgl. Interview I, II, III, IV, V, VII, IX, X, XI, XIII, XV
  • [3] Vgl. Interview XII, XIII, XV
  • [4] Vgl. Interview IX
  • [5] Vgl. Interview V, VII, XIII
  • [6] Vgl. Interview I, II, III, V
  • [7] Vgl. Interview I, VII, XII, XV
  • [8] Vgl. Interview V, IX, X, XI, XII, XIII
  • [9] Das „Planspiel Börse” ist ein Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler und Studierende, der bundesweit von der Sparkasse angeboten wird. Im Rahmen des Wettbewerbs wird der Wertpapierhandel am Aktienmarkt mit virtuellem Kapital, jedoch realen Kursen simuliert
  • [10] Vgl. Interview XII
  • [11] Vgl. Interview IX, X, XII
  • [12] Vgl. Interview IX
  • [13] Vgl. Interview IX
  • [14] Vgl. Interview II, IV, VI
  • [15] Vgl. Interview IX, XI, XIII, XIV
  • [16] Vgl. Interview XI
  • [17] Vgl. Interview XIV
  • [18] Vgl. Interview IX, XIII
  • [19] Vgl. Interview XIII, XIV
  • [20] Vgl. Interview V
  • [21] Vgl. Interview XI
  • [22] Ebd
  • [23] Vgl. v. a. Interview VI
  • [24] Vgl. Interview VII, XV
  • [25] Vgl. Interview XI
  • [26] Vg. Interview XIV
  • [27] Vgl. Interview XII
  • [28] Vgl. Interview VII, IX, XI, XII
  • [29] Vgl. Interview IV, V, VIII, IX, XIV
  • [30] Vgl. Interview XIV
  • [31] Vgl. Interview XIII, XIV
  • [32] Vgl. v. a. Interview V
  • [33] Vgl. v. a. Interview IX
  • [34] Die Überschätzung der Klassengröße ist eine Lehrervorstellung, die sich auch in anderen Lehrerbefragungen findet (vgl. Köller et al. 2013, S. 53).
 
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