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6.5.2 Methodeneinsatz und -umsetzung

Einige Lehrpersonen äußerten die Vorstellung, bestimmte fachspezifische Methoden des Wirtschaftsunterrichts seien aufgrund ihres Umfangs für die Umsetzung im regulären Unterricht nicht geeignet [1]. Dies wird exemplarisch an der Äußerung eines Lehrers an der Oberschule deutlich, der neben dem zeitlichen und organisatorischen Aspekt auch die fehlende didaktisch-methodische Ausbildung fachfremd unterrichtender Lehrpersonen als Ursache dafür benannte, warum umfangreiche Makromethoden nur wenig im Wirtschaftsunterricht eingesetzt würden.

Also, ich denke zum Beispiel, wenn wir jetzt vom Rollenspiel ausgehen, das ist gut umzusetzen, das ist dann ja auch eine Sache, wenn wir über irgendwelche Szenarien sprechen, dann wird's, glaube ich, schon schwieriger, auch Lernspiele sind relativ schwierig einzusetzen im normalen Unterricht, wenn es umfangreichere Aspekte sind, also hier werden da richtige Seminar und Planspiele, das findet in der Praxis nicht statt. Und das ist auch, wenn man zwei Stunden oder manchmal nur eine Stunde Wirtschaftsunterricht hat und irgendwie noch Organisatorisches zu klären hat oder das fachfremd gemacht wird, dann wird man das auch nicht erleben. Da bin ich mir relativ sicher. (Interview I, OBS)

Auch andere Lehrpersonen betonten, dass sie umfangreichere fachspezifische Makromethoden, wie das Planspiel, zwar gerne ausprobieren und einsetzen würden, dass die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsunterrichts und ihr fehlendes methodisches Wissen zu solchen Methoden sie jedoch hiervon abhalten würden [2]. Insbesondere ein Oberschullehrer, der auch in der Lehrerausbildung tätig ist, hob hervor, dass Aufwand und Ertrag insbesondere bei den Makromethoden des Wirtschaftsunterrichts nicht in einem ausgewogenen Verhältnis stehen würden und der Einsatz, der mit einem hohen Aufwand verbunden sei, sich nicht lohnen würde [3]. Dies ist seiner Ansicht nach ein Grund, weshalb der Einsatz fachspezifischer Methoden im Wirtschaftsunterricht in der Praxis wenig verbreitet sei.

Ja, also, ich war Wirtschaftsseminarleiter und ich könnte nicht alle fachspezifischen Methoden jetzt aufzählen, die bei Autor im Buch stehen. Also, das ist, glaube ich, schon ein deutliches Zeichen, wenn wir jetzt eine Schule fragen, denen fällt nicht eine einzige ein. Die kennen das gar nicht. Vielleicht auch also die haben das vielleicht einmal gehört, als Wirtschaftskollege habe ich hier auch studiert, aber die wenden es nicht an, weil es nicht praktikabel ist. (Interview I, OBS)

Ihr Wissen zu Methoden für ihren Wirtschaftsunterricht stamme aus Studium und Referendariat, so die Selbsteinschätzung verschiedener Lehrpersonen [4]. Diese Selbsteinschätzung wird dadurch unterstützt, dass die Auswertung des Begleitfragebogens zeigte, dass die befragten Lehrpersonen nur in geringem Umfang an Fortbildungen mit ökonomischem Bezug teilgenommen haben. Besonders Wirtschaftslehrpersonen an Oberund Realschulen, die ein Lehramtsstudium im Fach „Wirtschaft“ absolviert haben, berichteten von einem Methodenrepertoire, welches ihnen Handlungssicherheit in ihrem Wirtschaftsunterricht verleihe. Vor allem eine Politik-Wirtschafts-Lehrerin am Gymnasium, aber auch eine Oberschullehrerin in Ausbildung betonte, dass ihnen zum Wirtschaftunterrichten entsprechendes methodisches Wissen fehle. In der folgenden Äußerung der Politik-Wirtschafts-Lehrerin wird deutlich, dass sie dieses fehlende Methodenrepertoire und methodisch-didaktisches Wissen für ökonomische Bildung allgemein als Manko ansah und ihr deshalb auch das Wirtschaftunterrichten weniger Freude bereiten würde:

(...) also, ich sage, ich finde ja das Problem immer, dass mein Repertoire nicht so groß ist. […] weil ich, wie gesagt, finde, mir fehlen die Methoden. Für manche Methoden fehlt einem die Zeit. Bei mir ist es eben auch das fehlende methodische Wissen. Aber ich versuche eben schon mit authentischem Material zu arbeiten. Und das ist dann sehr praxisnah. […] Gut, ich finde man kann ja, also, wenn man nicht didaktisch ausgebildet wurde, kann man, glaube ich, nie so gut sein, als wenn man didaktisch ausgebildet wurde. Ich glaube, daher kommt das eher. Also, das ist nicht das Fach an sich oder die Wissenschaft an sich. Das war jetzt einfach eher Zufall, dass mich Soziologie ein bisschen mehr interessiert hat. Wirtschaft fand ich auch schon immer interessant. Und ich bin auch nicht so der Zahlenjonglierer […] so generell. Ja, ich fühle mich nicht so sicher ausgebildet einfach. Und wenn man selber guten, abwechslungsreichen Unterricht plant, macht der auch mehr Spaß. Und in Politik gehöre ich, glaube ich, zu den Lehrern, die sehr methodenvielfältig arbeiten. Und in Ökonomie geht so. (Interview VI, GYM)

Im Hinblick auf den Einsatz von Makromethoden im Wirtschaftsunterricht hoben verschiedene Lehrpersonen hervor, dass der didaktische Dreiklang von (1) Vorbereitung, (2) Durchführung und (3) Auswertung der Methode im Unterricht zu berücksichtigen sei [5]. Jedoch betonten die Lehrpersonen auch, dass man mit einem solchen Anspruch an die Durchführung von Methoden vor allem im zweistündigen Regelunterricht schnell an seine Grenzen gerate: „Wenn man gescheit reflektieren will, brauche ich mindestens zwei Doppelstunden dafür, Vorbereitung, Durchführung und Reflexion. Das ist eine Woche, das ist echt viel. Also, das (…) hat mich, ja, hat mich teilweise ziemlich desillusioniert.“ (Interview X, GYM).

Die Lehrpersonen äußerten außerdem, der jeweilige Methodeneinsatz hänge neben dem jeweiligen zu vermittelnden Inhalt, der primär bei der Frage nach der jeweiligen Methode zu berücksichtigen sei, stark von den Voraussetzungen der jeweiligen Lerngruppe ab [6]. In den folgenden exemplarischen Äußerungen wird deutlich, dass der Methodeneinsatz aus Sicht der Lehrpersonen vom Inhalt her gedacht werden müsse und Alter und Entwicklungsstufe der Schülerinnen und Schüler und Sozialgefüge der jeweiligen Klasse ebenfalls wesentlic dafür seien, für welche Methode sich die Lehrpersonen entscheiden würden:

Wir lernen ja gerade, dass alle Methoden gehen und da kommt es, auf das Thema kommt es ja an. Von daher kann ich nicht sagen, dass es da Methoden gibt, die ungeeignet sind. (Interview III, OBS)

Also, ich finde, und auch von der Klasse. Das ist immer so eine Geschichte. Man hat nachher so Methoden, die funktionieren, und es gibt auch Methoden, die sind supertoll, die funktionieren aber in bestimmten Klassen nicht. Also, wenn ich eine leistungsstarke Klasse habe, die gut zum Beispiel in Gruppen arbeitet, dann kann ich Gruppenpuzzle machen, dann kann ich Expertengruppen und so was. Dann geht das alles, dann trainiert man das ein paar Mal und dann läuft das. Habe ich aber eine Klasse, wo es Schwierigkeiten gibt, wo Konflikte sind, wo schon eine Gruppenbildung schwierig wird, dann gibt es halt bestimmte Methoden, die nicht infrage kommen, ne. Das ist, das ist dann einfach so. (Interview XII, RS)

Im Gegensatz zu der in diesen Interviewauszügen bekundeten Relevanz der Passung zwischen Inhalt und Methode wurde dies jedoch nicht ausgeführt. Die inhaltliche Dimension spielte in den Vorstellungen zu Methoden keine oder nur eine marginale Rolle.

Darüber hinaus wird die Methodenvielfalt für die Motivation der Schülerinnen und Schüler auch im Wirtschaftsunterricht von den Lehrpersonen als sehr wichtig erachtet [7] und diese könne insbesondere über Methoden erzeugt werden, die eine hohe Handlungsorientierung bzw. Eigenaktivität der Lernenden ermöglichen oder einen direkten Praxisbezug aufweisen würden [8]. Diese Vorstellungen stehen im Widerspruch dazu, dass „Handlungsorientierung“ bei der Erhebung der Vorstellungen zu den fachdidaktischen Prinzipien des Wirtschaftsunterrichts nur eine untergeordnete Rolle spielte [9].

Fasst man die Ergebnisse zu Vorstellungen zu Methoden und deren Einsatz und Umsetzung im Wirtschaftsunterricht zusammen, wird einerseits deutlich, welche zentrale Bedeutung Makromethoden innerhalb der Vorstellungen der Lehrpersonen zum Wirtschaftsunterricht einnahmen, und andererseits, dass verschiedene Hemmnisse in Bezug auf deren Einsatz und die Umsetzung im Unterricht geäußert wurden. Hier deutet sich eine Diskrepanz zwischen einer hohen subjektiven Bedeutung, die den Makromethoden von den Lehrpersonen als fachspezifische Methoden des Wirtschaftsunterrichts zugesprochen wurde, und einer möglicherweise nicht eine dieser Priorität entsprechenden Umsetzung im Unterrichtshandeln an. Dies sei nach Äußerung der Lehrpersonen beispielsweise auf die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsunterrichts, wie eine unzureichende fachdidaktischmethodische Ausbildung fachfremd unterrichtender Lehrpersonen, und das damit verbundene fehlende Handlungswissen sowie auf die engen zeitlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen des Wirtschaftsunterrichts zurückzuführen. Es ist davon auszugehen, dass dies insbesondere für das Fach „Politik-Wirtschaft“ gilt, da im Rahmen des Integrationsfaches bei gleicher Stundenanzahl weniger Zeit für das Lehren und Lernen der einzelnen Disziplin bleibt. In dieser Vorstellungsstudie ist diese Frage und die damit verbundene Hypothese nicht zu klären. Die Sichtbarmachung dieser verschiedenen Vorstellungen macht jedoch deutlich, dass eine Erforschung des methodischen Anspruchs und seiner Umsetzung in der Praxis des Wirtschaftsunterrichts eine anschließende Forschungsfrage wäre, die in einer Kombination aus Vorstellungserhebung und Unterrichtsbeobachtung zu beantworten wäre (vgl. Kapitel 8).

  • [1] Vgl. Interview I, III, VI, XII.
  • [2] Vgl. Interview VI, XII
  • [3] Vgl. Interview I
  • [4] Vgl. Interview XII, XIII, XV
  • [5] Vgl. Interview I, II, IV, X
  • [6] Vgl. Interview III, IX, XI, XII XIV, XV
  • [7] Vgl. Interview II, V, IX, X
  • [8] Vgl. Interview II, III, IV, IX
  • [9] Vgl. u. a. Interview XV
 
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