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4.8 Relevante Steuerungsgrößen

Basierend auf den Erkenntnissen aus den analysierten Studien und der Struktur der Ratings der Agenturen S&P, Moody's und Fitch werden im Folgenden die relevanten Kennzahlen für die DAX Unternehmen ausgewählt.

Ausgewählt wurden:

- EBIT und EBITDA Interest Cover Ratio sollen die Schuldendienstfähigkeit eines Unternehmens feststellen.

- Die Leverage Ratio gibt Aufschluss über den Verschuldungsgrad.

- Der Verschuldungskoeffizient, das Working Capital und die Eigenkapitalquote sollen einen Aufschluss über die Bilanz bzw. Kapitalstruktur geben.

4.8.1 EBIT und EBITDA Interest Cover Ratio

Nach der Studie von Roland Berger verwenden 64% der befragten Unternehmen in ihren Kreditverträgen die EBITDA Interest Cover Ratio. Ebenso kamen die Untersuchungen von Hannen und Mather / Peirson zu dem Schluss, dass die EBITDA Interest Cover Ratio eine der wesentlichsten Kennzahlen in Kreditverträgen ist, da sie die Schuldendienstfähigkeit des Gläubigers abbildet. Der weitere Trend zu Cash Flow orientierten Covenants wurde ebenso von Moir und Sudarsanam in einer Untersuchung 2006 festgestellt. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass im Vergleich zu früheren Untersuchungen das EBITDA für Zinsdeckung und Verschuldungskennzahlen an großer Bedeutung gewonnen hatte.

Ebenfalls wird von allen Ratingagenturen eine Zinsdeckung berechnet. S&P berechnet in seinen Key Rating Criterias die EBIT und die EBITDA Interest Cover Ratio. Moody's setzt in seinen Berechnungen stärker auf das EBITA (Earnings before Interest Taxes and Amortization), welches im Gegensatz zum EBIT die Abschreibungen auf Sachanlagevermögen sowie immaterielle Vermögenswerte berücksichtigt. Die Agentur Fitch sieht in ihren grundsätzlichen Ratingkriterien keine EBIT oder EBITDA Interest Cover Ratio vor. In dem Modell von Fitch werden grundsätzlich verstärkt Cash Flow orientierte Größen verwendet, wodurch hier der Zinsdeckungsgrad im Verhältnis zum Cash Flow (FFO oder FCF) gemessen wird.

Basierend auf der Relevanz, welche der EBIT Interest Cover Ratio sowie der EBITDA Interest Cover Ratio in aktuellen Umfragen und Studien sowie von Ratingagenturen zugemessen wird, werden diese Kennzahlen für die Simulation im empirischen Teil der Arbeit verwendet. Einzig von Fitch wird diese Kennzahl nicht verwendet, da hier Ratings eher über den Cash Flow berechnet werden.

4.8.2 Leverage Ratio

Der Verschuldungsgrad eines Unternehmens stellt nach der Studie von Roland Berger sowie für alle Rating Agenturen eine wesentliche Kennzahl dar. S&P sowie Moody's berechnen die Leverage Ratio als Verhältnis zwischen EBITDA und Verschuldung. Fitch zieht für seine Berechnungen der Verschuldung das EBITDAR (Earnings before Interest, Taxes, Depreciation, Amortization and Rental Expenses) heran. Das EBITDAR schließt im Gegensatz zum EBITDA zusätzlich noch die Zahlungen für Operating Lease Verhältnisse aus. Für die Simulation im empirischen Teil wird die Leverage Ratio, wie im überwiegenden Teil der analysierten Literatur, über das EBITDA berechnet.

4.8.3 Verschuldungskoeffizient (Gearing Ratio), Eigenkapitalquote, Working Capital

Die Kapitalstruktur eines Unternehmens wird herangezogen, um die Verschuldung bzw. die finanziellen Möglichkeiten zu messen. Nach einer Studie von Roland Berger haben 28% der Unternehmen, welche in ihren Kreditverträgen Covenants vereinbart haben, eine Vereinbarung bezüglich der Kapitalausstattung (Debt to Equity Ratio) getroffen. Standard & Poor's hat in seinen Key Rating Criterias ebenfalls die Eigenkapitalquote angeführt. Im Falle von Moody's wird die Kapitalausstattung eines Unternehmens ebenso in die Berechnung des Ratings mit einbezogen. Dies geschieht je nach Branche mit unterschiedlicher Gewichtung, wie in Tabelle 4: Ratingkriterien zu sehen ist. Fitch betrachtet im Rahmen seiner Ratings die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens, um so die Widerstandsfähigkeit bei wirtschaftlichen Turbulenzen festzustellen.

In der Literaturanalyse konnte keine eindeutige Präferenz für eine Kennzahl festgestellt werden. Sowohl in Kreditverträgen als auch bei Ratings spielt die Kapitalausstattung eine wesentliche Rolle, jedoch divergieren die verwendeten Kennzahlen stark. Aus diesem Grund wird im Rahmen der empirischen Analyse der Geschäftsberichte der Verschuldungsgrad, das Working Capital sowie die Eigenkapitalquote der jeweiligen Unternehmen berechnet.

 
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