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1 Einleitung

1.1 Hintergrund

Globalisierung und Wettbewerbsdruck haben dazu geführt, dass Arbeitsprozesse in Unternehmen zunehmend optimiert und aufgrund moderner Kommunikationsmittel stetig beschleunigt werden. In den Industrieländern, die ihre Wertschöpfung zunehmend durch den tertiären Dienstleistungssektor generieren, sind die Güter „Informationen“ und „Wissen“ von ganz besonderer Bedeutung. Die Geschwindigkeit der Generierung von Informationen und die Komplexität der Informationsverarbeitung steigen. Elektronische Medien und das Web 2.0 tragen einen bedeutenden Teil hierzu bei.

Auf dem Weg von der Dienstleistungsgesellschaft zur Wissensgesellschaft [1] unterstützen Computer den Menschen bei der Verarbeitung von Informationen zu neuem Wissen und bei dessen Dokumentation. Die computerbasierte Verarbeitung von Informationen in einer Geschwindigkeit, die das menschliche Gehirn alleine nicht fähig ist zu leisten, führte zu einer zunehmenden Produktivitätssteigerung in den Industrienationen.

Der technische Fortschritt und die Globalisierung von Produktionsprozessen haben dazu geführt, dass unter anderem in Deutschland die körperliche Arbeitsbelastung in den letzten Jahrzehnten enorm abgenommen, die psychische Beanspruchung hingegen sehr stark zugenommen hat. Diese Anforderungsverlagerungen führen folglich zu neuen Schwerpunkten der Beanspruchung und somit auch der nötigen (kognitiven) Erholung, auf die Arbeitgeber und Arbeitnehmer reagieren müssen. [2]

Ein großer Teil der Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet überwiegend an Computerarbeitsplätzen und generiert seine Arbeitsleistung mithilfe verschiedener Kommunikationsmittel und vor allem durch die Fähigkeiten seines Gehirns.

Körperliche Leiden haben sich durch den Wandel der Arbeitsbelastungen verändert, sind aber insgesamt geringer geworden. Psychische Erkrankungen werden in den letzten Jahren hingegen immer öfter diagnostiziert. [3]

Auch wenn der Anteil der Arbeitsunfähigkeitsfälle durch psychischen Erkrankungen mit 5,5 %[4] im Verhältnis zu anderen Erkrankungen nur den siebten Rang einnimmt, so wird die zunehmende Bedeutung dieser Arbeitsunfähigkeitsursache durch die Anzahl der Fehltage eines Betroffenen deutlich. Psychische Erkrankungen haben seit 2012 erstmals den zweitgrößten Anteil an Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage) in Deutschland. [5] Durchschnittlich 33,2 Tage fällt ein Betroffener durch eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit aus, wodurch dieser Krankheitsverlauf zu den kostenintensivsten Erkrankungen gehört. [6] Psychische Erkrankungen können diverse Ursachen haben. Die diagnostizierten Fälle des Burnout-Syndroms, innerhalb der Kategorie „Psychische Erkrankungen“, führen durchschnittlich sogar zu 37,1 AU-Tagen. [7]

Ebenso spielen psychische Erkrankungen bei der frühzeitigen Berentung eine immer größer werdende Rolle[8] und bilden gemeinsam mit psychosomatischen Erkrankungen bei den Frührenten aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit den größten Anteil. [9]

Neben der Belastung die für die Sozialversicherungsträger entsteht, führen Frühberentungen im Kontext des demografischen Wandels und des bereits bestehenden Problems des Fachkräftemangels in Deutschland zur Verschärfung der Arbeitsmarktsituation und haben somit auch einen Effekt auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Der Begriff des Burnout[10], der von Herbert J. Freudenberger zum ersten Mal beschrieben wurde, hat sich seit 1974 von Amerika aus nach Europa verbreitet und ist zunehmend auch zu einem Modewort geworden, über das es zahlreiche Veröffentlichungen gibt. [11] Es ist schwierig, Burnout klar zu diagnostizieren, da häufig multikausale Zusammenhänge vorliegen, die bei einem Betroffenen zu den typischen Überlastungserscheinungen und Depressionen führen. [12] Schon die diagnostische Einordnung von „Burnout“ innerhalb des Diagnoseklassifikationssystems der Weltgesundheitsorganisation birgt gewisse Schwierigkeiten und Ungenauigkeiten bei der Analyse der tatsächlichen Burnout-Fälle.

Um den Begriff Burnout für diese Ausarbeitung zu konkretisieren, wird im Folgenden der Begriff „arbeitsbedingte Belastungsreaktionen“[13]verwendet, der sich in dieser Arbeit auf die psychische Belastung bezieht. Dieser Begriff umschreibt treffend die Situation von überlasteten Arbeitnehmern, für deren Prävention die angefertigten Forschungsarbeiten Grundlagen schaffen sollen.

Geistige Überforderungen durch eine zunehmende Informationsflut und gestiegene Anforderungen bezogen auf Reaktionszeiten und Multitasking am Arbeitsplatz führen oftmals zu arbeitsbedingten Belastungsreaktionen.

1.2 Zielsetzung

Um diesen Belastungsreaktionen entgegenzuwirken, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer präventiv handeln und belastende Situationen rechtzeitig erkennen oder verhindern. Die nachfolgende Arbeit setzt die Hypothese zu Grunde, dass durch das Erkennen von mentaler Überbelastung am Arbeitsplatz und einem rechtzeitigen Intervenieren, die arbeitsbedingten Belastungsreaktionen verringert werden können. Die Einschätzung der kognitiven Belastung von Arbeitnehmern erfolgt mithilfe des Elektroenzephalogramms (EEG), welches die physischen Reaktionen des Gehirns misst.

Aufbauend auf dieser Grundannahme, sollen durch die Arbeit und die begleitende empirische Studie, Belastungen von Probanden über einen bestimmten Zeitraum gemessen und durch Zusammenfassen der Ergebnisse standardisierte Aufmerksamkeitsprofile erstellt werden.

Die zu erstellenden Aufmerksamkeitsprofile sollen in einem zweiten Schritt dazu dienen, Aussagen über ein gesundheitsoptimiertes Arbeitsverhalten, insbesondere an Computerarbeitsplätzen, treffen zu können.

1.3 Aufbau der Arbeit

Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen und der thematischen Einordnung des Themengebietes in den betriebswirtschaftlichen Kontext. Hier werden die zu einem besseren Verständnis des Themas notwendigen Begriffe erläutert und in Zusammenhang mit den geleisteten Forschungsarbeiten gebracht.

In Kapitel fünf werden das Studiendesign sowie das methodische Vorgehen bei den EEG-Messungen ausführlich dargestellt. Die statistische Auswertung der Aufgaben und der EEG-Daten erfolgt in Kapitel sechs. Hier werden die Ergebnisse analysiert, interpretiert und anhand von entwickelten Hüllkurven optisch dargestellt. Am Ende des sechsten Kapitels werden zu dem die Studienergebnisse zusammengefasst.

Abschließend werden die erste Hinweise und Ableitungen für den betriebswirtschaftlichen Einsatz formuliert, ein Ausblick auf weitergehende Forschungsfragen gegeben und Fragen angeführt, die bei einem praktischen Einsatz der Aufmerksamkeitsprofile im Unternehmen zu diskutieren wären.

  • [1] Siehe hierzu z.B. Stehr (1994), Dueck (2010)
  • [2] Vgl. Hacker, W., Allgemeine Arbeitspsychologie, 2005, S. 36.
  • [3] Vgl. BKK Bundesverband, BKK Gesundheitsreport 2012, S.14.
  • [4] Vgl. DAK-Gesundheit, Gesundheitsreport 2013, S. 17.
  • [5] Vgl. ebenda, S. VI.
  • [6] Vgl. ebenda, S. 18.
  • [7] Vgl. ebenda, S. 50.
  • [8] Vgl. Robert Koch Institut, Gesundheit in Deutschland, 2007, S. 13.
  • [9] Vgl. Schneider, W., Psychische Gesundheit und Arbeit, 2010, S. 6f.
  • [10] Freudenberger, H. J., Journal of Social Issues, Volume 30, Issue 1, Winter 1974.
  • [11] Vgl. Hillert, A., Marwitz, M., Die Burnout Epidemie, 2006, S. 47ff.
  • [12] Vgl. Hillert, A., Wie wird Burnout behandelt?, 2012, S. 190.
  • [13] Verwendet z.B. von De Lange et al. (2003) und Margraf/Schneider (2009)
 
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