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2.2 Stress

Umgangssprachlich werden viele dieser Belastungssituationen (Überforderung, Verantwortung, Lärm) vereinfacht und unter dem Begriff „Stress“ zusammengefasst.

Wissenschaftlich gesehen, gibt es für Stress keine einheitliche Definition. Ulich und Wülser untersuchten die verschiedenen Stressdefinitionen und -konzeptionen und stellten als Unterschied heraus, dass Stress sowohl rein negativ als auch als „negativ (Distress) oder positiv (Eustress)“ in der Literatur interpretiert wird. [1] Zumeist wird unter Stress jedoch ein Zustand verstanden, der durch eine negative Situation (meist in Verbindung mit Angst oder Bedrohung) ausgelöst wird, welche durch eigenes Handeln nicht überwunden werden kann und sich auch nicht selbstständig ins positive wandelt. [2] Als anerkannteste Konzepte in Deutschland können das „Belastungs-Beanspruchungs-Modell (Rohmert und Rutenfranz, 1975)“, das “Transaktionale Stressmodell (Lazarus und Folkman, 1984)“ und das „Anforderung-Kontroll-Modell (Karasek, 1979)“ genannt werden. [3]

Auch folgende Definition von Ulich fasst die verschiedenen Begriffsbestimmungen für Stress verständlich zusammen: „Stress resultiert aus einem tatsächlichen oder wahrgenommenen Ungleichgewicht zwischen den aus einer Situation resultierenden Anforderungen bzw. Belastungen und der Einschätzung, diese mit den verfügbaren Ressourcen nicht bewältigen zu können“[4].

Ergänzend zu Ulich, der das Ungleichgewicht bzw. die Überforderung betont, die zu Stress führt, kann Weinert angeführt werden, der beschreibt, dass zur Entstehung von Stress zudem Ungewissheit über das Ergebnis herrschen und das Ergebnis dem Betroffenen auch wichtig sein muss. [5]

Stress kann verschiedene Ursachen (Stressoren) haben und hat oft multikausale Zusammenhänge. Stress kann akut oder chronisch, im privaten Umfeld sowie im betrieblichen Umfeld auftreten und einen physischen wie auch einen psychischen Ursprung haben. [6] Stress ist somit immer die Folgereaktion auf eine bestimmte Situation bzw. auf bestimmte Stressoren. [7]

Bezogen auf den Forschungsansatz stellen folglich lang anhaltende, psychologisch stark beanspruchende Arbeitssituationen ohne ausreichende Pausen bzw. Entspannungsmomente einen Stressor dar. Ebenso kann die Überbeanspruchung des Arbeitsgedächtnisses nach einer gewissen Zeit zu einem Unwohlsein und einer nachlassenden Konzentration führen.

Bei einer dauerhaften Belastung durch Stressoren kann es zu Fehlbelastungen und somit zu Fehlbeanspruchungen (siehe Kapitel 2.4) einschließlich der negativen gesundheitlichen Folgen für die Arbeitnehmer kommen.

  • [1] In dieser Arbeit ist bei der Verwendung des Begriffes „Stress“ immer Distress gemeint.
  • [2] Vgl. Ulich E., Wülser, M., Gesundheitsmanagement in Unternehmen, 2009, S. 60f.
  • [3] Siehe hierzu u.a. Lohmann-Haislah (2012), Ulich (2011), Richter/Hacker (1998).
  • [4] Ulich, E., Arbeitspsychologie, 2011, S. 487.
  • [5] Vgl. Weinert, A.B., Organisationspsychologie, 1998, S. 234.
  • [6] Vgl. Ulich E., Wülser, M., Gesundheitsmanagement in Unternehmen, 2009, S. 64f.
  • [7] Vgl. Lohmann-Haislah, A., Stressreport Deutschland 2012, S. 13.
 
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