< Zurück   INHALT   Weiter >

2.3 Multitasking

Bezieht man den Begriff Multitasking auf den Bereich des Menschen bzw. des menschlichen Gehirns, so definieren Law et al. den Begriff wie folgt: “The term “multitasking” can be used to apply to a situation where a person is engaged in multiple discrete tasks within a limited time frame (but must switch back and forth between them) rather than a situation where he or she is attempting multiple tasks simultaneously.” [1]

In Gegensatz zu einem Computer kann das menschliche Gehirn mehrere Aufgaben meist nicht gleichzeitig ausführen. Aus kognitionspsychologischer Sicht werden Aufgaben vielmehr in sich schnell abwechselnden, kleineren Aufgabenpaketen ausgeführt. [2]

Im Rahmen des Stressreports Deutschland 2012[3] wurde die Frage nach der Fähigkeit unseres Gehirns zur Fehlererkennung, -verarbeitung und -korrektur während einer Multitasking-Situation gestellt. Hierbei wurde anhand von EEGMessungen unter Laborbedingungen die ereigniskorrelierten Hirnpotenziale (EKP) bei gleichzeitiger Bearbeitung von zwei Aufgaben gemessen und ausgewertet. Auch diese Forschergruppe (BAuA-Bericht zum Projekt F2247) kam zu dem Ergebnis, dass die gleichzeitige Bearbeitung aufmerksamkeitsintensiver Prozesse auf neuronaler Ebene nicht möglich ist und durch Multitasking zudem ein erhöhtes Risiko besteht, Fehler zu machen und diese nicht zu erkennen sowie zu korrigieren. [4]

Ausnahmen bilden hierbei gleichzeitig stattfindende mentale und motorische Aufgaben. [5]Es fällt uns beispielsweise nicht schwer, uns beim Laufen zu unterhalten. Ein Gespräch zu führen, während wir ein Buch lesen, ist für die meisten Menschen jedoch schwierig.

Bezogen auf die Arbeits- und Denkprozesse in Arbeitssituationen an Computerarbeitsplätzen, kann somit vereinfachend folgende Definition verwendet werden: „Multitasking bedeutet, dass eine Person in einem begrenzten Zeitraum mehrere Aufgaben gleichzeitig bearbeitet.“ [2]

Multitasking führt dazu, dass mehrere Aufgaben in einer insgesamt kürzeren Zeit erledigt werden können. Eine vereinfachte Darstellung des Prinzips liefert Klingberg (Abbildung 4) in Anlehnung an Posner (1978).

Abbildung 4: Leistungskurve beim Multitasking

Quelle: In Anlehnung an Klingberg, T., Multitasking, 2008, S. 71 in Anlehnung an Posner (1978)

Bei einer aufgewendeten Leistung für Aufgabe A in Höhe von 90 % kann bereits eine Leistung von 44 % für Aufgabe B erreicht werden. Insgesamt entsteht durch Multitasking eine Leistung von > 100 % im Vergleich zur Konzentration auf lediglich eine Aufgabe mit 100 % Leistung. [7]

Neben den Nachteilen, dass einzelne Aufgaben nicht mehr in der vollen Geschwindigkeit erledigt werden, können aber auch Fehler oder Ungenauigkeiten Folgen der mangelnden Konzentration auf die einzelne Tätigkeit sein.

Der Stressreport 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin benennt Multitasking zudem als einen der zentralen Belastungsfaktoren für Mitarbeiter, die unter Stress leiden.

Es lässt sich also festhalten, dass Multitasking zur Überforderung von Arbeitnehmern führen kann und langfristig einen negativen Einfluss auf deren psychologische Leistungsfähigkeit hat. Jedoch sollte auch Multitasking nicht losgelöst von anderen Belastungseinflüssen betrachtet werden, sondern als eine Komponente innerhalb einer multikausalen Belastungssituation.

  • [1] Law, A. et al., Resistance to the impact of interruptions during multitasking by healthy adults and dysexecutive patients, 2004.
  • [2] Vgl. Baethge, A., Rigotti, T., Arbeitsunterbrechung und Multitasking, 2010, S. 26.
  • [3] Lohmann-Haisler, A., Stressreport Deutschland 2012, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).
  • [4] Vgl. Gabriele Freude, G., Weißbecker-Klaus, X., Stressreport Deutschland 2012, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2012, S.130f.
  • [5] Siehe hierzu bspw. Roskell/Cross (1998), Wickens (1984).
  • [6] Vgl. Baethge, A., Rigotti, T., Arbeitsunterbrechung und Multitasking, 2010, S. 26.
  • [7] Vgl. Klingberg, T., Multitasking, 2008, S.70f.
 
< Zurück   INHALT   Weiter >